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Ahoi: Typische Lärmbelästigung auf einem Kreuzfahrtschiff - kein Grund für Reisepreisminderung

Ein Ehepaar machte eine Kreuzfahrt. Aufgrund der Lärmbelästigung durch Motor, Ladeluke und Transportband wollte es Minderungsansprüche geltend machen. Ihr Pech: Die Lärmbelastung hätte dem Katalog entnommen werden können. Nur ein nicht angekündigter Zwischenstopp auf der Anreise bewirkte eine geringe Minderung des Reisepreises.

Keine Traumreise

Der Kläger unternahm mit seiner Ehefrau eine zweiwöchige Kreuzfahrt in Südostasien. Dazu bucht er auch noch ein An- und Abreisepaket zum Gesamtpreis von 6.712,00 EUR. Doch es wurde aus ihrer Sicht keine Traumreise.

 

Doch kein Nonstoppflug: kurz vor dem Abflug über Zwischenstopps informiert

Das Ehepaar buchte zur Anreise Flüge, die als Direktflüge ausgewiesen waren. Allerdings erfolgten sowohl auf auf dem Flug Zwischenstopps, wovon der Kläger erst zwei Wochen vor Reiseantritt in Kenntnis gesetzt wurde. Durch den ungeplanten Zwischenstopp verlängerte sich die Anreise um 4 Stunden und 40 Minuten.

 

Zur langen Anreise kam noch Lärm durch Ladeluke und andere Bordsaktivitäten

Unmittelbar unter der Kabine des Klägers lag die Ladeluke. Durch das Öffnen und Schließen der Ladeluke entstand Lärm, der deutlich in der Kabine des Ehepaares wahrnehmbar war. Allerdings wurde die Luke niemals vor 7.00 Uhr bedient. Ebenfalls unter der Kabine des Paares befand sich ein Transportband, welches ebenfalls in der Kabine Lärm verursachte.

Das Ehepaar meldete dies dem Klubchef und dem Stewart, doch ein Kabinenwechsel war – unumstritten - nicht möglich.

 

Ehepaar verklagt Reiseveranstalter auf Reisepreisminderung

Aufgrund der dauernden Lärmbelästigung und des ungeplanten Zwischenstopps, ging das Ehepaar vor Gericht. Es forderte  vom dem Reiseveranstalter eine Reisepreisminderung in Höhe von 2.280 EUR.

 

Pech: auf mögliche Lärmbelästigung wurde im Katalog hingewiesen

Der beklagte Reiseveranstalter argumentiert, dass dem Katalog des Kreuzfahrtschiffes zu entnehmen sei, dass es in bestimmten Bereichen des Schiffes zu einer gewissen Lärmentwicklung kommen kann. Weiterhin handle es sich bei den beklagten Geräuschen um schiffstypische Geräusche.

Auf einem Kreuzfahrtschiff gebe es nun einmal Geräusche dieser Art, die von einem normalen Hotelbetrieb abweichen und unvermeidbar seien. Hinzu kam, dass das Öffnen und Schließen der Ladeluke nur einige Male zu hören war und auch das Transportband nur hin und wieder lief.

 

Nur der Zwischenstopp bewirkte einen (geringen) Minderungsanspruch

Die Reisenden hatten  aufgrund der Zwischenlandungen bei An- und Abreise einen Minderungsanspruch von 89,50 EUR, denn diese Abweichung geht über eine Unannehmlichkeit hinaus und gilt als Mangel. Ist vertraglich ein Non-Stop-Flug vereinbart, stellt ein Zwischenstopp eine Abweichung von der gemäß § 651a Abs. 1 BGB geschuldeten Leistung dar.

Die weitere Klage war dagegen unbegründet. Die mit den notwendigen Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff verbundenen Geräuschbeeinträchtigungen, stellen lediglich Unannehmlichkeiten dar. Man muss bei einer Kreuzfahrt davon ausgehen, dass auf dem Schiff Arbeiten verrichtet werden, welche Lärm erzeugen. Es handelt sich hierbei um unvermeidlichen Lärm.

(AG Rostock, Urteil v. 18.3.2011 47 C 241/10).

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