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Ärger in der Tipp-Gemeinschaft: Lottoschein nicht abgegeben

Wenig fesselt Unbeteiligte so, wie das Schicksal eines Jedermann, der "über Nacht" zum Lottomillionär wird. Bleibt das Millionärserlebnis dagegen aus, weil einer der Tipp-Kumpane vergessen hat, den Tippzettel abzugeben, oder weil einer (angeblich) nicht mitgetippt hat, beschäftigt das vor allem die arm gebliebene Lottospielgemeinschaft und Gerichte.

 

Lottospielen macht selten reicht, manchmal aber sorgt es für viel Ärger

 

Reine Gefälligkeit?

Wer in einer Lottospielgemeinschaft die Lottoscheine ausfüllt und einreicht, übernimmt keine rechtsgeschäftliche Verpflichtung. Es handelt sich bei Aufgabenteilung zwischen den Spielern grundsätzlich nur um ein Gefälligkeitsverhältnis ohne vertragliche Verpflichtung.

 

Wer sicher gehen will, muss vertragliche Vereinbarungen treffen

Wegen des außerordentlichen Schadensrisikos muss die rechtliche Verpflichtung etwa für die Scheinabgabe ausdrücklich gegenüber den Mitspielern übernommen werden, wenn eine Haftung begründet werden soll.

 

Vier Millionärsfreunde wollt ihr sein...

In einem Fall spielten 4 Bekannte als eine Lottospielgemeinschaft. Die wöchentlichen Einsätze wurden bei einem Mitspieler eingezahlt, der die Aufgabe hatte, die Lottozettel im eigenen Namen auszufüllen und bei der Annahmestelle abzugeben.

Vor einer Ausspielung hatte der Mitspieler vergessen, die Lottozettel mit den verabredeten Zahlen auszufüllen. Dadurch entgingen der Lottogemeinschaft Gewinne von ca. 5.300 Euro. Mit ihrer Klage auf Schadensersatz wegen des anteiligen Gewinns hatten die anderen Mitspieler keinen Erfolg (BGH, Urteil v. 16.5.1974, II ZR 12/73), es war eben nur eine Gefälligkeit, denn es gab keine Vereinbarung.

 

Genauso traurig: Einer bleibt arm

Gut, wenn Beteiligte an der Tippgemeinschaft durch einen Vertrag nachweisen können, in dem die Rechte und Pflichten eines jeden Spielers festgelegt sind. Das zeigt auch ein aktueller Fall.

Jahrelang hatten die Arbeitskollegen bei Bosch in Hildesheim mit mäßigem Erfolg gemeinsam Lotto gespielt. Dann kam beim "Super Ding", der große Geldregen.

In diesem Fall kam es immerhin zu dem Gewinn von 1,7 Millionen Euro, doch auch das Landgericht Hildesheim konnte einem der angeblichen Mitspieler nicht zu einem Anteil daran verhelfen:

  • Er konnte weder eine Kopie des Tippscheins
  • noch eine Quittung über den Spielbetrag von 21 Euro vorlegen.

Fraglich war, ob zwei der Kollegen einen dritter ausgebootet baben. Der behauptete, man habe ihn übergangen und stellte Strafanzeige wegen Betrugs, ein Großteil des Gewinns wurde gepfändet.

Die Kammer des LG hielt es zwar mit Urteil v.1.6.2010 für möglich, dass der Mann - wie schon viele Male zuvor - mitgespielt habe. Gewissheit konnte sei aber nicht gewinnen "Dies sollte jedem, der sich an einer Tippgemeinschaft beteiligt, eine Lehre sein", lautete der Rat des Richters. Nun geht der Streit nun in die nächste Instanz vor das Oberlandesgericht Celle geht und auch die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen betrugs.

 

Hintergrund

Der Geschäftsführer von Lotto Hamburg, Siegfried Spies, befand, Tippgemeinschaften seien Vertrauenssache und daher besonders risikoanfällig.

 

Tippschein = Inhaberpapier

Nur wer den Tippschein in Händen hält, kann seine Inhaberschaft beweisen.

 

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