08.03.2013 | Top-Thema Ärger im Restaurant und Rechtsfolgen

Mangelhafte Bewirtung: Nacherfüllungsanspruch oder Zahlungsverweigerungsrecht

Kapitel
Bei Schnecken im Salat sofort rügen
Bild: Haufe Online Redaktion

Der Appetit kommt beim Essen sagt der Volksmund, aber manchmal verhält es sich genau umgekehrt.

Der Gast bestellt eine Thai-Beef-Nudelsuppe. Die Nudeln sind verkocht, die Suppe ist kalt, einige enthaltene Fleischstücke sind genießbar. Ein Zahlungsverweigerungsrecht besteht, wenn die Suppe nicht von mittlerer Art und Güte ist. Beanstanden kann man auch was unüblich ist, so etwa noch fast rohe Nudeln, versalzenen Fisch oder eine kalte Suppe - wenn es nicht im Rezept steht, dass sie kalt sein soll.

Wird etwas anderes serviert als bestellt wurde, braucht es nicht akzeptiert bzw. verzehrt und bezahlt werden (Blumenkohl statt Brokkoli). Dann nämlich hätte der Gastwirt noch nicht geleistet, so dass er auch die Gegenleistung nicht verlangen kann. Hat der Gast aber schon alle Fleischstücke herausgepickt, so hat er die Leistung genehmigt. Er muss zahlen.

Wichtig: Grundsätzlich muss bei einer Reklamation der Wirt zunächst den Mangel beheben oder das Essen gegen ein einwandfreies Gericht umtauschen. Das noch rohe Steak muss also durchgebraten und den runzligen Salat gegen einen frisch ausgetauscht werden. Manchmal ist das Vertrauen in die Küche aber so gesunken, dass ein 2. Anlauf dem Gast nicht zumutbar ist.

Hilfe! Schneckenalarm im Salat

Manchmal wird es richtig ekelig. Etwa wenn sich Lebewesen in der Speise tummeln. Doch nicht immer hat der Gastwirt Verständnis, für Skrupel und Empfindlichkeiten seiner Gäste. Das gilt besonders, wenn sich die Mahlzeit schon ihrem Ende nähert.

Nur was noch nicht gegessen war, musste auch nicht bezahlt werden. Hier wird aber teilweise auch die Auffassung vertreten, dass eine Menüfolge als Ganzes gesehen werden muss und in einem solchen Fall die Zahlungsverpflichtung vollständig entfällt.

Weitere Beispiele

  • Lippenstift auf dem Glas ist ein Mangel und führt zum Nacherfüllungsanspruch, sprich zu einem neuen Getränk.

  • Sand im Salat

  • Rotbarschfilet statt Seezungenfilet

  • Kork im Wein

Sind die Portionen zu klein, ist zu unterscheiden: In einem gehobenen Restaurant wird man eher kleinere Essensmengen akzeptieren müssen, während sie in einer gut bürgerlichen Gaststätte ein Minderungsgrund darstellen können.

Fazit: Wie jeder Dienstleister hat auch der Gastwirt eine Leistung frei von Mängeln zu erbringen. Tut er dies nicht, so kann der Gast Gewährleistungsrechte ähnlich denen des Kaufvertrags geltend machen. Wichtig hierbei: Nicht weiter essen, sondern sofort rügen!

Schlagworte zum Thema:  Bewirtung, Nacherfüllung, Vertragsrecht, Haftung

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