08.03.2013 | Top-Thema Ärger im Restaurant und Rechtsfolgen

Ärger schon vor dem Essen

Kapitel
Nach 1,5 Stunden Wartezeit kann die Rechnung gekürzt werden
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Manchmal reicht die Zeit des gastronomischen Erlebnisses nicht einmal für eine Magenverstimmung, der Ärger geht dann schon früher los.

Reservierungsärger

Der Gast reserviert einen Tisch für 20:00 Uhr. Bei seiner Ankunft ist der Tisch noch nicht frei. Je nach Begleitumständen ist eine Wartezeit von 15 – 30 Minuten zumutbar. Anschließend kann der Gast vom Vertrag zurücktreten und Schadensersatz etwa in Höhe der zu erwartenden Bestellsumme verlangen. Nimmt der Gast eine Reservierung nicht wahr, muss er allerdings umgekehrt mit Ansprüchen des Gastwirtes wegen Verdienstausfalls rechnen, vorausgesetzt der Tisch konnte nicht anderweitig besetzt werden (insoweit Schadensminderungspflicht des Gastwirtes) (AG Kiel, Urteil v. 22.1.1998, 8 S 160/97).

Stolperfallen & Co.

Der Gast betritt das Lokal, stolpert über eine nicht kenntlich gemachte Schwelle unter dem Türrahmen und  verletzt sich. Hier hat der Gastwirt seine Verkehrssicherungspflicht verletzt. Er hätte auf die Schwelle zumindest durch einen Warnhinweis aufmerksam machen müssen (OLG Hamm, Urteil v. 16.11.1999, 6 U 158/99). Der Gast hängt seine Kleidung an der dafür vorgesehenen Garderobe auf. Dort befindet sich der Hinweis: Für Garderobe keine Haftung. Der Mantel wird  entwendet. Nach der Rechtsprechung ist zu unterscheiden: Der Haftungsausschluss ist wirksam, soweit der Gast die Garderobe von seinem Platz aus einsehen konnte. Wenn nicht, kann er Schadensersatz verlangen (BGH, Urteil v. 13.2.1980, VIII ZR  33/79).

„Maria ihm schmeckt‘s nicht“

Zu langsam: Der Gast freut sich auf das erwartete Menü und muss sich nach der Bestellung noch 45 Minuten gedulden. Die Rechtsprechung gewährt eine Minderung zwischen 10 und 30 % (LG Karlsruhe, Urteil v. 12.5.1993, 1 S 196/92). Nach einer anderen Entscheidung kann der Restaurantbesucher nach einer Verspätung von mehr als eineinhalb Stunden die Rechnung um 30 % kürzen (LG Karlsruhe, Urteil v. 12.5.93, 1 S 196/92). Eine Wartezeit von 30 Minuten wird man aber normalerweise hinnehmen müssen. Wer länger aufs Essen warten muss und deshalb hungrig das Lokal verlässt, um in einem anderen vergleichbaren Restaurant teurer zu essen, kann den Mehrpreis ersetzt verlangen.

Zu eintönig: In einem Gasthaus mit abwechslungsreichen Speisen reserviert der Familienvater eine Tisch für den Muttertag. Nach Bestellung der Getränke stellt man fest, dass an diesem Tag nur ein einziges Muttertagsmenü angeboten wird. Der Gastwirt lässt die Familie erst nach Zahlung einer „Abstandssumme“ von 15 € pro Person ziehen. Diese musste er zurückzahlen. Er hätte den Familienvater schon bei der Reservierung auf das extrem verkürzte Speisenangebot an Muttertag hinweisen müssen (Amtsgericht Siegburg, Urteil v. 22.1.1998, 6 C 464/90).

Schlagworte zum Thema:  Wartezeit, Schadensersatz, Verkehrssicherungspflicht, Vertragsrecht, Haftung

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