Der Weg zum Doktortitel ist meist lang. Doch welches sind die rechtlichen Voraussetzungen, die zu einer Aberkennung des Doktortitels führen?

Nicht jeder wartet im Ernstfall, bis ihm ein Doktortitel aberkannt wird. So hat seinerzeit Karl-Theodor zu Guttenberg selbst zunächst seinen Titel „vorübergehend ruhen lassen“, dann hat er einen dauerhaften „Verzicht“ auf das Führen des Titels erklärt und hat schließlich die Universität gebeten, ihm den Titel zu entziehen. Geht das eigentlich in Eigeninitiative und wie sieht der Verlust des Titels rechtlich aus?

Titel ist nicht ohne Weiteres ablegbar

Ein eigenmächtiges Ablegen des Titels ist nicht möglich.

Rechtlich können nur die durch die landesrechtlichen Bestimmungen und die Promotionsordnung berufenen Gremien den Titel entziehen. An der für Guttenberg zuständigen Universität Bayreuth bestimmt § 16 der Promotionsordnung der wirtschafts- und rechtswissenschaftlichen Fakultät das Verfahren und die Voraussetzungen für einen Titelentzug.

Entzug bei Täuschungsabsicht oder Unwürdigkeit

Unwürdig zur Führung des Titels ist, wer durch persönliche Verfehlungen (z.B. Verbrechen) sich dem wissenschaftlichen Grad als charakterlich nicht gewachsen erwiesen hat. In der Praxis spielt die nachgewiesene Täuschungsabsicht die Hauptrolle für einen Entzug. Nicht jedes in einer Arbeit enthaltenes Plagiat belegt schon die Absicht des Doktoranden zur Täuschung.

Nach einer Entscheidung des VGH München (Bayerischer VGH, Urteil v. 04.04.2006, 7 BV 05.388) ist zwischen schlechtem wissenschaftlichem Stil und bewusster Täuschung zu unterscheiden. Wenn fremde Textstellen mehrfach wörtlich übernommen und durch kleine Änderungen dem Kontext der Promotionsarbeit angepasst werden, so belegt dies nach Auffassung des VGH Mannheim die Täuschungsabsicht (VGH Baden- Württemberg, Beschluss v. 13.10.2008, 9 S 494/08).

Außerdem müsse nach dem Gesamtzusammenhang entschieden werden, ob das geistige Eigentum anderer in einer Weise verletzt wurde, dass nicht mehr von einer seriösen wissenschaftlichen Vorgehensweise gesprochen werden könne.

Aberkennung des Titels nur durch universitäre Kommission

Die Entscheidung hat eine aus Professoren bestehende Kommission der Universität Bayreuth zu treffen. Die Bitte des Ministers um Aberkennung kann hierbei als Indiz für die Einräumung der Täuschung genommen werden. Problematisch bleibt, dass der Minister die Absicht zur Täuschung, die Voraussetzung für die Aberkennung wäre,  weiterhin bestreitet. Die vom Minister eingeräumten „handwerklichen Fehler“ reichen für eine nachträgliche Aberkennung des Titels nicht aus.

 

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