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Wir beraten!!! Wir prüfen!!! - reklamehafte Werbung ist unzulässig

„Wir beraten!!! Wir prüfen!!!“ – Wirbt ein Steuerberater mit diesen Worten auf jeder zweiten Seite eines Telefonbuchs, ist die Werbung reklamehaft und damit berufswidrig. Eine Rüge der Steuerberaterkammer ist hierfür gerechtfertigt - eine Entscheidung, die auch für Anwälte richtungsweisend ist.

Werbeanzeigen auf jeder zweiten Seite des örtlichen Telefonbuchs

Ein Steuerberater aus Norddeutschland schaltete Werbeanzeigen auf jeder zweiten Seite des örtlichen Telefonbuchs. Sämtliche Anzeigen waren in Rot abgedruckt und beinhalteten die Ausrufe „Wir beraten!!!“ und „Wir prüfen!!!“. Die Steuerberaterkammer erteilte dem Berater eine Rüge wegen berufswidriger Werbung.

 

Sachlich! Berater-Eigenwerbung hat enge Grenzen

Das LG Hannover urteilte, dass die Rüge zu Recht erteilt wurde, da die beanstandeten Werbeanzeigen reklamehaft und damit berufsrechtlich nicht zulässig sind. Das Steuerberatungsgesetz (StBerG) als auch die Berufssatzung für Steuerberater und Steuerbevollmächtigte (StBOStB)setzt dem Steuerberater bei der Eigenwerbung enge Grenzen.

Nach § 57a StBerG ist Werbung nur erlaubt, soweit sie über die beruflichen Tätigkeiten sachlich unterrichtet und nicht auf die Erteilung eines Auftrags im Einzelfall gerichtet ist. Daher muss die Werbung berufsbezogen, sachlich richtig, objektiv nachprüfbar und nicht irreführend sein.

 

Nicht reklamehaft!!

§ 10 Abs. 2 S. 3 BOStB konkretisiert, dass die Darstellung nicht reklamehaft sein darf. Dem ratsuchenden Verbraucher soll die Möglichkeit gegeben werden, sich sachgerecht und losgelöst von Äußerlichkeiten zu informieren, bevor er ein Vertragsverhältnis mit einem Steuerberater eingeht.

Das LG sah die Grenzen der Sachlichkeit überschritten und störte sich insbesondere an der Häufigkeit der Anzeigenschaltung, den Ausrufezeichen und der auffallend roten Farbe. Das Zusammenwirken dieser Faktoren sorgte nach Ansicht des LG für eine Aufdringlichkeit und eine emotional übertriebene Verstärkung der Werbung. Sie war nicht mit dem Berufsbild eines Steuerberaters vereinbar.

(LG Hannover, Beschluss v. 24.8.2009, 44 StL 2/06 rkr).

Praxishinweis: Dass für die Werbung eines Steuerberaters ein eher zurückhaltender Tonfall angebracht ist, zeigte bereits das BGH-Urteil vom 29.7.2009 (Az. I ZR 77/07). Hier stellte die Werbung allerdings die Preiswürdigkeit und fachliche Qualität von anderen Wettbewerbern in Frage.

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