26.06.2014 | Serie Kanzleimanagement Experten-Blog des Bucerius-CLP

Vom Juristen zum Unternehmer - wie gelingt die eigene Kanzleigründung?

Serienelemente
Bild: Birte Gall ⁄ Geschäftsführerin der Bucerius Education GmbH / Claudia Bonacker Consultant, CLP

Rechtsfragen beantworten, Mandanten beraten und vor Gericht vertreten – all das lernen Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen im Jurastudium. Doch bei der Frage, wie man die eigene Kanzleigründung systematisch vorbereitet, werden sie allein gelassen. Hier kann ein neu entwickelter online-Businessplaner für Anwälte hilfreich sein.

Von 155.000 zugelassenen Rechtsanwälten (2011) waren 2011 ca. 73.500 als Inhaber von Kanzleien mit insgesamt 173.000 juristischen und nicht-juristischen abhängig Beschäftigten tätig (Stat. Bundesamt 2011). Die Kanzleigründer haben im juristischen Studium vor allem juristische Zusammenhänge und das Subsumieren gelernt. Doch wie kalkuliert man den notwendigen Umsatz, Personalbedarf und die Profitabilität der eigenen Kanzlei?

Typische Gründungsfehler vermeiden

„Rechtsanwälte machen die gleichen Fehler wie andere Gründer“ so Dr. Jan Evers, Gründungsexperte bei evers & jung. „Sie vergessen Kostenpositionen, verwechseln Rentabilität und Liquidität oder kalkulieren das Arbeitnehmerbrutto falsch.“ Vor allem die Marktanalyse, der zu kalkulierende Stundensatz und die „billable hours“ fallen gründenden Anwälten schwer.

Wichtige Vorfragen

Welche Kunden will ich gewinnen? Wie viele abrechenbare Stunden kann ich pro Tag erreichen? Welches Umsatzziel ist mittel- und langfristig realistisch? Passt mein Angebot zur Zielgruppe, die ich ins Visier nehme, und wie groß ist der Markt? Wie sieht der Wettbewerb in diesem Bereich aus und welchen Marktanteil kann ich erreichen? Dies sind Fragen, die sich Kanzleigründer stellen müssen.

Denn erwiesen ist: Der Kanzleierfolg ist nicht allein eine Folge juristisch exzellenter Beratung, sondern vor allem das Ergebnis konsequenter strategischer Planung und Ausrichtung.

Unverzichtbar und erhellend: der Businessplan

Erst wenn die Vision und Ziele festgelegt sind und eine Kanzlei alle Maßnahmen darauf ausrichtet, sind die unerlässlichen Voraussetzungen für den quantitativen und qualitativen Erfolg geschaffen. Der Sinn und Zweck des auch von Anwälte zu erstellenden Businessplans, liegt abgesehen von der Erforderlichkeit für eine Bankenfinanzierung in der dafür notwendigen intensiven Beschäftigung mit der eigenen Kanzleivision und -strategie.

Ein weiterer Zweck des Businessplans ist die Möglichkeit des laufenden Controllings und Monitorings. Er unterstützt also beim Projektmanagement und dabei, den richtigen Fokus zu bewahren und die richtige Richtung weiterzugehen. Dies bedeutet auch, dass Maßnahmenkataloge und Aktionspläne erstellt werden müssen.

Von der Vision zur Konkretisierung

Von der Vision, wo ich als Anwalt mit meiner Kanzlei hin möchte, bis zur Konkretisierung der einzelnen Maßnahmen und Aufgaben, ist es ein spannender Prozess. Unerlässlich ist es dabei, die Planungen mit betriebswirtschaftlich fundierten und realistischen Zahlen zu hinterlegen.

Während die Planungen für den Geschäftsaufbau den meisten noch gelingen mag, tun sich viele mit der Finanzplanung schwer.

Online-Businessplaner für Anwälte

Das Bucerius Center on the Legal Profession an der Bucerius Law School, das sich mit dem Management und der Führung von Kanzleien beschäftigt, hat gemeinsam mit evers & jung, die die Finanzwirtschaft und die Wirtschaftsförderung beraten, einen online-Businessplaner für Anwälte entwickelt, der systematisch mit Leitfragen und Assistentenfunktionen durch die wichtigsten Aspekte der Finanzplanung führt und an dessen Ende ein vollumfänglicher Plan steht.

Schlagworte zum Thema:  Kanzlei, Kanzleigründung, Businessplan, Kanzleimanagement

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