03.03.2014 | Serie Kanzleipositionierung

Werden mobile Rechtsmaschinen künftig den Anwalt ersetzen?

Serienelemente
Ist das eine Rechtsmaschien?
Bild: Peter Schmidt

Im Internet wimmelt es nur so von Internetseiten, die mit rechtlichen Themen voll bestückt sind. Oft verbergen sich dahinter „Quick & Dirty“-Angebote, die mit seriösem Rechtsrat nichts zu tun haben. Was ist also von der digitalen Konkurrenz zu halten? Und wie reagiert man als Anwältin/Anwalt angemessen darauf? Müssen Sie sich bedroht fühlen?

Das Staubsaugen wird mittlerweile schon teilweise von kleinen Robotern übernommen - kann der Rechtrat bald auch auf technischem Wege erstellt werden, mit entsprechenden Konsequenzen für die sowieso schon Konkurrenz geplagten Juristen?
Rechtsfragen, oft unerkannt, durchziehen den Alltag

Im täglichen Leben stolpern Verbraucher ständig über rechtliche Fragen, die sie ad hoc aus dem Bauch heraus entscheiden, ohne gleich einen Anwalt einzuschalten.

Das beginnt mit der Einstellung einer Reinigungskraft oder eines Babysitters und endet mit einem Kaufvertrag über einen Gebrauchtwagen. Oder jemand leiht sich einen Gegenstand für eine gewisse Zeit von einem Bekannten aus. Ein anderer nimmt von einer Privatpeson ein kleines Darlehen auf.

Mobile Lösung für die kleinen Rechtsfälle des täglichen Lebens

Für all die kleinen Rechtsfälle des täglichen Lebens hat das Unternehmen Shake (www.shakelaw.com) in den USA eine mobile Lösung entwickelt, die es Verbrauchern ermöglicht, Verträge über das Smartphone selbst zu generieren, es via E-Mail an den Vertragspartner zu senden oder direkt auf dem Bildschirm des Smartphones zu unterschreiben und gleich auch für die Vertragsleistung zu zahlen.

Anwälte können kaum kostendeckend arbeiten

Auch in Deutschland gibt es seit längerer Zeit Versuche, Rechtsfragen zu standardisieren, ja zu industrialisieren, um bestimmte immer wiederkehrende Rechtsfragen und Vertragsmuster massentauglich zu machen (www.janolaw.de). Doch sind diese Micro-Rechtsfragen und ihre Beantwortung durch Internetunternehmen tatsächlich eine Bedrohung für den Anwaltsberuf?

Bedrohung für den Anwaltsberuf?

Die Antwort lautet: Ja und Nein. Allein die Existenz dieser Angebote zeigt, dass es in der Bevölkerung ein starkes Bedürfnis nach schnellem und unkompliziertem Rechtsrat gibt. Vor allem kleine Anwaltskanzleien haben es bisher weder technisch noch vom Marketing her verstanden, diesen Bedarf zu kanalisieren und mit überzeugenden Angeboten unkompliziert zu befriedigen.

Allerdings, und insoweit sind die Gefahren für kleine Kanzleieinheiten eher gering, handelt es sich bei dem schnellen Rechtsrat in Alltagsfragen meist um sehr geringe Beträge, die ein hohes Anwaltshonorar meist nicht rechtfertigen.

Geschäft mit Micro-Rechtsrat ausreichend besetzt

Dazu kommt: Hier in Deutschland haben die großen Rechtsschutzversicherungen längst Rechtsberatungs-Hotlines aufgebaut, die es den Versicherungsnehmern ermöglicht, zumindest bei Rechtsfragen einen schnellen telefonischen Rechtsrat zu erhalten, der kostenfrei ist.

Auch große Verbraucherorganisationen wie Mietervereine, Gewerkschaften oder Automobilclubs bieten ihren Mitgliedern kostenlosen Rechtsrat an, so dass in diesem Marktsegment für kleine Anwaltskanzleien oder auch Einzelkämpfer nur schwer Geld zu verdienen sein dürfte.

Mit innovativen Ideen werden überraschend Marktanteile gewonnen

Andererseits zeigen Unternehmen in der Wirtschaftswelt immer wieder, dass auch in vermeintlich gesättigten Märkten mit innovativen Ideen Marktanteile gewonnen werden können. Vom Erfolg lernen geht immer - nichts spricht zum Beispiel dagegen, dass ein Anwalt potenziellen Mandanten einen Vertrags-Check ihrer bisherigen Verträge für eine symbolische Pauschale anbietet und Mandanten dazu erzieht künftig vor der Unterschrift zu ihm zu kommen.       

Schlagworte zum Thema:  Kanzleimarketing, Kanzleiorganisation, Kanzleimanagement

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