08.09.2014 | Serie Kanzleimanagement Experten-Blog des Bucerius-CLP

Versicherungen für Anwälte - Schadenshäufigkeit und Risikoprofil

Serienelemente
Bild: Haufe Online Redaktion

Wie versichert man sich und seine Kanzlei in angemessener Weise? Die Beantwortung dieser Frage ist von besonderer Bedeutung – und es ist kaum zu verstehen, dass die wenigsten Rechtsanwälte die Antwort darauf kennen.

Früher war bekanntlich alles besser, so auch für Rechtsanwälte. Wenn mal etwas schiefging, war das nicht so tragisch, denn zum einen war man versichert, und zum anderen musste auch nicht gleich auffallen, dass ein Fehler passiert war. Anwälte wurden nur selten von ihren Mandanten in Regress genommen. Das hat sich in den letzten Jahren dramatisch geändert: Es gehört heute fast schon zum guten Ton, dass man Anwälte in Anspruch nimmt, wenn etwas schief geht. Allein deshalb machen sich Anwälte Gedanken über die geeignete Rechtsform. Das ist auch gut so. Sie sollten sich außerdem unbedingt Gedanken darüber machen, ob sie richtig versichert sind.

Genau wie Autos sind Anwälte versichert

Schon hier gibt es ersten Protest: Natürlich sind Anwälte versichert! Ohne Versicherung bekommen sie keine Zulassung. Das ist wie beim Auto: Ohne Versicherungsdeckungszusage kann man kein Auto anmelden. Anwälte werden als ähnlich riskant angesehen, ob uns das gefällt oder nicht. Fällt der Versicherungsschutz weg, wird die Zulassung entzogen, die Kammern kennen da kein Pardon.

Wie riskant ist eigentlich meine Tätigkeit?

Die Versicherung an sich ist auch nicht das Problem, sondern die Frage: Wie riskant ist eigentlich meine Tätigkeit? Schon diese Frage lässt viele Anwälte ratlos zurück, denn die Frage nach ihrem eigenen Risikoprofil können nur die Wenigsten beantworten. Dabei geht es nicht um die Frage, ob in den letzten Jahren etwas passiert ist oder nicht – das ist die Schadenshäufigkeit.

Woraus ergibt sich das Risikoprofil einer Kanzlei?

Das Risikoprofil befasst sich mit den Spezifika der jeweiligen anwaltlichen Tätigkeit, also mit den bearbeiteten Rechtsgebieten, der Mandantenstruktur, dem Mandatsanfall, der Büroorganisation, der Form der Berufsausübung usw. Ein Risiko besteht eben auch, wenn bislang noch nichts passiert ist. Es geht bei der Frage der „richtigen“ Versicherung darum, den noch nie eingetretenen und hoffentlich nie eintretenden Fall so zu versichern, dass man nicht sein persönliches Vermögen aufs Spiel setzt.

Wie findet man denn nun sein Risikoprofil? Gibt es etwa Literatur zu diesem Thema? Ja, inzwischen gibt es die: Im  gerade erschienenen Beck’schen Formularbuch für die Anwaltskanzlei ist ein kurzer Abschnitt über Versicherungen enthalten. Erschöpfend ist das zwar nicht, was dort steht, aber immerhin: Diejenigen, die sich das Buch zugelegt haben, sollten kurz Zeit für die Lektüre der Versicherungsthemen aufwenden.

Ansonsten empfehlen wir im CLP immer das Gespräch mit den eigenen Kollegen. Nun gut, der Einzelanwalt hat diese Möglichkeit nicht, aber Berufsausübungsgemeinschaften schon, und man sollte mindestens zwei Mal im Jahr die Zeit für ein gemeinsames Wochenende investieren, um sich eingehend über die gesamte Kanzlei auszutauschen.

Risikomanagement durch Wahl der Gesellschaftsform ist nur halbes Risikomanagement

Wir sind immer überrascht, wie wenig Anwälte miteinander reden, wenn es um ihre ureigenen Interessen geht. Versicherungen gehören ohne Zweifel dazu, denn unter diesem Thema tauscht man sich immer darüber aus, was man tut. Der Anwalt erfährt, was der andere tut, er kommt so auf neue Ideen, und nutzt Synergien... Am Ende stellt man fest, dass man seinen Laden im Griff hat und für den Fall des Falles richtig versichert ist – oder es gibt Lücken und kann noch rechtzeitig etwas dagegen tun.

By the way: Für diejenigen unter Ihnen, die in beschränkt haftenden Berufsausübungsgemeinschaft arbeiten, gilt das alles ganz genauso. Risikomanagement durch die Wahl der Gesellschaftsform ist nur halbes Risikomanagement.

Schlagworte zum Thema:  Rechtsanwalt, Berufshaftpflicht, Risikomanagement, Kanzlei, Kanzleimanagement

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