04.11.2014 | Serie Kanzleimanagement Experten-Blog des Bucerius-CLP

Traumhochzeit - der ideale neue Partner für die Anwaltskanzlei

Serienelemente
Bild: Haufe Online Redaktion

Anwälte klagen häufig darüber, dass es keinen geeigneten Partnernachwuchs gibt. Hier sind sich Vertreter großer und kleiner Kanzleien ausnahmsweise einig. Aber ist es wirklich so schwer, den oder die Richtige zu finden? Oder liegt das Problem doch bei den notwendigen Vorüberlegungen für eine erfolgreiche Suche?

Eigentlich kaum zu glauben, dass es keinen geeigneten Partnernachwuchs geben soll. Aber unterhält man sich mit Kanzleivertretern, dann hört man genau das. Ob groß oder klein, alle klagen genau darüber. Gute Mitarbeiter, das ja, fachlich auch gut, aber „Partnermaterial“? Und die, die vielleicht in Betracht kämen, wollen dann nicht; diese Generation Y macht uns offenbar allen zu schaffen.

Wissen, wer Sie sind und was Sie wollen

Es mag wie eine Provokation klingen, aber: Für jede Sozietät, die weiß, wen sie als Partner haben möchte, gibt es auch Partner. Nur die Kanzlei, die das nicht weiß, geht leer aus. Das ist nicht anders als bei privaten Beziehungen: Wenn Sie nicht wissen, wer Sie sind und mit wem Sie zusammenleben möchten, dann bleiben Sie für den Rest Ihres Lebens allein.

Die Suche nach einem Partner beginnt, nicht überraschend, bei einem selbst, hier also bei der Kanzlei, ihrer Aufstellung und insbesondere ihrer Kultur.

Was macht die Kultur Ihrer Kanzlei aus?

Viele Kanzleien tappen hier im Dunkeln – sie heben natürlich das gute kollegiale Miteinander hervor, haben bei Licht betrachtet aber überhaupt keine Ahnung, was die Kultur der Kanzlei wirklich ausmacht. Daher ist die Suche nach Nachwuchs immer erratisch bzw. orientiert sich an Examensergebnissen, Doktortiteln oder Auslandsaufenthalten. Aber die Frage, ob man wirklich zusammen „passt“? Fehlanzeige. Dabei wäre das so wichtig, denn den Partnernachwuchs rekrutiert man doch im Idealfall aus seinen Mitarbeitern.

Machen sie sich ein Partnerbild

Wie geht man dieses Dilemma an? Am besten mit einem Partnerbild. Darunter versteht man eine Sammlung von Kriterien, die einen existierenden Ideal-Partner der Kanzlei ausmachen. Natürlich sind wir alle unterschiedlich, das macht ja gerade den Reiz unserer Profession aus. Aber für eine Sozietät braucht man zwingend eine Übereinstimmung über bestimmte Grundfragen. Dafür haben wir in zahlreichen Projekten mit Kanzleien Partnerbilder entwickelt. Die kann man hier nicht alle wiedergeben, aber anfangen könnte man ja mit folgendem Kriterienkatalog:

  1. Persönlichkeit
    1. Integrations- und Teamfähigkeit
    2. Auftreten und Kontaktfähigkeit
    3. Kollegialer und respektvoller Umgang mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Sozietät
    4. Übernahme von Verantwortung und Durchsetzungsvermögen
    5. Akzeptanz bei Mandanten
    6. Mitarbeitermotivation und -ausbildung
    7. Außenwirkung im beruflichen und nicht beruflichen Bereich


  1. Fachliche Qualifikation
    1. Überdurchschnittliche Fachkenntnisse, insbesondere in den Schwerpunktrechtsbereichen der Sozietät, nämlich .....
    2. Fachliche  Kreativität
    3. Vertretbarer Zeitaufwand bei der Erledigung von Arbeiten
    4. Gute Ausdrucksfähigkeit in Wort und Schrift
    5. Sorgfalt und Verlässlichkeit
    6. Verhandlungssichere Fremdsprachenkenntnisse in mindestens einer Fremdsprache

 

  1. Unternehmerische Fähigkeiten
    1. Angemessener Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg der Partnerschaft, der die Annahme rechtfertigt, dass sich dies über den Anstieg an der Gewinnbeteiligung nachhaltig fortsetzt
    2. Akquisitionskraft
    3. Ausweis fachlicher Reputation (durch Veröffentlichungen, Vorträge usw.)
    4. Belastbarkeit und hoher zeitlicher Einsatz
    5. Input zum Know-how der Sozietät
    6. Regelmäßige Mitarbeit in den Bereichen PR und Marketing

Nicht alle Kriterien werden Ihnen gleich wichtig sein! Aber wenn Sie wissen, worauf es Ihnen ankommt, und Ihre schon bestehenden Partner sich ernsthaft bemühen, diesem Bild zu entsprechen, dann wissen Sie auch, welchen Nachwuchs Sie suchen, und woran Sie merken, ob es „passt“ oder nicht. Dieser Kriterienkatalog ist bewusst wie eine Checkliste geschrieben, so dass Sie sich das auf den Tisch legen können, wenn Sie mit Ihren Partnern über den Nachwuchs diskutieren.

So einfach?

So einfach soll das sein? Zu einfach, finden Sie? Mag sein. Aber fangen Sie doch einfach mal damit an. Die Alternative ist: Klagen Sie weiter über den scheinbar ungeeigneten Nachwuchs.

Weiterführende Literatur finden Sie bei Wegerich/Hartung (Hrsg.), Der Rechtsmarkt in Deutschland (2014), und bei Schieblon (Hrsg.), Kanzleimanagement in der Praxis (2. Aufl. 2012).

Schlagworte zum Thema:  Rechtsanwalt, Kanzlei, Partnerschaft, Kanzleimanagement

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