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Studie warnt vor Anwaltssterben infolge der Digitalisierung

Beantwortet Legal Technology bald eine Vielzahl von Rechtsfragen?
Bild: PhotoDisc Inc.

Könnte die Digitalisierung bald fast jeden zweiten Junior-Anwalt überflüssig machen? Davor warnt eine Studie der Boston Consulting Group (BCG) gemeinsam mit der Bucerius Law School in Hamburg und dem Bucerius Center on the Legal Profession.

In den USA ist sie längst gängige Praxis und auch in Deutschland hat die E-Discovery in großen Compliance-Skandalen Einzug gehalten. Dabei werden mittels moderner Software-Programme Millionen von E-Mails eines weltweit agierenden Konzerns auf bestimmte Stichwörter durchkämmt, um Unregelmäßigkeiten und Gesetzesverstöße aufzuspüren. VW ist da das jüngste Beispiel. Auch im Vorfeld von Unternehmenskäufen werden die Due Dilligences zunehmend zur Datenschlacht. 

Rechtsmaschinen ersetzen bis zu 50 Prozent Manpower

Und was heute noch Junganwälte von Großkanzleien in Datenräumen erledigen, könnten schon bald Computerprogramme erledigen. Die BCG-Studie „How Legal Technology Will Change the Business of Law“ geht jedenfalls davon aus, dass die Software künftig 30 bis 50 Prozent der Aufgaben von Junior-Anwälten übernehmen könnte. Dadurch seien immer mehr Anwaltsjobs gefährdet.

Legal Technology

Die sogenannte Legal Technology ermögliche mittels Software die Digitalisierung und Automatisierung von Arbeitsabläufen,

  • wie das automatisierte Auswerten von Vertragswerken,
  • das Management von Fällen
  • und Back-Office-Arbeiten.

Kanzleien in Deutschland nutzen Legal Technology noch wenig, zudem bieten nur wenige Startups in Deutschland spezielle Software-Lösungen an.

Befragung der Top-Kanzleien

Die Urheber der Studie haben dazu 50 Interviews mit Partnern von Großkanzleien geführt, darunter die neun größten Kanzleien Deutschlands nach Umsatz, die etwa 13 Prozent des gesamten Umsatzes von Rechtsanwaltskanzleien ausmachen. Zusätzlich wurden Besitzer und Vertreter von Legal-Tech-Unternehmen über die Auswirkungen von Legal Technology auf die Geschäftsmodelle von Kanzleien befragt. Eine Umfrage unter 1000 Alumni der Bucerius Law School bestätigt diese Ergebnisse.

Auch Geschäftsmodelle kleiner Kanzleien betroffen

Unabhängig von der Kanzleigröße kann es sich heute kein Anwalt mehr erlauben, die Digitalisierung einfach zu ignorieren. Damit verlieren sie nicht nur gegenüber Konkurrenten den Anschluss. Sie verlieren damit vor allem auch die Verbindung zu ihren Mandanten, die von ihren Anwälten verlangen, technologisch immer auf dem neusten Stand zu arbeiten.

Dazu kommt, dass schon heute Internetunternehmen wie 123recht.de, smartlaw.de oder janolaw.de Verbrauchern das Standardangebot von kleinen, breit aufgestellten Kanzleien wie die Vorbereitung von Testamenten, die Auswahl an Standardverträgen für Autokauf, Gesellschaftsgründung und ähnliches online anbieten.

Den Kanzleien gehen dadurch nicht nur Umsätze verloren - der Beruf des Juristen wird sich außerdem laut Studie zunehmend weg von der Bearbeitung standardisierter Aufgaben, hin zur immer stärkeren individuellen und spezialisierten Beratung von Klienten entwickeln. 

Vgl zu dem Thema auch:

Digitalisierung in der Anwaltskanzlei

 Innovation und Anwalt

Kanzleisoftware - Chancen und Herausforderungen heute

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Rechtsanwalt, Künstliche Intelligenz (KI)

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