02.09.2010 | Kanzleitipps

Selbstständige: Freiwillige Arbeitslosenversicherung bald teurer

Selbstständige sind heute genau so von Arbeitslosigkeit bedroht wie Arbeitnehmer. Die freiwillige Arbeitslosenversicherung ist die Lösung - die aber bald teurer wird.

Wer selbstständig tätig ist und auf freiwilliger Basis Beiträge zur Arbeitslosenversicherung entrichtet, wird in Zukunft spürbar mehr bezahlen müssen. Derzeit beläuft sich der Beitrag für eine solche freiwillige Arbeitslosenversicherung auf 17,89 EUR in den alten Bundesländern und 15,19 EUR in Ostdeutschland. Berechnungsgrundlage ist das Durchschnittsentgelt in der gesetzlichen Rentenversicherung ("monatliche Bezugsgröße"). Im Jahr 2010 liegt diese bei 2.555 EUR im Westen und bei 2.170 EUR im Osten. Für Selbstständige gilt bislang noch die Regelung, dass nur 25 % des jeweiligen Werts der Beitragsberechnung unterzogen werden. Aus diesem Ausgangswert fällt der übliche Beitragssatz in Höhe von 2,8 % an, das Ergebnis ist der zu zahlende Beitrag in Euro und Cent.

Arbeitslosenversicherung: Viermal teurer - zuerst nur doppelt

Mit dem "Gesetz für bessere Beschäftigungschancen am Arbeitsmarkt" wird ab 1.1.2011 grundsätzlich die volle monatliche Bezugsgröße als Ausgangswert dienen. Ein Versicherter in Westdeutschland müsste dann bei einem Beitragssatz von 3,0 % monatlich 71,54 EUR für die freiwillige Arbeitslosenversicherung zahlen – also rund viermal so viel wie bisher. Dies ist sicher nicht unerheblich. Deshalb gibt es zumindest eine Übergangsfrist, welche die Umstellung ein wenig finanziell abfedern soll.

Umstellung: Anfangs sanft - bald aber schon richtig viel teurer

Wenigstens für das erste Jahr der Selbstständigkeit werden Beiträge nur aus der Hälfte der Bezugsgröße berechnet, was aber noch immer einer Verdopplung des Beitrages gleichkommt. Von diesem "sanften Einstieg" sollen jedoch auch alle "Altfälle" profitieren, die schon länger freiwillige Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zahlen. Sie entrichten im Jahr 2011 also lediglich doppelt so hohe Beiträge wie bislang. Doch ab 2012 schlägt für "Altfälle" die neue Regelung dann gnadenlos zu - in Form von vierfach höheren Beiträgen zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung.

Bundesagentur für Arbeit: 160.000 Selbstständige sind betroffen

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) sind von der Erhöhung rund 160.000 Personen betroffen. Allein 2009 stellten fast 100.000 Selbstständige den Antrag, in der Arbeitslosenversicherung zu verbleiben und freiwillige Beiträge zu entrichten.

Keine Verteuerung: Freiwillig weiterversicherte Pflegepersonen

Der von freiwillig in der Arbeitslosenversicherung weiterversicherten Personen, die einen nahen Angehörigen pflegen, zu zahlende Beitrag wird auch 2011 unverändert berechnet (Beitragshöhe 2010: 7,15 EUR alte Bundesländer und 6,08 EUR in den neuen Bundesländern). Diesen Personenkreis hat der Gesetzgeber bewusst von der Anhebung der Beiträge ausgenommen, um der besonderen sozialpolitischen Bedeutung der häuslichen Pflege Rechnung zu tragen.

Auch zur Unfallversicherung: Freiwilliger Beitritt für Unternehmer möglich

Auch der gesetzlichen Unfallversicherung können Unternehmer und ihre beschäftigten Ehegatten freiwillig beitreten. Dies ist auf schriftlichen Antrag möglich, sofern die betreffende Person nicht ohnehin schon nach Gesetz oder Satzung der jeweiligen Berufsgenossenschaft pflichtversichert ist. Gleiches gilt auch für Personen, die in Kapital- und Personenhandelsgesellschaften wie ein Unternehmer selbstständig tätig sind. Dies sind zum Beispiel mitarbeitende Gesellschafter, die wegen ihres maßgebenden Einflusses auf die Gesellschaft nicht in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis stehen. Von der Beitrittsmöglichkeit erfasst werden auch Freiberufler und Selbstständige, die in der gesetzlichen Unfallversicherung versicherungsfrei sind - wie etwa Ärzte, Zahnärzte, Heilpraktiker und Apotheker. Auskunft über die Höhe der Beiträge sollte man vorab beim zuständigen Unfallversicherungsträger einholen. Änderungen in der Beitragshöhe sind hier seitens des Gesetzgebers nicht geplant.

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