| Betriebsausgaben

Selbständiger kann ausnahmsweise häusliches Arbeitszimmer abziehen

Manchmal ist neben den Praxisräumen für bestimmte Arbeiten noch ein häusliches Arbeitszimmer erforderlich
Bild: Corbis

Ein Selbstständiger kann trotz Praxisräumen ausnahmsweise auch ein häusliches Arbeitszimmer beschränkt als Betriebsausgabe geltend machen, wenn die Praxisräume nicht oder nur eingeschränkt für bestimmte Arbeiten geeignet sind. Das kann der Fall sein, wenn es nicht möglich ist, dort vertrauliche Büroarbeiten mit Patientendaten zu erledigen.

Nicht jede Praxis ist für vertrauliche Büroarbeiten geeignet, befand das Finanzgericht.

Vertrauliches nicht in Räumen mit Patienten bearbeiten

  • Zwar hatte ein selbstständiger Logopäden in seiner Praxis einen Schreibtischarbeitsplatz eingerichtet, er nutzte zur Erledigung von Büroarbeiten aber ein häusliches Arbeitszimmer.
  • Grund: In der Praxis war die Erledigung von Büroarbeiten u. a. wegen der Versorgung der Patienten nur bedingt möglich.

Das Finanzamt gewährte keinen Betriebsausgabenabzug für die Kosten des Arbeitszimmers, weil nach seiner Auffassung für die Bürotätigkeit ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stand. Das Finanzgericht gab der hiergegen gerichteten Klage statt.

Betriebliche Arbeitsplatz  muss zumutbar sein

Der Kläger hatte unstreitig in seiner Wohnung bzw. in seinem privat genutzten Haus ein eingerichtetes häusliches Arbeitszimmer.

Der Bundesfinanzhof hatte in der Vergangenheit entschieden, dass anders als bei einem Arbeitnehmer der Schreibtischarbeitsplatz eines Selbstständigen im Büro bzw. in der Praxis bereits indiziert, dass ihm dieser Arbeitsplatz für alle Aufgabenbereiche seiner Erwerbstätigkeit zur Verfügung steht.

  • Zu der Frage, ob der betriebliche Arbeitsplatz jedoch auch zumutbar ist, hat der Bundesfinanzhof darauf abgestellt,
  • ob ihn der Steuerpflichtige in dem konkret erforderlichen Umfang und in der konkret erforderlichen Art und Weise nutzen kann.
  • Nur dann sei der Steuerpflichtige nicht auf das häusliche Arbeitszimmer angewiesen.
  • Müsse er dagegen dort einen nicht unerheblichen Teil seiner beruflichen Tätigkeit verrichten, weil er seinen Arbeitsplatz nur eingeschränkt nutzen kann, komme das Abzugsverbot für das Arbeitszimmer nicht zum Tragen.

Der Steuerpflichtige könne sich in diesem Fall den Aufwendungen für das Arbeitszimmer nicht entziehen.

Abzug für das häusliche Arbeitszimmer

Nach Überzeugung des Finanzgerichts stehe im Streitfall dem Kläger für die Ausübung seiner erforderlichen Büro- und Verwaltungsarbeiten kein anderer Arbeitsplatz im konkret erforderlichen Umfang und in der konkret erforderlichen Art und Weise zur Verfügung, sodass die Kosten  des Arbeitszimmers bis zu dem gesetzlichen Höchstbetrag von 1.250,00 Euro als Betriebsausgaben abgezogen werden könnten.

  • Die Betriebsräume seinen nur eingeschränkt für diese Tätigkeiten nutzbar,
  • da sie vorwiegend als Therapieräume ausgestattet seien,
  • in denen sich Patienten aufhalten.
  • Büroarbeiten mit Patientendaten sowie Lohnabrechnungen seien aber vertraulich vorzunehmen und könnten deswegen nicht in der Praxis erfolgen

(FG des Landes Sachsen Anhalt, Urteil v. 1.3.2016, 4 K 362/15).

Das Finanzamt hat gegen das Urteil des Finanzgerichts Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt (Az des BFH III R 9/16). Einsprüche in vergleichbaren Fällen können folglich unter Hinweis auf dieses Revisionsverfahren zum Ruhen gebracht werden.

Weitere Informationen zum Thema:

Häusliches Arbeitszimmer: gemischt zu Wohnzwecken und als Arbeitszimmer genutzt

Keine zwei häusliche Arbeitszimmer steuerlich absetzbar

Top-Thema Arbeitszimmer: Steuerabzug auch bei privater Nutzung?

Schlagworte zum Thema:  Häusliches Arbeitszimmer, Betriebsausgaben

Aktuell

Meistgelesen