26.07.2015 | Serie Colours of law

SEK's - harte Jungs als eigenwillige Helfer der Justiz

Serienelemente
Ganz schön harte Jungens beim Kölner SEK - doch jetzt ermittelt Düsseldorf
Bild: PhotoDisc Inc.

Kölner SEK-Beamte brachten die Spezialeinsatzkommandos bereits mehrfach in Verruf. Eine als Übung getarnte spektakuläre Abschiedsfeier per Hubschrauber auf der Kölner Severinsbrücke oder die tagelange Fesselung eines Kollegen - bei der SEK Köln scheint vieles möglich. Ist das ein Umgang für Justitia?

In den polizeilichen Spezialeinsatzkommandos bündeln die Bundesländer ihre fähigsten und am härtesten trainierten Beamten. Das dort operierende Personal gilt schlicht als Elite der Polizei. Ihr Metier sind gefährliche Aufträge jeder Art bis hin zur Rettung von Geiseln bei Flugzeugentführungen.

Elite für gefährliche Aufträge

Auf die Beamten muss besonderer Verlass sein. Völlige Unterordnung unter die herrschende Befehlsstruktur, absoluter Gehorsam und vor allem eine unnachgiebige Disziplin sind unabdingbare Voraussetzung für eine Tätigkeit bei diesem Truppen. Gefordert werden darüber hinaus überdurchschnittliche psychische und physische Belastbarkeit, Teamfähigkeit und Sozialkompetenz. Das will erst Mal bewiesen sein.

Obskure Aufnahmerituale für Neueinsteiger

In Köln haben die harten Jungs über die Jahre wohl ein eigenes Aufnahmeritual für Neueinsteiger entwickelt. So fanden interne Ermittler heraus, dass ein SEK-Anwärter in Köln über mehrere Tage hinweg an einen Kollegen gefesselt wurde, um seine Widerstandsfähigkeit zu testen. Als der Anwärter gegen das Ritual protestierte und seine sofortige Freilassung forderte, wurde er ausgelacht und gemobbt.

Der Innenminister NRW distanziert sich

Das Innenministerium Nordrhein-Westfalen hat erklärt, solche Aufnahmerituale nicht zu dulden und konsequent hiergegen vorzugehen. Die betroffene Einheit des SEK sei durch die Polizeiführung noch im Juli von ihren Aufgaben entbunden worden. Die Ermittlungen wurden inzwischen auf das Polizeipräsidium Düsseldorf übertragen - für Kölner eine harte Entscheidung.

Spektakulärer Abschied auf 80 m hohen Brückenpfeiler

Bereits im Juni diesen Jahres hatten die Spezialeinheiten einen anderen Skandal produziert. Einige Beamte der SEK aus der Führungsebene hatten ihrem ehemaligen Chef eine bizarre Abschiedsfeier geliefert. Es ging darum, dem ausscheidenden Chef ein möglichst spektakuläres Abschiedsfoto zu überreichen. Mehrere Führungsbeamte der SEK erklommen zu diesem Zweck den 80 m hohen Pfeiler der Kölner Severinsbrücke. Aus einem eigens hinzu beorderten Polizeihubschrauber wurde die Szene von mehreren Seiten fotografiert. Passanten rieben sich verdutzt die Augen ob des Treibens in luftiger Höhe. Nach außen wurde das Ganze als polizeiliche Übung getarnt.

Aufnahmerituale sind üblich

In beiden Fällen ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Hinsichtlich der mutmaßlich als Polizeiübung  getarnten Abschiedsaktion steht der Vorwurf der Untreue im Raum, weil Polizeigerät, insbesondere der Hubschrauber, für private Zwecke missbraucht wurden. 50 Euro kostet ein solcher Hubschrauber im Einsatz - pro Minute. Ein ähnlicher Vorwurf wurde übrigens bereits im Jahr 2003 bei der Verabschiedung des damaligen Polizeidirektors erhoben.

Hinsichtlich des Aufnahmerituals ermittelt die StA wegen des Vorwurfs der Freiheitsberaubung. Auch dort handelt es sich nicht um den ersten Fall dieser Art. Vor einigen Jahren ermittelte die Polizei bei einem Hochgebirgsjägerzug der Bundeswehr aus einem ähnlichen Grund. Das Aufnahmeritual bestand dort im Essen roher Schweineleber und dem Konsum von Alkohol bis zum Erbrechen

Ob das in Zukunft besser wird?

Ob der Nachfolger des auf der Severinsbrücke verabschiedeten SEK-Beamten nun hart durchgreift und die Disziplin beim SEK wiederherstellt, darf bezweifelt werden, war er doch selbst Teil der Brücken-Aktion. Auf dem Foto in luftiger Höhe ist nämlich nicht nur der Verabschiedete, sondern auch sein Nachfolger gut zu erkennen. Seitens der Polizeibehörde selbst ist zu vernehmen, es habe sich um ein Höhentraining für Führungskräfte der Spezialeinheiten gehandelt. Das Schießen des Fotos sei nur Nebensache gewesen. Die Ermittlungen der StA sind noch nicht abgeschlossenen und bleiben spannend.

Vgl. zu dem Thema auch:

Wer Polizisten fotografiert, muss u.U. eine Identitätsfeststellung hinnehmen

Ungeklärter Tod einer Kadettin auf der Gorch Fock

Schlagworte zum Thema:  Polizei, Jurisprudenz, Justiz, Juristen, Urteil, Richter

Aktuell

Meistgelesen