22.05.2012 | Juristische Blogs unter der Lupe

Reuter-Blog – der Kritische

Bild: Haufe Online Redaktion

Der Jura-Blog ist spezialisiert auf Arbeitsrecht. Der Blogger behandelt aktuelle Fragen und Probleme einschließlich politischer und auch menschlicher Aspekte. Der Blog bietet vor allem auch für interessierte Laien ein Forum, sich über aktuelle Urteile/Entwicklungen locker, d.h. nicht nur nach Juristenart, auszutauschen.

Der Urteilszerpflücker

Der Blogger Wolf Reuter ist Fachanwalt für Arbeitsrecht. Er würzt die von ihm behandelten arbeitsrechtlichen  Fragen mit eigenen Erfahrungen und Fällen aus seinem  Berufsalltag. Mit den unter Juristen geltenden herrschenden Meinungen hat er oft wenig am Hut und gibt sich betont individualistisch bis kritikverliebt. Urteile sowohl der Instanz- als auch der Obergerichte zerpflückt er lustvoll Stück für Stück.

Keine Angst vor der Rechtswissenschaft

Auch mit Beiträgen  aus der Rechtswissenschaft setzt sich der Blogger gern auseinander. Über eine Studie der TU Darmstadt  kann er sich richtig aufregen. Diese Studie will herausgefunden haben, dass Arbeitsgerichte konjunkturabhängig entscheiden, soll heißen, in wirtschaftsstarken Regionen hätten Arbeitnehmer bei den  Arbeitsgerichten bessere Chancen als in wirtschaftsschwachen Regionen.

Das hält Reuter für ausgemachten Unsinn, denn nirgendwo sei die Rechtsprechung  einheitlicher als gerade bei  den Arbeitsgerichten. Er schlägt deshalb einen Sternmarsch der  Anwaltschaft zur TH Darmstadt vor.

Vom „gerechten  Zorn“

Den hat der Anwalt allerdings auffallend häufig auf arbeitnehmerfreundliche Urteile.

So  lässt er sich  ausführlich über einen  Maredo-Rechtsstreit  aus, bei dem es um ein nicht abgerechnetes Arbeitnehmeressen des Betriebsrates geht, bei dem  dieser sich offensichtlich kräftig aus Maredo-Vorräten bedient hat. Reuter wirft sarkastisch die Frage auf, ob Arbeitnehmerdiebstähle unter 50 € besser gleich aus dem StGB herausgenommen werden sollten.

Den Gerichten wirft er ein Vollmachtpingpong vor, wenn  der gestresste Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer  einen Tag vor Ablauf der Probezeit über seinen Anwalt kündigen lässt und dieser in der Kürze der Zeit dem Kündigungsschreiben keine Originalvollmacht beifügt. Er moniert, dass die Kündigung nicht allein deshalb nach § 174 BGB  unwirksam sein dürfe, weil der Arbeitnehmer die Kündigung unverzüglich zurück weise.

Literarische Begleitmusik

Ein wirkliches Lesevergnügen ist es, wenn der Blogger in  die literarische Trickkiste greift und  auf diese Weise das Recht der Allgemeinverbindlichkeitserklärungen von Tarifverträgen auf ebenso intelligente wie unterhaltsame Weise abarbeitet. So lässt Dante über Ovid  die Regeln des Grundgesetzes  über die Vertragsfreiheit erklären.

Unter Mithilfe von Mephisto und Dr. Faustus erläutert er dann  die  ministerielle  Allgemeinverbindlichkeitserklärung, die weder Gesetz noch vertragliche Vereinbarung  sei, sondern „sui generis“.

„Sui“ und „Generis“ müssten sich aber nicht ans GG und nicht ans Parlament halten, weshalb das Ministerium machen könne was es wolle, sofern nur das erforderliche Quorum von 50%  der Arbeitnehmer einer  Branche von einem Tarifvertrag erfasst  würde.

Nach Reuters Auffassung ist die Allgemeinverbindlichkeitserklärung ein rechtlicher Skandal, der seit der Weimarer Zeit, in der  er seine höchste Blüte erlebte, einfach nicht auszurotten sei.

Seitendesign

Das Layout ist übersichtlich. Die Posts sind in der Seitenmitte angeordnet, in der linken Spalte finden sich Hinweise auf die Highlights, rechts  ausführliche Kommentare und Links zu Urteilen und Themenabhandlungen. Über die Kopfzeile gelangt der  Nutzer zu einer  Publikationsliste des Bloggers sowie zu zwei seiner Lieblingsthemen, nämlich den Sozialkassen des Baugewerbes und den  arbeitsrechtlichen Urlaubsregelungen. Beide Themenbereiche sind erschöpfend aus dem spezifischen Blickwinkel  des Autors behandelt und auch für Juristen interessant.

Nutzerprofil

Besonders geeignet für arbeitsrechtlich interessierte Laien und Juristen mit Neigung zu literarischen Bezügen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die den arbeitgeberrechtlichen Blickwinkel besser kennen lernen möchten (reuter-arbeitsrecht.de).


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