09.07.2014 | Serie Kanzleimanagement Experten-Blog des Bucerius-CLP

Unterstützung auf dem Weg zur Partnerschaft: Online Feedback in Kanzleien

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Bild: Haufe Online Redaktion

Die Equity-Partnerernennung ist eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Entscheidung einer Kanzlei – unabhängig von der Kanzleigröße und dem Gewinnverteilungsmodell. Online Feedback unterstützt Kanzleien dabei, diese Entscheidung nachvollziehbar und verobjektiviert zu treffen.

Stellen Sie sich eine Kanzlei in Deutschland vor: wirtschaftsrechtlich ausgerichtet, 4 Karrierestufen (Associate, Senior Associate, Counsel, Partner) und eine engagierte Partnerschaft. Auf Initiative der Personalpartnerin haben die Partner ihr Vorgehen bei den Partnerernennungen unter die Lupe genommen. Sie sind im Kern zufrieden, möchten aber gerne die Fehlerquote bei Ernennungen reduzieren. Denn für den Erfolg einer Kanzlei kommt es auf eine überzeugende Partnerschaft an.

3 Bereiche für die Aufnahme in die Partnerschaft: Fachlich, persönlich, unternehmerisch

In der Kanzlei, nennen wir sie Y & Partner, werden Anwälte in die Partnerschaft aufgenommen, wenn sie in dreierlei Hinsicht den Ansprüchen der Partner genügen. Sie müssen fachlich in ihrem Bereich sehr gut sein, Sie müssen persönlich in der Lage sein, die Partnerrolle mit Mandanten und intern auszufüllen und sie müssen aus unternehmerischer Sicht die Kanzlei voranbringen. Das heißt, dass sie unternehmerische Kompetenzen haben müssen und ihre unternehmerische Ausrichtung zur Kanzlei passen muss (letzteres ist der sog. Business Case. Zu den Partnerkriterien siehe die Studie Partnerwerdung in Kanzleien.

Wie kann unternehmerische Eignung greifbar gemacht werden?

Gerade die unternehmerische Eignung scheint den Partnern manchmal schwierig zu bestimmen zu sein. Ist die Kandidatin eine Person mit Unternehmergeist? Bildet der Kandidat sich intern und extern passende Netzwerke auf? Hat er eine Strategie für das eigene Geschäftsfeld und sogar für die Kanzlei als Ganzes?

Die Partner entscheiden sich, ein online Feedback durchzuführen. Dieses bildet die fachlichen, persönlichen und unternehmerischen Fähigkeiten der Kandidaten ab. Feedback-Nehmer sind die Kandidaten. Die Feedback-Geber werden von der Kanzlei festgelegt. In diesem Fall sind es vier Gruppen: Partner, Kollegen, nichtjuristische Mitarbeiter und – was besonders positiv hervorzuheben ist – auch Mandanten. Der Prozess wird durch umfangreiche Vorab-Informationen eingeleitet und durch eine Email in Gang gesetzt, in der die Zugangsdaten für das online-Feedback an die Feedback-Geber versandt werden. Nach dem Ausfüllen des online-Fragebogens werden die Antworten zu einem Bericht zusammengefasst.

Online-Feedback wird durch anschließende Gespräche besonders fruchtbar

Dieser Bericht wird von der Personalpartnerin zusammen mit dem zuständigen Partner und einem externen Trainer mit den Kandidaten einzeln besprochen (in größeren Kanzleien empfiehlt es sich, ein eintägiges Entwicklungs-Assessment-Center durchzuführen, in dessen Rahmen auch das Feedback besprochen wird). Im Rahmen dieses Gesprächs findet auch ein Interview mit dem jeweiligen Kandidaten statt, in dem seine Motivation, sein eigenes Führungsbild und seine Kompetenzen diskutiert werden. Bei diesem Teil übernimmt der externe Trainer die Gesprächsführung. Den Abschluss bildet eine kurze schriftliche Stärken-Schwächen Analyse. Bestenfalls entwickeln der zuständige Partner und der Kandidat auf Basis der Ergebnisse sodann eine Marschroute für die nächsten 1 – 2 Jahre bis die Partnerernennung auf der Tagesordnung steht.

Kanzleien, die die Entwicklung ihrer Anwälte zum Partner in den Fokus nehmen haben einen wichtigen Schritt getan, um von „good to great“ (Jim Collins) zu gelangen.

Schlagworte zum Thema:  Kanzlei, Feedback, Kanzleimanagement

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