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Mediation auf dem Vormarsch

Nicht nur bei Stuttgart 21 ist Mediation angesagt: Die zukünftig gesetzlich geregelte Mediation ist derzeit bei den meisten Rechtschutzversicherungen ein großes Thema und das Interesse der Kunden steigt hinsichtlich der Abdeckung der außergerichtlichen Streitbeilegung rapide an.

Schon viele Anwälte haben sich nicht nur mit Fachanwaltstiteln etc., sondern auch im Bereich der Mediation qualifiziert. Trotzdem hat sich das Thema in vielen Bereichen nur schleppend vorgearbeitet und außer im Familienrecht kaum den Geschmack der alternativen Sonderlösung für „Friedensbewegte und Gutmenschen“ ablegen können. Das scheint sich nun durch die geplante gesetzliche Regelung zu ändern.

 

Mediation passt ins Schadensmanagement der Rechtschutzversicherer

Die außergerichtliche Streitschlichtung hat den Vorteil, dass sie kostensparend und schnell ist. Dies haben nicht zuletzt auch die meisten Rechtsschutzversicherer erkannt und die Mediation in ihren Leistungsumfang integriert.

Die Rechtsschutzversicherung der HUK Coburg beispielsweise übernimmt seit 2009 die Kosten für eine Mediation, wobei seit Oktober auch die Mediation in Bausachen übernommen wird. 

Allein im zweiten Halbjahr 2010 werden 1000 Fälle mit Hilfe dieses Verfahren erfolgreich beendet. Davon seien 60 % schon Fall abschließend gelöst. Von den jährlich rund 260.000 Schadensfällen eignen sich nach seiner Ansicht drei bis fünf Prozent für dieses Verfahren. 

 

Grund: Große Sparpotentiale bei der Mediation und Kundenzufriedenheit

Nach den Berichten der HUK-Coburg stammen mehr als ein Drittel der Mediationsfälle aus dem Vertragsrecht, bei denen man 150 bis 500 Euro pro Fall einsparen konnte. Auch die meisten Kunden wären mit dem Ergebnis zufrieden bis sehr zufrieden gewesen.

 

Nachbarschaftsstreitigkeiten: Streitbeilegung vor Gericht meist günstiger

Doch nicht jeder Konflikt und Kunde einige sich für eine Mediation. Bei Nachbarschaftsstreitigkeiten sei die Konfliktbeilegung vor Gericht aufgrund der geringen Streitwerte oft günstiger. Bei  Arbeitsgerichtsverfahren hingegen wäre die Streitschlichtung aufgrund der höheren Streitwert und der Übernahme der eigenen Rechtsanwaltkosten eine kostengünstige Alternative. Offen diesbezüglich sei jedoch noch, ob die dreiwöchige Klagefrist bei Einschaltung eines Mediators künftig unterbrochen werde.

 

Praxistipp: Für Anwälte und Kanzleien, die den Mediationsbereich noch nicht abdecken, kann es mit Blick auf die geplante Mediationsregelung im Gesetz nur sinnvoll sein, in der eigenen Kanzlei für entsprechende Qzualifizierung zu sorgen, oder sich nach Mediatoren umsehen, die sie ihren Mandanten in geeigneten und Fällen bei Wunsch guten Gewissens  empfehlen können.

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