07.05.2014 | Serie Kanzleimanagement Experten-Blog des Bucerius-CLP

Legal Process Outsourcer – der missachtete Spielkamerad

Serienelemente
Bild: Birte Gall, Bucerius Center on the Legal Profession

Woher kommt es, dass Legal Process Outsourcer (LPO's) in Deutschland und in Europa so wenig Beachtung finden – weder bei Rechtsabteilungen noch bei Kanzleien? Wenn auf Seiten der Rechtsabteilungen die Kostenklemme und auf Seiten der Kanzleien Wachstumsdruck und das Credo der „leanen", d.h. schlanken, aber schlagkräftigen Kanzleistruktur besteht, warum rücken dann die Angebote der LPO's nicht stärker in den Fokus?

Legal Process Outsourcing, also die Auslagerung von juristisch-administrativen Routineaufgaben an externe Service-Anbieter oder Kanzleien, ist auf dem Vormarsch. Grob umrissen geht es beim Outsourcing um das Legal Information Management (dies ist gerade bei großen Datenmengen und der Notwendigkeit intensiver Recherche interessant) oder um Legal Project Management, dem juristischen Projektmanagement innerhalb größerer Transaktionen. Wieso ist dies gefragt? Es geht um Erleichterung: Diese kann sich entweder durch sonst nicht vorhandene (Personal)Kapazitäten oder zusätzliche Recherchemöglichkeiten und vor allem Kostenersparnisse bemerkbar machen.

Wie sind die aktuellen Entwicklungen?

In den USA hat sich Axiom als Insourcing und Projektmanager etabliert, mit der British Telecom einen Kooperationsvertrag geschlossen und letztes Jahr ein $ 28 Mio. Investment an Land gezogen, mit dem es seine Kundenbasis ausbauen und neue Produkte entwickeln will. Axiom mag dem einen oder anderen In-house Juristen und Anwalt geläufig sein. Andere Legal Process Outsourcer wie Legal Zoom, Rocket Lawyer, Modria und Integreon sind es nicht. 

Wachstumsfeld

Im letzten Jahr wurden in den USA ungefähr  $ 450 Mio. in LPO's investiert, eine Steigerung um das sechsfache gegenüber 2012, in dem $ 66 Mio. investiert wurden. Warum sehen amerikanische Gründer in dem Bereich legal Start-ups eine investitionswürdige Branche, während sie in Deutschland fast keine Rolle spielen? Die höhere digitale Affinität und Offenheit gegenüber technischen Neuerungen von Rechtsabteilungen und Kanzleien kann es nicht sein. Die ist hüben wie drüben in der Legal Community gleich niedrig.

In Deutschland gibt es jedenfalls deutlich weniger Gründungen in dem Bereich. Cornuum (reThinkLegal) ist der Legal Process Outsourcer, der in Deutschland sicherlich noch am bekanntesten ist. SmartLaw ist eine Gründung, deren Potential bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Das Angebot, Verträge im b2c-Bereich anzubieten könnte sinnvollerweise auch auf den Bereich Vertragsmanagement im b2b-Bereich ausgeweitet werden. Die Projektanwaltagenturen PerConex und Xenion sind im Aufbau begriffen und wachsen stetig, jedoch noch unterproportional zum erwarteten Bedarf aus der Branche.

 SmartLaw wurde kürzlich von WoltersKluwer übernommen, Thomson Reuters hat neben Westlaw auch Pangea3 übernommen. Die heutigen Verlagshäuser sehen in diesen Geschäftsmodellen Potential.

Erkennbare Chancen

Wann erkennen die Zielgruppen die Chancen, die in der Zusammenarbeit mit den LPO's liegen können und die als Bausteine für „leane" Kanzlei- und Rechtsabteilungsstrukturen dienen können? Und unter welchen Voraussetzungen können LPO's als alternative Anbieter juristischer Dienstleistungen ernstzunehmende Player auf dem Markt werden?

Was hier lediglich als Spannungsfeld umrissen werden kann, schauen wir uns an der Bucerius Law School und im Bucerius Center on the Legal Profession eingehender im Rahmen einer Studie an, in der wir fragen, wie sich das Arbeitsumfeld von Juristen verändern wird und welche Rolle der Jurist in der Wertschöpfungskette in Zukunft spielt. Wir werden berichten.

Schlagworte zum Thema:  Outsourcing, Kanzleimanagement

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