19.06.2015 | Serie Kanzleiprofil

Stolpersteine auf dem Weg zum Spezialisten

Serienelemente
Der Weg vom schlecht bezahlten Generalisten zum lukrativen Expertentum
Bild: Haufe Online Redaktion

Auf dem Weg zum anerkannten Experten müssen Anwälte, die sich bisher als Generalist definiert haben, zunächst eigene und fremde Vorurteile aus dem Weg räumen. Erst dann können, bevor Sie mit einem neuen Konzept durchstarten. Ansonsten drohen sie an den inneren nicht verarbeiteten Widerständen zu scheitern.

Ein Ammenmärchen, das unausrottbar zu sein scheint lautet: Der "Fachidiot" gilt im Allgemeinen weniger als der flexible Allrounder mit guter Allgemeinbildung. Ein echtes  Vorurteil.

Experten verdienen wesentlich mehr - wenn sie konsequent sind

Mittlerweile belegen Statistiken etwa des Soldan Instituts längst, dass  Experten wesentlich mehr verdienen und darüber hinaus über eine hohe Glaubwürdigkeit und ein besseres Standing im Markt verfügen.

Scheitern können natürlich auch Experten. Aber meist nur dann, wenn sie den Weg nicht konsequent genug gehen oder sich in Rechtsgebieten spezialisieren, die in ihrer Region längst überlaufen sind.

Spezialisten sind auch keine Langweiler - Scheu vor fachlicher Tiefe überwinden

Dass Spezialisten immer das Gleiche tun, ist ein weiteres Vorurteil. Wer einmal richtig tief in ein Spezialgebiet eingestiegen ist und sich dazu auch das Umfeld (Branchen, Institutionen etc.) erschließt, entdeckt jeden Tag neue Aspekte, vergleichbar einem Tiefseetaucher.  Egal ob Flachdachfragen im Baurecht oder die feinsten Verzahnungen des Erbrechts mit dem Gesellschaftsrecht - ist die anfängliche Scheu vor der fachlichen Tiefe mal überwunden, gibt es immer neue Feingheiten zu erkunden.

Spätestens nach drei Jahren verdoppelt sich das Wissen. Spezialisierung bringt also Sicherheit in der Wissensgesellschaft und im Umgang mit der gewählten Materie. Spezialisten sind auch keine Langweiler, wie immer wieder kolportiert wird. Denn wenn es brennt, werden sie umgehend gerufen. Sie müssen sich nicht über Zeitungsannoncen wie saures Bier anbiedern.  

Viele Anwälte können nicht Nein sagen

Anwälte, die ihr Konzept vom Allgemeinanwalt zum Experten umstellen, müssen auch keine Angst davor haben, Mandanten zu verlieren. Denn letztlich ist besser, mit einer deutlich begrenzten Dienstleistung in den Markt zu gehen als sich zu breit aufzustellen. Einen Nagel, so hat es einmal ein spezialisierter Anwalt formuliert, bekommt man viel leichter in ein Stück Holz hinein als einen schweren Stein. 

Außerdem erweitert der Spezialist mit zunehmender Expertise sein Einzugsgebiet und wird damit von einer bestimmten Region unabhängiger. Dann fällt es auch leichter, unlukrative und uninteressante Mandate abzulehnen. Viele Anwälte können leider nicht Nein sagen und laufen permanent Gefahr, sich zu verzetteln.

Vgl. zu dem Thema auch:

Anwälte sollten mehr Wettbewerbsintelligenz entwickeln

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Spezialisierung allein reicht nicht

Schlagworte zum Thema:  Spezialisierung, Rechtsanwalt, Kanzlei

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