08.06.2015 | Serie Kanzleiprofil

Der steinige Weg über Feld, Wald und Wiese zum Spezialisten

Serienelemente
Ein langer Weg - bis aus einem anwaltlichen Generalisten ein Spezialist wird
Bild: Project Photos GmbH & Co. KG

Obwohl Kanzleiberater Anwälten gebetsmühlenartig empfehlen, sich doch endlich zu spezialisieren, fällt das in der praktischen Umsetzung recht schwer. Und viele Anwälte verfahren wohl auch nach dem Motto „Todgesagte leben länger!“

Trotz aller Unkenrufe - die Generalisten sind nach wie vor in der Überzahl, ähnlich wie den Allgemeinmediziner, der eine wichtige Schaltstelle zur stationären oder auch fachärztlichen Weiterbehandlung einnimmt.

Vorteile der Spezialisierung

Tatsächlich aber hat die Spezialisierung zwei entscheidende Vorteile:

  • Erstens wird man vom eigenen Kanzlei-Standort unabhängiger, wenn man einer von wenigen Anwälten ist, die sich auf ein bestimmtes Rechtsgebiet spezialisiert haben.
  • Und zweitens erzielt man mit einer High-End-Beratung wesentlich höhere Margen

Einzigartige Dienstleistungen anbieten

Das ist natürlich bei dem normalen „bred & butter“-Geschäft nicht möglich. Hier kann es nur die Masse an Mandaten bringen. Doch selbst wenn die Kanzlei entsprechend frequentiert wird, sind deren Mitglieder vor unliebsamer Konkurrenz und Discountern langfristig nicht gefeit.

Konkurrenz schläft nicht - Discounter im Anmarsch

Neue Franchiseanbieter und überörtliche Partnerschaften, die die Verbraucherberatung zu Dumpingpreisen hierzulande in ihr Visier genommen haben, scharren bereits an der Eintrittspforte.

Und die jährlich etwa 6.000 Berufsanfänger tun ihr Übriges, um den Anwaltsmarkt weiter zu verwässern. Wirklich schützen kann sich also nur, wer an seiner Spezialisierung kontinuierlich arbeitet und damit eine möglichst „einzigartige“ Dienstleistung anbieten kann, die nur wenige Konkurrenten beherrschen.

Eigene Neigungen in den Fokus stellen

Wie gelingt es aber nun einem Rechtsanwalt, seine Marktposition im Vergleich zu den örtlichen Wettbewerbern signifikant zu verbessern?

  • Der Status Quo der angebotenen Dienstleistungen ist in deutschen Kanzleien ganz typischerweise nicht rational geplant, sondern aus einer Mischung der persönlichen Vorlieben des Anwalts und der Nachfrage des Marktes gewachsen.
  • Die Folge: Die meisten Anwälte sind nach wie vor auf allen Rechtsgebieten tätig, oder glauben zumindest, tätig sein zu müssen, unabhängig davon, ob diese ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechen.

Da die Rechtsmaterie aber ständig komplexer wird, ist es praktisch unmöglich, auf allen Rechtsgebieten gute Arbeit zu leisten.

Selbst geniale Generalisten werden von Spezialisten abgehängt

Selbst ein überdurchschnittlich befähigter Jurist kann überwiegend nur durchschnittliche Leistungen erbringen, wenn er seinen Tätigkeitsbereich nicht auf bestimmte Rechtsgebiete beschränkt. Zugespitzt formuliert: Stößt ein Generalist bei der Bearbeitung eines Mandats auf einen Spezialisten, ist er diesem meist hoffnungslos unterlegen. Kurzum: Beschränkt man sich auf ein oder mehrere bestimmte Rechtsgebiete, ist es wesentlich leichter, hier vertiefte Kenntnisse zu erwerben und dementsprechend auch bessere Leistungen zu erbringen.

Vgl. zu dem Thema Konkurrenz im Rechtsmarkt auch:

Anwaltsmarkt 2030

Innovation und Anwalt

Kanzlei-Slogan

Zum Thema Fachanwalt:

Einmaliger Verstoß gegen Fortbildungspflicht rechtfertigt keinen Widerruf des Fachanwaltstitels

Bezeichnung als "Experten-Kanzlei Scheidung": nicht generell irreführend

Schlagworte zum Thema:  Rechtsanwalt, Fachanwalt, Kanzlei

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