31.08.2015 | Serie Kanzleiprofil

Mit einem Shitstorm professionell umgehen

Serienelemente
Unrat aus dem Internet - wie kann man sich gegen Shitstorm und pampige Bewertungen zur Wehr setzen?
Bild: MEV-Verlag, Germany

Positive  Anwaltsbewertungen im Internet können Anwälte weit nach vorne bringen, negative Bewertungen sind dagegen eine Katastrophe. Doch auch mit Kritik muss man der Rechtsanwalt richtig umgehen. Die alte Binsenweisheit, wonach jede Publicity eine gute Publicity sei, gilt spätestens beim Shitstorm nicht mehr.  

Gerade aktuell wird wieder spürbar, wie viel Unrat und Frust im Internet nach oben quillt. Nicht nur oim privaten und politischen, auch im geschäftlichen Bereich kann dergleichen aufpoppen. 

„Der Anwalt war eine Lame Duck und hat mir überhaupt nicht geholfen“ oder auch „Anwalt XY ist ein Weichei, der Gegenanwalt hat nur einmal kurz gebellt und schon lag er unter dem Tisch“.

Solche Sätze liest kein Anwalt gerne über sich im Internet.

Unschönes in Bewertungsportalen

Nicht alles, was auf Bewertungsportalen über Anwälte veröffentlicht wird, entspricht den Tatsachen. Und viele Meinungsäußerungen bewegen sich unter der Gürtellinie. Für betroffene Anwälte stellt sich dann die Frage, was tun. Einfach ignorieren, Strafanzeige erstatten, eine einstweilige Verfügung beantragen oder zumindest den Betreiber informieren?

Besser gütlich klären

Da der Gang vor Gericht gegen einen Internetschmierfink in den sozialen Medien schnell als Kampf David gegen Goliath stilisiert würde, sollten Anwälte in eigener Sache nur im äußersten Notfall gerichtliche Hilfe suchen.

  • Was viel reibungsloser hilft, ist eine Kontaktaufnahme mit dem Betreiber des jeweiligen Portals.
  • Bei falschen Tatsachenbehauptungen muss dieser den Negativkommentar vom Netz nehmen, wenn er davon erfährt.
  • Deshalb sollten betroffene Anwälte vorab alle Beweise sammeln und dem Betreiber vorlegen, damit dieser sofort aktiv werden kann.

Weigert sich dieser allerdings und sind die Tatsachenbehauptungen geschäftsschädigend (z.B. „Anwalt hat Original-Schreiben verschlampt“), führt kein Weg an einer gerichtlichen Auseinandersetzung in Form einer einstweiligen Verfügung gegen den Betreiber vorbei.

Bei Schmähkritik härter vorgehen

Schwieriger wird es, wenn die User von Bewertungsportalen, von Foren oder sozialen Medien einen Kübel Häme, Spott oder deftige Meinungsäußerungen über den Anwalt ausschütten.

  • Eine Handhabe hat man dann nur, wenn sich die Kritik als Schmähkritik erweist, es also unter keinem Gesichtspunkt mehr um die Sache geht, sondern nur noch darum, den Anwalt in seiner beruflichen oder persönlichen Würde und Ehre zu verletzen.
  • Soweit der Betreiber hier nicht einlenkt, sollten Anwälte durchaus daran denken, eine Strafanzeige zu erstatten.

Sofern die Staatsanwaltschaft ermittelt, erfährt man über den Weg der Akteneinsicht eventuell auch den Klarnamen des Schmierfinks, soweit der jeweilige Portalbetreiber sich als unkooperativ erweist und der Zivilrechtsweg zu lange dauern würde.    

Vgl. zu dem Thema auch

  • Zur Online-Bewertung

Bei Onlinebewertungen gibt es rechtliche Grenzen

Haftung von Bewertungportalen

Anonyme Arbeitgeberbewertung online: Über Risiken + Nebenwirkungen informiert der Arbeitsrichter

  • Zu Schmähkritik

 Verunglimpfung des Wettbewerbers im Social Web kann teuer werden

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Schlagworte zum Thema:  Schmähkritik, Beleidigung, Rechtsanwalt, Kanzlei

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