16.06.2015 | Serie Kanzleiprofil

Kanzlei-Spezialisierung muss auch optisch rüberkommen

Serienelemente
Wie soll eine Kanzleiwebsite aussehen - und wie nicht?
Bild: Veer

Für die richtige Positionierung als Experte ist ein einheitliches Erscheinungsbild unumgänglich. Homepage, Briefpapier, Visitenkarte, Kanzleibroschüre und Anzeigen müssen nach außen einen kompetenten Eindruck vermitteln. Gleichzeitig soll sich der Anwalt über die verschiedenen Kommunikationswege von der Konkurrenz absetzen und unterscheidbar sein, um als eigenständige Marke wahrgenommen zu werden.

Gutes Mittel hierfür ist ein Logo. Dieses steigert den Wiedererkennungswert. Zahlreiche Logos von Anwaltskanzleien nutzen als Gestaltungselement das Paragraphenzeichen oder die Waage der Justitia. Es bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung, dass solche optischen Plattitüden nicht geeignet sind, sich vom Wettbewerber zu differenzieren, der die gleichen Erkennungsmerkmale benutzt.

Immer an die Zielgruppe denken

Wichtig ist, dass in der gesamten Kommunikation nach außen die Zielgruppe immer wieder angesprochen wird. In Werbeanzeigen ist es bei Anwälten sehr beliebt, die Möglichkeit, mehrere Tätigkeitsschwerpunkte anzugeben, voll auszunutzen und sich damit als Anwalt darzustellen, der sich angeblich in den verschiedensten Rechtsgebieten bestens auskennt.

Alleskönner bleiben farblos

Abgesehen davon, dass der Informationsgehalt einer solchen Anzeige gleich null ist, ist diese Art der Anzeigengestaltung wohl kaum geeignet, sich als Spezialist zu positionieren. Der Werbewert solcher Alles-und-Nichts-Anzeigen ist entsprechend minimal. Anzeigen sollten das Informationsbedürfnis der Zielgruppen befriedigen. Die Zielgruppe muss erfahren, dass der Anwalt zu diesem speziellen Rechtsgebiet/zu seiner speziellen Problematik Lösungsmöglichkeiten bieten kann. Welches Problem brennt der Zielgruppe unter den Nägeln? Genau hierzu sollten potenzielle Mandanten in einer Anzeige Informationen vorfinden.

Homepage nicht unterschätzen

Die Homepage ist ein weiteres Thema, deren Bedeutung unter Marketinggesichtspunkten ganz erheblich unterschätzt wird. Soweit eine Website existiert, so sieht man den meisten doch an, dass der Verfasser offensichtlich noch keinen Gedanken daran verschwendet hat, welche Inhalte auf der Homepage angeboten werden müssen, um Rechtsuchende dazu zu bewegen, gerade diesem Anwalt ein Mandat anzutragen.

Keine Leerformeln und Allerweltsversprechungen

Üblicherweise findet man auf diesen Websites Ausführungen etwa des Inhalts, dass die Interessen des Mandanten dem jeweiligen Anwalt über alles gehen und dass der Anwalt überhaupt ausschließlich für den Mandanten da ist, möglichst vierundzwanzig Stunden täglich.

  • Selten fehlt auch der Hinweis, dass die Kanzlei mit modernsten Kommunikationsmitteln (einschließlich Internet) ausgestattet ist.
  • Weiterhin ist es Standard, auf den Websites auf die Tätigkeitsschwerpunkte der der Kanzlei angehörenden Rechtsanwälte hinzuweisen und den Lebenslauf darzustellen.
  • Schließlich gibt es dann noch eine Rubrik ”Rechts-News”, auf der einige Urteile und/oder Gesetze aufgeführt werden.

Soweit, so schlecht. Denn es fehlt das Salz in der Suppe -  idealerweise sollte die Zielgruppe auf der Homepage Informationen zu ihrem Rechtsproblem vorfinden, sodass sich der Besucher ein grobes Bild darüber machen kann, welche rechtlichen Möglichkeiten ihm in einer bestimmten Situation zu Gebote stehen.

Einstieg in das Beratungsthema

Ein Beispiel:

  • Um Scheidungsmandate zu bekommen, würde es sich anbieten, auf der Website Informationen zur Vermögensauseinandersetzung aufzuführen.
  • Man könnte die Grundzüge des Zugewinnausgleichsverfahrens erläutern  und Informationen dazu bringen, was zu beachten ist, um einen möglichst hohen Zugewinnausgleich zu erhalten oder um eine hohe Zugewinnausgleichsforderung optimal abzuwehren.

Einige Anwälte haben dies inzwischen erkannt und bieten dem entsprechend auch Inhalte auf ihrer Homepage an. Allerdings stellt das Internet gänzlich andere Anforderungen an die Gestaltung und den Aufbau der zu präsentierenden Informationen, als dies bei einem Buch oder Aufsatz der Fall ist. Dies wiederum wird von den Anwälten vielfach nicht erkannt. Auf der Website werden dann zwar Informationen angeboten; für den Besucher ist es aber eine Qual, die langatmigen Ausführungen zu lesen.

Mediengerechte Aufbereitung spannender Informationen zieht

Wer allerdings das Medium verinnerlicht hat und seine Möglichkeiten bei der Gestaltung geeigneter Texte optimal nutzt, der wird schnell feststellen, dass die Website nicht nur frequentiert wird, sondern dass sich auf diesem Weg auch Mandanten akquirieren lassen.

Vgl. zu dem Thema auch:

Vielen Kanzleien fehlt ein klares Markenprofil

Mandantengewinnung über das Internet

Der richtige Kanzlei-Slogan

Schlagworte zum Thema:  Rechtsanwalt, Spezialisierung, Kanzlei

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