27.02.2015 | Serie Kanzleiprofil

Anwaltstypen und ihre Außendarstellung

Serienelemente
Erfolgreiche Anwälte: Nach dem Sieg ist vor dem Sieg?
Bild: Comstock Images, a division of JupiterImages Corporation

Anwälte verdienen gut, sind habgierig und gleichzeitig risikoscheu, sie verhindern Projekte durch den Aufbau immer neuer juristischer Hürden. Bei Mandanten kursieren viele Vorurteile über die Berufsgruppe, die sich in den letzten 15 Jahre in Deutschland auf 160.000 zugelassene Anwälte verdoppelt. Darunter tummeln sich die unterschiedlichsten Typen – auch in der Außendarstellung. 

Zu Zeiten Friedrich Wilhelm I. war die Anwaltssuche vergleichsweise einfach. Praktizieren durften nur diejenigen Advokaten, die über eine königliche Lizenz verfügten. Und wer ohne hoheitliche Erlaubnis Rechtsrat erteilte, der wurde auf Anordnung des Königs gebrandmarkt und ewig vor den Karren gespannt.

Von den Mandanten wahrgenommen werden

Heute dagegen haben die rund 160.000 in Deutschland zugelassenen Anwälte vor allem in den Großstädten Schwierigkeiten, überhaupt von den Mandanten wahrgenommen zu werden.

Zwar findet man ihre Namen in Anwaltsverzeichnissen, in den Gelben Seiten und natürlich über Recherchen im Internet. Doch vielen unter ihnen fehlen wettbewerbsrelevante Unterscheidungsmerkmale, so dass die Anwaltsrecherche zumindest für die Mehrzahl der Privathaushalte der Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen gleicht.

Weder zu jung, noch zu alt

Aus Mandantensicht lässt sich der Kreis in Frage kommender Anwaltstypen recht einfach umschreiben – zumindest im Zivilrecht. Der ideale Anwalt ist kein Anfänger, sondern zwischen 45 und 65 Jahre alt. Jenseits dieser Altersgrenze könnte nämlich die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft nachlassen.

Lieber einen Kämpfer oder einen Strategen?

Daneben gibt es Kämpfer und Strategen. Bei einer Unternehmensnachfolge benötigt der Mandant eine Gesamtstrategie, wie die Firma auf die eigenen Kinder oder einen externen Nachfolger optimal übertragen werden kann. Geht es dagegen darum, einen zahlungsunwilligen Kunden zu verklagen oder den Fiskus, benötigt der Mandant eher einen Kämpfer. 

Wirtschaftlich erfolgreiche Anwälte

Der Anwaltswahl kann man sich aber auch rein statistisch nähern. Die rund 160.000 zugelassenen Anwälte erwirtschaften ein jährliches Honorarvolumen von insgesamt etwa 18 Mrd. Euro. Sie sind in rund 46.500 Kanzleien organisiert, wobei 89 Prozent nach wie vor als Einzelkämpfer oder in kleineren Einheiten von bis zu fünf Anwälten agieren.

Nur etwa 1.200 bis 1.300 Kanzleien beschäftigen mehr als 10 Anwälte. Sie kommen aber zusammen auf einen Marktanteil von satten 42 Prozent. Wer also als Mandant die Meinung vertritt, dass ein wirtschaftlich erfolgreicher Anwalt auch professionellen Rechtsrat erteilt, wird vielleicht seinen Anwalt in größeren regionalen oder überörtlichen Sozietäten suchen. 

Die Erfolge aus der Vergangenheit: Wir sind die Größten!

Auf der Internetseite www.quinnemanuel.com reden die rund 600 US-Anwälte der gleichnamigen Kanzlei Klartext: „Our lawyers have tried 2.303 cases and won 2.040, or  88,6 %“.

Hier in Deutschland ist eine derart markante Werbeaussage berufsrechtlich noch nicht erlaubt. Denn in § 6 Absatz 2 der anwaltlichen Berufsordnung (BORA) heißt es, dass die Angabe von Erfolgs- und Umsatzzahlen verboten ist. Das klingt reichlich antiquiert und soll sich voraussichtlich noch in diesem Jahr ändern. Warum sollten Anwälte in einer globalisierten Welt nicht mit Erfolgs- und Umsatzzahlen werben dürfen? Schließlich spricht einiges dafür, dass ein wirtschaftlich erfolgreicher Anwalt auch ein guter Anwalt ist. Und wer nachweislich fast 90 Prozent der Fälle für seine Mandanten erfolgreich abschließt, dürfte ebenfalls ein guter Anwalt sein.

Was besagen die Lorbeerkränze?

An dieser Stelle kann man aber auch mit guten Gründen einwenden, dass Anwälte, denen es um die persönliche Erfolgsquote geht, von vornherein aussichtslose oder sehr schwierige Mandate ablehnen werden und die Erfolgsquote so unzulässig manipulieren.

Im Übrigen tun Anwälte gut daran, mit Ihren Erfolgen aus der Vergangenheit sparsam zu werben. Denn Lorbeeren aus der Vergangenheit besagen nicht unbedingt etwas darüber, ob der Anwalt für den aktuell zu vergebenden Fall geeignet ist.

Was sind die Messlatten für reinen guten Anwalt?

Doch wie lässt sich dann überhaupt der Leistungsstand eines Anwalts oder einer Anwältin messen? Die anwaltliche Rechtsberatung ist eine Dienstleistung höherer Art. Sie kann nicht objektiv bestimmt werden. Ein Mörder mag eine lebenslange Haftstrafe aufgebrummt bekommen haben, ist aber dennoch mit seinem Verteidiger hochzufrieden, wenn der für ihn gekämpft  und sein Maximum an Leistungsfähigkeit und -bereitschaft abgerufen hat.

Umgekehrt kann ein Vorstand mit einem Top-Wirtschaftsanwalt auf ganzer Linie unzufrieden sein, selbst wenn dieser einen Vertrag verhandelt hat, welcher dem Mandanten eine Milliarde Euro Gewinn bringt. Denn der Vorstand kann vielleicht seinem Anwalt sagen: Sie haben schlecht verhandelt, Sie waren nicht smart und clever, sondern arrogant und überheblich. Das hat mich zwei Milliarden Euro gekostet.

Wer bin ich eigentlich?

Die anwaltliche Begleitung ist eine höchstpersönliche Dienstleistung. Deshalb kommt es entscheidend auf die richtige Chemie zum Mandanten an. Jede Anwältin und jeder Anwalt muss sich fragen, was sie oder ihn ausmacht (introvertiert, extrovertiert, sensibel oder eher grober, detailversessen oder visionär, ethisch streng oder flexibel, PR-erfahren oder eher öffentlichkeitsscheu) und welche Mandantentypen dazu passen.  

Definition über den elitären Anspruch

Am Ende gilt: Langjährige Erfahrung und frühzeitige Spezialisierung sind natürlich ganz wesentliche Erfolgsfaktoren, mit denen der Anwalt auch werben sollte. Und er muss dem Mandanten das gute Gefühl geben, dass er dem Anwalt wirklich vertrauen kann, weil er zu den Besten seines Fachs zählt. 

Gut sein, besser sein, nein: Am-Besten-Sein, das ist ein Anspruch, den zunächst einmal jeder Anwalt, jede Anwältin für sich selbst formulieren sollte und dann über ein ganzes Berufsleben mit sämtlichen Höhen und Tiefen, Zweifeln und Ängsten, aber dann vor allem Mut umsetzen sollte.

Rächer der Enterbten? Retter in der Steilwand?

Der mutige Anwalt und Kämpfer für die gerechte Sache – das ist das Ideal, gewissermaßen der rechtsstaatliche Archetyp im Einsatz gegen die Unbillen des Lebens der juristischen Laien. Das ist der Anwalt, den sich jeder Mandant für seine oft existentiellen Probleme wünscht. Da hängt jemand in einer Steilwand und kommt nicht weiter. Der Mandant weiß nur eins: Diese Form der Bewegungslosigkeit führt irgendwann zum Absturz, wenn nicht der richtige Berater kommt und ihm die weiteren Schritte erklärt.  

Promistatus dank guter PR und öffentlicher Rolle

Das gestiegene Interesse der Medien an der Anwaltszunft bei großen Straf- und Zivilprozessen haben gewiefte Anwälte dazu genutzt, ihr eigenes Image in der Öffentlichkeit  aufzubauen und eine bestimmte Rolle zu bedienen.

So ist Matthias Prinz als Hamburger Medienanwalt bekannt geworden. Strafverteidiger Gerhard Strate gilt als intellektueller  und unkorrumpierbarer Wiederaufnahmespezialist in eigentlich hoffnungslosen Fällen. Wieder andere Anwälte haben sich einen Namen als exzellente Blogger (Udo Vetter) oder einschlägige Schriftsteller (Ferdinand Schirach) gemacht.

Viele unter ihnen waren oder sind Politiker. Auch das ist eine Möglichkeit, sich als bestimmten Anwaltstypen einem Millionenpublikum zu präsentieren und unauffällig-permanent Werbung für die eigene Kanzlei zu betreiben. So etwa dann, wenn sich FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki, der von Kiel aus als Steuerstrafrechtler arbeitet, in Talkshows zu aktuellen Steuerstrafverfahren Prominenter oder gesetzgeberischen Steuerstrafverschärfungen äußert. 

Der aktuelle Fall ist immer die Maßeinheit

Doch egal wie Ansehen, Prominenz  und / oder Respekt erworben wurde. Der gute Ruf steht mit jedem neuen Fall zur Disposition und ein ernstlich Enttäuschter, kann ein solides Denkmal ankratzen. Auch bei Anwäten gilt: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

Schlagworte zum Thema:  Rechtsanwalt, Kanzlei

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