Kapitel
Bild: MEV-Verlag, Germany

Es gibt Anwälte, bei denen sich Berufskollegen heimlich fragen, wie sie überhaupt zwei Staatsexamina bestehen konnten. Neidvoll müssen sie allerdings einräumen, dass manche dieser vermeintlichen Schmalspurjuristen wirtschaftlich wesentlich besser geht als so einige Prädikats-Juristen. Offenbar gibt es neben der fachlichen Kompetenz eine wichtige Fähigkeit, die ein Anwalt beherrschen muss - die Vermarktung ihrer Arbeit und ihrer Kanzlei.

Rechtsanwälte sind immer noch meist mehr Juristen als Unternehmer und "Reklame machen" ist vielen nicht geheuer, doch mittlerweile, zeitgemäß gestaltet, unverzichtbar.

Businessplan plus Marketingplan konsequent verfolgen

Auch der beste Rechtsanwalt Anwalt kommt nicht aus ohne das Marketing. Das Vorgehen: Jemand setzt sich hin, überlegt sich ein Geschäftskonzept und erstellt ein Marketingkonzept und bringt es entsprechend der vorher festgelegten Schritte auch auf die Schiene.

Für seine Dienstleistungen lässt er sich Produktnamen einfallen und setzt Preise fest. Er entwickelt Werbeaktivitäten, informiert die Presse, hält (Fach-)Vorträge, schreibt Aufsätze und spielt Tennis oder Golf und die Klaviatur des Internets. Alle Anstrengungen haben ein Ziel: Mit der eigenen Dienstleistung die Bedürfnisse der Mandanten zu befriedigen. Abstrakt kann man auch vom Austausch von Vertrauen im Rahmen von Mandantenbeziehungen sprechen.

Nicht nur auf Weiterempfehlung setzen, aber auch

So wichtig es ist, als Anwalt einen Businessplan zu haben, diesen umzusetzen und regelmäßig den veränderten äußeren Bedingungen, wie zum Beispiel neuen Konkurrenten, anzupassen, die herkömmlichen Marketingstrategien funktionieren im Verhältnis Anwalt - Mandant nur bedingt. Ein Grund: Viele Anwälte verwechseln Marketing mit Werbung.

Studien belegen Bedeutung der Empfehlung

Der Mandant will keine Figur aus einem Werbespot wie den guten Joghurt-Onkel oder den rettenden Versicherungsfachmann als Anwalt. Deshalb versagen auch die herkömmlichen Werbemittel vieler Anwälte. Das hat das Soldan Institut für Anwaltmanagement gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa herausgefunden.

  • Trotz dem immer wichtiger werdenden Internet
  • werden immer noch viele Rechtsuchende durch eine Weiterempfehlung auf einen bestimmten Rechtsanwalt aufmerksam.

Hierbei geht die Empfehlung ganz überwiegend von Freunden, Bekannten oder Verwandten aus. Ebenso wichtig ist eine vorangehende persönliche Bekanntschaft mit dem Anwalt .

Homepage ist wichtig, wenn auch nicht als Auslöser

Daraus allerdings den Schluss zu ziehen, ganz auf Homepage und Werbung zu verzichten, wäre grundfalsch. Sie wird erwartet, denn die Mandanten informieren sich immer häufiger vorab im Internet über den empfohlenen Anwalt. Diese Bedeutung des Internets wird sicherlich weiter wachsen.

Der Anwalt wirbt und überzeugt also zu allererst über die von ihm bearbeiteten Fälle, nicht selten im Gerichtssaal sogar den Mandant auf der Gegenseite. Außerdem akquiriert er, egal ob gerne oder nicht, ob Stimmungskanone oder stiller Genießer, beim Bad in der Volksfestmenge, am Elternabend und in der Vereinsarbeit - wie eh und je.

Schlagworte zum Thema:  Akquisition, Kanzlei, Rechtsanwalt, Werbung, Unerlaubte Werbung, Kanzleimanagement, Rechtsanwaltskammer

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