02.12.2013 | Serie Kanzleimanagement Experten-Blog des Bucerius-CLP

PartGmbB? Oder doch LLP? Oder ...

Serienelemente
Rechtsanwalt Markus Hartung, Bucerius Center on the Legal Profession, Direktor
Bild: Haufe Online Redaktion

Die neue Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung - PartGmbB - gibt es seit Juli 2013. Viele Anwältinnen und Anwälte fragen sich jetzt, ob oder ob nicht. Persönliche Haftungsfreiheit ist schön, aber auch teuer. Lohnt es sich trotzdem? Der nachfolgende kurze Beitrag gibt einige Hinweise.

Um es gleich zu Beginn zu sagen: Was die persönliche Haftungsfreiheit „wert“ ist, kann man generell nicht sagen. Es hängt sehr vom Einzelfall ab: Wenn Sie als Anwalt gerne risikomäßig „auf Kante fahren“, dann sollten Sie sich das schon überlegen. Wenn Ihnen (oder besser: Ihren Mandanten, vertreten durch Sie) noch nie was passiert ist, dann brauchen Sie das vielleicht nicht. Wenn Sie in einer Sozietät oder einer PartG arbeiten, wo ohnehin jeder für sich arbeitet, können Sie die Entscheidung nur für sich treffen. Wenn Sie hingegen regelmäßig mit Ihren Kollegen zusammen an Mandaten arbeiten und vielleicht nicht mehr fachlich zuverlässig einschätzen können, was Ihre Kollegen tun, dann wird es höchste Zeit, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen.

Was bringt die PartGmbB?

Die neue PartGmbB bedeutet, dass Sie für berufliche Fehler nicht mehr persönlich haften, wenn Sie eine entsprechende Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben und „unterhalten“. Für Ihre „nicht-beruflichen“ Pflichten verbleibt es aber bei der persönlichen und unbeschränkten Haftung. Das ist bei der UK-LLP immer noch anders, denn die LLP ist eine juristische Person mit der inneren Struktur einer Partnerschaft. Die PartGmbB ist hingegen eine Personengesellschaft mit einem besonderen Schutzschild. In der LLP ist es auch nach wie vor so, dass eine „normale“ Haftpflichtversicherung ausreicht, dort braucht man nicht die hohe Mindestversicherungssumme von 2,5 Mio. Euro pro Partner.

... oder doch lieber die LLP?

Die LLP wirkt damit auf den ersten Blick attraktiver. Man sollte aber nicht die Nachteile übersehen: Für den LLP-Vertrag gilt englisches Gesellschaftsrecht, Sie müssen Ihre Zahlen veröffentlichen, vermutlich unterliegen Sie auch der Bilanzierungspflicht (das ist nicht abschließend geklärt). Das „Haftungsregime“ der LLP ist dennoch unverändert attraktiv, auch wenn dieses  höchstrichterlich noch nicht geklärt ist. Die mit der LLP verbundenen Begleiterscheinungen sollte man aber nicht unberücksichtigt lassen (wenn Sie dazu mehr wissen wollen: Hartung/Bargon, Die LLP in der deutschen Praxis – wer A sagt, sagt auch B. Gesellschafts- und berufsrechtliche Risiken und Nebenwirkungen bei der Trennung von Partnern, in: AnwBl. 2011, S. 84 ff.).

Ob LLP oder PartGmbB: Vor einer Entscheidung müssen Sie sich eingehend mit der Struktur Ihrer Sozietät auseinandersetzen, mit Ihrem Risikoprofil, mit Ihrer Haftungsgeschichte (wenn Sie denn eine haben!), und auch mit den zusätzlichen Kosten, die Ihnen entstehen. Wenn Sie die kennen, müssen eine typisch unternehmerische Entscheidung treffen: Was ist mir die Beseitigung des persönlichen Haftungsrisikos „wert“? Das ist kaum mit einem Preisschild zu versehen.

Umstellung? No big deal

Wenn Sie sich für die PartGmbB entscheiden, dann kann alles unkompliziert und schnell gehen: Die Umwandlung in eine PartGmbB ist nämlich denkbar einfach, eigentlich reine Formularangelegenheit. Im Internet finden Sie bereits viele praktische Hilfen. Es gibt allerdings ein paar Besonderheiten, die man an seinem GbR-Vertrag ändern muss, aber das ist alles machbar. Die Gelegenheit ist günstig, seinen Gesellschaftsvertrag mal überprüfen zu lassen. Wichtig ist schließlich, dass Sie die gesetzlich geforderte Versicherungsbescheinigung haben, denn ohne die geht es nicht.

Wenn Sie die Rechts- und Versicherungsfragen geklärt haben – wie gesagt, keine Rocket Science –, dann kommt eine wirklich schwierige Aufgabe auf Sie zu: Sie müssen dann so organisiert sein, dass Sie zu einem Stichtag alle Ihre Briefbögen, Vollmachten, Stempel, Internetauftritt usw. auf die neue PartGmbB umstellen können. Das ist, je nach Größe der Kanzlei, ein erheblicher Aufwand.

Fazit

Die PartGmbB ist theoretisch eine sehr attraktive Gesellschaftsform für Anwälte. Ob das auch für Sie gilt, müssen Sie überlegen. Aber eins steht  fest: Sollten Sie noch als GbR organisiert sein, dann sollten Sie unbedingt eine Umstellung ins Auge fassen, entweder in die „normale“ PartG oder in die PartGmbB. Alles andere ist wegen der persönlichen Haftungsrisiken in der GbR schon fast bedingt vorsätzlich, was die Sorgfalt in eigenen Angelegenheiten angeht.

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