25.03.2014 | Serie Kanzleimanagement Experten-Blog des Bucerius-CLP

Woran sieht man, ob eine Kanzlei „gut“ ist?

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Bild: Haufe Online Redaktion

Im letzten Beitrag hatten wir uns mit der Segmentierung des Rechtsmarktes und mit dem Bucerius-Index befasst, mit dessen Hilfe man Kanzleien nach verschiedenen Kriterien darstellen kann. Heute geht es um die Frage, wonach man eigentlich beurteilen kann, ob eine Kanzlei „gut“ bzw. „gut aufgestellt“ oder „erfolgreich“ ist. Dazu stellen wir zwei  Studien bzw. Rankings vor: Den Kanzleimonitor sowie die Auswertung von azur (Juve)*.

Das wüsste man schon gerne: Ist unsere Kanzlei erfolgreich? Wenn sie es letztes Jahr war, wird es auch im kommenden Jahr so sein? Sind wir „auf dem richtigen Weg“? Diese Fragen stellt sich jeder Anwalt, egal ob Einzelanwalt oder Anwalt in einer größeren Einheit. Woran man aber erkennen oder beurteilen kann, ob man erfolgreich ist, ist einigermaßen unklar.

Messgrößen für Erfolg Wenn man mehr umgesetzt als ausgegeben, also einen Gewinn erzielt hat, ist man erfolgreich. Das ist zwar eine extrem verkürzte Sicht der Dinge, aber eine, auf die sich viele Anwälte noch einigen können: Wenn die Kasse stimmt, läuft es gut. Wenn wir in unseren Lehrveranstaltungen danach fragen, was der wichtigste Erfolgsfaktor oder was das wichtigste Ziel ist, antworten 98% immer gleich: Gewinn. Aber ist das gleichbedeutend mit Erfolg? Unter Erfolg versteht man das Erreichen selbstgesetzter Ziele. Wenn sich Anwälte also das Ziel setzen würden, am Ende des Jahres einen bestimmten Gewinn zu erreichen, wäre man erfolgreich, wenn dieses Ziel erreicht wurde.

Gewinn = Erfolg?

Aber, bei Licht betrachtet: Das stimmt nicht. Jedenfalls nicht, wenn man den Aussagen auf den Websites fast aller Kanzleien glauben darf: Dann geht es nämlich nicht um Gewinnerzielung, sondern darum, erste Wahl für Mandanten und Top-Arbeitgeber für junge Juristen zu sein. Von Gewinn ist dort nie die Rede, zu Recht: Denn Gewinnerzielung als solche kann kein Ziel einer Kanzlei sein. Gewinn wäre die Folge des Erreichens anderer Ziele, z.B.: Gute Mandantenbeziehungen, gute Mandate, hervorragende Mitarbeiter, „gutes Standing“ im Markt bzw. in den Märkten, in denen Kanzleien tätig sind: Im Markt für Mandanten und im Markt für Bewerber. Kurz: Kanzleien sind erfolgreich, wenn sie richtig gute Leute haben und von guten Mandanten nicht nur beauftragt, sondern auch empfohlen werden.

Obwohl das so ist, gibt es seltsamerweise keine wirklichen Messgrößen dafür, und daher landet man letztlich immer wieder beim Geld: Erfolg ist, wenn die Kasse stimmt. Das sagt aber nur etwas über abgelaufene Zeiträume aus, nichts über die Zukunft. Aber genau das ist die brennende Frage: Sind wir auch übermorgen noch erfolgreich? Das wüssten wir - zumindest besser - wenn wir etwas über die Wertschätzung unserer Mandanten im Vergleich zu unseren Wettbewerbern und darüber, wie wir von unseren Mitarbeitern und Bewerbern gesehen werden, wüssten.

Wertschätzung von Mandanten ...

Für die Mandantensicht gibt es seit zwei Jahren den Kanzleimonitor, mittelbar herausgegeben vom Bund der Unternehmensjuristen (BUJ). Dieser Kanzleimonitor unterscheidet sich von anderen Studien/Rankings dadurch, dass er allein auf das Feedback von Unternehmensjuristen abstellt, ohne diese Empfehlungen im Einzelnen noch einmal zu relativieren, wie dies beispielsweise im JUVE Handbuch für Wirtschaftskanzleien gemacht wird.

Diese Einschätzungen der Redaktion bei JUVE sind gerade wegen der damit verbundenen Empfehlungen für Kanzleien unverzichtbar, aber haben einen anderen Charakter als die Auswertungen des Kanzleimonitors: Dort kommen die Unternehmensjuristen ungeschminkt zu Wort und am Ende werden die jeweiligen Empfehlungen ausgewertet. Kanzleien können dort ihre eigenen Daten sowie diejenigen ihrer Wettbewerber sehen, was für die Positionierung von sehr großer Bedeutung ist. Es ist sozusagen die Kanzleibewertung aus Verbrauchersicht. Diejenigen Kanzleien, die feststellen, dass sie nicht häufig empfohlen werden, wissen also, dass sie etwas tun müssen: Denn da bahnt sich etwas an, was gefährlich werden kann.

... und von Mitarbeitern und Bewerbern

Eine ähnliche Auswertung gibt es seit vielen Jahren für den Personalmarkt: Die Zeitschrift azur, die zu Juve gehört, gibt jährlich das Sonderheft azur100 heraus, das  in drei Abschnitten die Top100 der Kanzleien und Unternehmensrechtsabteilungen, diesmal als Arbeitgeber (http://www.azur-online.de/top-arbeitgeber/) präsentiert. Auch dieser Report ist die Bewertung „aus Verbrauchersicht“, und Kanzleien sowie Unternehmensrechtsabteilungen bekommen dort sehr klare Hinweise darauf, ob und wo sie etwas tun müssen.

Beide Studien befassen sich nicht damit, ob Kanzleien Gewinn erzielen! Sie enthalten viel wichtigere Informationen. Leider gibt es solche Informationen nur für Wirtschaftskanzleien. Etwas Vergleichbares für kleine oder mittlere Kanzleien gibt es nicht, so dass solche Kanzleien sich anders behelfen müssen (wie das gehen kann, behandeln wir in einem unserer nächsten Blogs).*

Und damit kein Missverständnis aufkommt: Geld spielt natürlich eine Rolle und Kanzleien müssen sich sehr eingehend damit befassen, woher ihre Umsätze kommen und wohin die Kosten gehen – Stichwort Controlling. Auch dies bleibt einem der nächsten Blogbeiträge vorbehalten.

 

* Die genannten Studien/Rankings stellen nur eine Auswahl dar. Es gibt darüber hinaus noch andere Ansätze der Qualitätsbewertung. Aus Personalsicht ist dies z.B. das jährliche trendence Graduate Barometer. Aus Sicht der Mandanten bzw. der Presse sind dies z.B. die Rankings im Handelsblatt und im Oktober 2013 erstmalig im FOCUS.

Schlagworte zum Thema:  Ranking, Kanzleimanagement

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