16.12.2013 | Serie Kanzleimanagement Experten-Blog des Bucerius-CLP

Was können Spin-Offs von Start-ups lernen?

Serienelemente
Bild: Birte Gall, Bucerius Center on the Legal Profession

Wenn anwaltliche Spin-Offs erfolgreich sind, wachsen sie in die Horizontale. Sie akquirieren neue Anwälte, um so die einzelnen Rechtsbereiche personell stärker aufzustellen oder neue Rechtsbereiche aufzubauen. Wenn Start-ups wachsen, identifizieren sie zunächst alle Funktionen, die sie für ein erfolgreiches Wachstum brauchen.

Die Start-ups sorgen dann dafür, dass diese Stellen mit entsprechend ausgebildeten Mitarbeitern besetzt werden. Sie wachsen stärker vertikal.

Producer-Manager-Dilemma

In einem Start-up werden so Funktionen wie Dienstleistungserbringung, Vertrieb und Management mit zunehmender Größe auf verschiedene Mitarbeiter aufgeteilt, d.h. neue Mitarbeiter übernehmen neue Aufgaben. Bei Spin-Offs "knubbeln" sich diese Aufgaben bei den Partnern, d.h. die einzelnen Partner übernehmen immer mehr Aufgaben. Das damit einhergehende Producer-Manager-Dilemma führt hier regelmäßig zu belastenden Ressourcenengpässen bei den handelnden Personen.

Unternehmenskultur und Mitarbeitermotivation

Wenn Start-ups wachsen, arbeiten sie an ihrer Unternehmenskultur und versuchen, jedem Mitarbeiter einen klar abgegrenzten Arbeitsbereich sowie die ihm zustehende Anerkennung für seine Tätigkeit zukommen zu lassen. Denn in einem arbeitsteiligen System kann sich der Erfolg nur einstellen, wenn alle Mitarbeiter hochmotiviert und eigenverantwortlich die Leistung in ihrem Bereich erbringen.

Wenn anwaltliche Spin-offs wachsen, stellen sie wenn es gar nicht mehr anders geht - aber auch erst dann - Mitarbeiter für die vielfältigen, wichtigen, aber eben nicht-juristischen Tätigkeiten wie Business Development, Marketing und PR ein. Deren Stellung in der Kanzleistruktur spiegelt jedoch in keiner Weise deren beruflicher Qualifikation und ihre Bedeutung für die Weiterentwicklung des Spin-Offs wider. Die Bezeichnung non-professional staff oder business services tut ein Übriges, um sie weiter unten in der Pyramide anzusiedeln, weit genug entfernt, um den Abstand zu den Partnern deutlich zu machen.

Gefahren der Wachstumsphase

Die Gefahr in der Wachstumsphase bei Spin-Offs wie auch bei Start-Ups besteht darin, dass die Strukturen und Prozesse unterproportional zum Arbeitsumfang und zur Anzahl der Mitarbeiter mitwachsen. Dies hat zunächst erträgliche Wachstumsschmerzen zur Folge. Angegangen werden diese nur dann systematisch, wenn sie allzu schrill und allzu lang pochen. Haben sie einmal das Stadium des chronischen Schmerzes erreicht, folgt häufig nur die Dauerfrustration und damit Demotivation der Mitarbeiter oder die Flucht, sprich: Kündigung.

Wertschätzende Positionierung der Mitarbeiter

Eine wertschätzende Positionierung der Mitarbeiter, die die Bedeutung für die Weiterentwicklung der Kanzlei und deren eigene berufliche Qualifizierung widerspiegeln, sollten heutzutage zu einer modernen Kanzleiführung gehören. Genauso wie ein strenges Augenmerk auf den Aufbau effizienter Arbeitsprozesse und den dafür notwendigen internen Strukturen. Hier können sich Spin-Offs einiges von Start-ups abschauen, und Kanzleien von Unternehmen.

Schlagworte zum Thema:  Motivation, Spin-off, Unternehmenskultur, Kanzleimanagement

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