28.01.2014 | Serie Kanzleimanagement Experten-Blog des Bucerius-CLP

Visionen von Kanzleien – oder Halluzinationen?

Serienelemente
Bild: Haufe Online Redaktion

Der Kanzleierfolg ist nicht allein eine Folge von juristisch exzellenter Beratung, sondern vor allem das Ergebnis konsequenter strategischer Führung. Dabei gibt es bekanntlich keine richtige oder falsche Strategie, sondern nur eine Strategie mit und eine ohne Umsetzung….

Die Strategieentwicklung umfasst zunächst das Herausarbeiten einer Vision, verstanden als ein übergeordnetes, erstrebenswertes und erreichbares Ziel.

Die Vision als „Leitstern“

Eine solche Vision als „Leitstern“, die in intensiver Arbeit gemeinschaftlich entwickelt wurde, erhöht die Chancen auf konsequente Umsetzung der Gesamtstrategie erheblich. Die Vision betrifft die Positionierung der Kanzlei in der Zukunft. Sie beantwortet die Fragen, wo die Kanzlei stehen möchte und welche grundlegenden Vorstellungen sie dabei leiten. 

In einer Auswertung der Visionen und Leitbilder von Großkanzleien in Deutschland fällt auf, dass die Top 30 Kanzleien zumindest in der nach außen gerichteten Formulierung von Visionen zurückhaltend sind. Nur wenige der 30 Kanzleien sagen von sich, dass sie „die führende Kanzlei“ sein wollen. Die expliziten Beschreibungen der Kanzleiwerte und -prinzipien auf den Internetseiten haben jedoch das Potential, einen Leitstern darzustellen.

So spricht Clifford Chance einprägsam von der „Clifford Chance DNA“. Freshfields Bruckhaus Deringer, HoganLovells, Linklaters, Shearman Stearling, White & Case, Norton Rose und Jones Day vertrauen auf drei bis 12 Werte, die das gemeinsame Vorgehen prägen.

Der Schwerpunkt liegt bei den verschiedenen Zielfeldern einer Kanzlei: Dienstleistungen, Mandanten und Mandantenbeziehung, den Märkten und der Markstellung, Qualität, Wachstum, Organisation, Führung und Personal. Am häufigsten tauchen die Kategorien „unternehmerisches Denken“ in der täglichen Arbeit (12 Mal) und „Teamwork“ (ebenfalls 12 Mal) auf. Danach folgen „Kreativität“ der Arbeitsweise (11 Mal) und „Soziales Engagement“ als Ausdruck von gesellschaftlicher Verantwortung (10 Mal). Fünf Kanzleien sehen ihre Mitarbeiter als „leidenschaftlich“ bei der Arbeit. Diese genannten Zielfelder sind die Schlüsselfragen einer jeden Organisation und müssen im Rahmen einer Kanzleistrategie beantwortet werden. Eine „mitreißende“ Vision hingegen ist ein aussagekräftiges Kondensat der die Kanzlei bei der Zielerreichung leitenden Vorstellungen.

Gemeinsame Erarbeitung der Vision

Ausgehend von einer Vision liegt der Schlüssel zum Erfolg in der gemeinsamen Umsetzung. Hier gilt: je intensiver der Prozess der gemeinsamen Erarbeitung, desto höher die Chancen auf die gemeinsame Umsetzung. Bekannte Hürden sind partnerschaftliche Strukturen von Anwaltskanzleien, die starken Persönlichkeiten von Anwälten, das Argument, dass der Mandant nun einmal die ständige Verfügbarkeit fordere bis hin zu der Angst der Partner eigenes „smart working“ mit Zeit für die Verfolgung von Hobbies intern oder gar extern offen zu legen. Ein dreiviertel Jahr wird auf einen solchen Prozess leicht verwendet werden müssen, doch es lohnt sich!

Fazit

Was lässt sich aus den Beispielen für die ideale Kanzleivision ableiten? Weniger ist oft mehr. Die Kanzleimitglieder sollen einem klaren Leitstern folgen und sich nicht im Nebel langer Ausführungen verlaufen. Daher muss die Vision auf das Wesentliche reduziert, prägnant formuliert und gemeinsam erarbeitet sein. Warum haben wir uns als Kanzlei zusammengeschlossen? Was wollen wir als Kanzlei erreichen, wo wollen wir in fünf Jahren stehen? Für welche Mandanten wollen wir arbeiten? In welchen Rechtsbereichen wollen wir für diese Mandanten tätig sein? Welche Märkte sind für uns wichtig?

Jedoch ist die beste Vision nichts wert, wenn das Handeln nicht daran ausgerichtet wird und in engem Zusammenhang mit Kanzleikultur und Werten steht. Worte können eine tatsächliche Identifikation nur fördern, nicht aber ersetzen. Um es mit Benjamin Franklin zu sagen: Eine Vision ohne ganz konkrete Maßnahmen der Umsetzung ist eine Halluzination. 

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