20.08.2015 | Serie Kanzleiprofil

Als First Mover-Kanzlei in der Nische wachsen

Serienelemente
Bild: MEV-Verlag, Germany

Wer heutzutage eine Anwaltskanzlei gründet, sollte sich das gut überlegen. Denn Digitalisierung und Verdrängungswettbewerb in fast allen Regionen prägen das Bild von einem nahezu gesättigten Rechtsmarkt. Wer keine gut etablierte Kanzlei übernimmt, wird sich nur schwer etablieren können, sofern er sich nicht als "First Mover" neue Märkte erschließt.

Als Nische bezeichnet man ein Marktsegment, das von der Konkurrenz entweder noch gar nicht oder unzureichend beackert wird. Im ersten Fall spricht man von einer Marktlücke, im zweiten Fall von Versorgungslücke.

Was ist ein First Mover?

Der First Mover hofft,

  • eine Marktlücke zu entdecken,
  • diese dann beharrlich auszufüllen,
  • den gewonnenen Wettbewerbsvorteil quasi monopolartig auszubauen

und - natürlich - zu halten.

Man sagt, dass Nischenkanzleien aufgrund ihrer Spezialisierung auch wirtschaftlich wesentlich besser dastehen als Allgemeinkanzleien oder auch Boutiquen.

A & O: Marktvolumen richtig einschätzen

Doch das entdecken einer Lücke bedeutet noch lange nicht, dass die Entscheidung für eine Nische immer von Erfolg gekrönt ist. Denn der extrem spitze Markteintritt kann sich leicht als zu waghalsig erweisen – sprich: Marktvolumen und/oder Mandantenbedarf wurden überschätzt. Allein die richtige Einschätzung, wenn es zu Beginn nicht läuft, woran es liegt, fällt extrem schwer. Denn neben den beiden genannten Punkten kann es ebenso gut an der falschen Marketingstrategie oder dem nicht voll ausgeschöpften Netzwerk liegen.

Ankermandanten müssen an Bord sein

Klar ist allerdings, dass das Netzwerk schon vor dem Start der Nischenkanzlei stehen muss. Wer erst nach der Gründungsphase mit dem Netzwerkaufbau beginnt, hat meist schon verloren. Denn ohne die entsprechenden Zusagen der Ankermandanten aus dem aufgebauten Netzwerk ist eine Einschätzung und detaillierte Planung der Geschäftsentwicklung ausgeschlossen. Wer hier im Nebel stochert, wird irgendwann auf Grund laufen.

Kompetitive Einstellung erforderlich

Auch bei einer Fokussierung auf eine Teilbranche ist immer kritisch zu hinterfragen, ob die Branche wirtschaftlich betrachtet eine echte Zukunft hat und welche Wettbewerber nachstoßen könnten. Die Stärkung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit ist ebenso notwendig wie die Beobachtung von Stärken und Schwächen aufziehender Konkurrenten. 

Tier, Technologien, Transportrecht

Nische gibt es überall, sie müssen allerdings langfristig tragfähig sein. Bestimmte komplexe Technologien kommen ebenso in Betracht, wie bestimmte aufwändige Hobbys mit regelmäßigen rechtlichen Bezügen wie Motorradfahren, Oldtimer oder Sportwagen aber auch anspruchsvolle Tierhaltung oder bestimmte Umweltthemen. Aber auch allgegenwärtige Lebensbereiche wie Schulrecht etc. können Potential bieten.

Vgl. zu dem Thema auch:

Wie werden Mandate gewonnen, welche Anknüpfungspunkte gibt es?

Anwalts Internetauftritt - Blickfang für den virtuellen Mandanten

Schlagworte zum Thema:  Akquise, Kanzleimarketing, Rechtsanwalt, Kanzlei

Aktuell

Meistgelesen