| Juristische Blogs unter der Lupe

Beck-Blog – kein echtes Tagebuch

Bild: Haufe Online Redaktion

Er kommt eher wissenschaftlich daher, der Beck-Blog. Hier wird streng juristisch argumentiert. Nicht ein Blogger berichtet über seine täglichen beruflichen Erlebnisse. Vielmehr verfassen Juristen, d.h. Richter, Anwälte und Wissenschaftlicher, mehr oder weniger fundierte Beiträge zu aktuellen juristischen Fragen.

Nicht der Spaß an skurrilen Geschichten oder lustigen Tageserlebnissen steht im Vordergrund. Nein, hier wird richtig gearbeitet und wissenschaftlich streng argumentiert. Süffisante Darstellungen über richterliche oder sonstige Entgleisungen, Sarkasmen oder kabarettistische Einlagen sucht man vergebens. Es geht um juristisch fundierte Argumentation – mit dem Vorteil des Erkenntnisgewinns einerseits und des mitunter für einen echten Blog doch mangelnden Unterhaltungswertes andererseits.

Posts

Diese bestehen im wesentlichen aus juristischen Beiträgen zu bestimmten Rechtsgebieten aber auch zu allgemein politischen Themen. So lässt ein Richter sich zur Strafzumessung bei Heranwachsenden aus, ein Experte analysiert die Entwicklung der Einkommensunterschiede in Deutschland. Ein Amtsgerichtsdirektor mokiert sich über die Zustellung eines gerichtlichen Beschlusses im „Bürowege“ oder berichtet über den bemerkenswerten Fall, dass ein nichteheliches Kind den sich hartnäckig weigernden Vater verklagt, ihm Namen und Anschrift seiner Mutter – also der Großmutter des Kindes – zu nennen. Aus dem der Klage stattgebenden Urteil des AG wird ausführlich zitiert. Solche ausführlichen Zitate finden sich auch in anderen Posts.

Nützliche Anwendungen

In der rechen Sidebar findet man Hinweise auf die meist gelesenen Posts und die neuesten Blog-Kommentare. Hier hat der User auch die Möglichkeit sich zum Blog anzumelden und registrieren zu lassen, um so bei einzelnen Themen selbst mitdiskutieren zu können. Unter der Rubrik „Kanzleien & Co“ werden einzelne Anwaltskanzleien und deren Schwerpunkte vorgestellt.

Blogfunktionen

Der Blog hebt sich auch hier von anderen Blogs ab und bietet im Vergleich deutlich mehr

Funktionen und Verlinkungen. In der linken Sidebar werden unter dem Stichwort „Community“ die „Blogexperten“, d.h. die Verfasser der Posts vorgestellt. Es handelt sich im Wesentlichen um Richter, Rechtsanwälte und Uniprofessoren. Die Sidebar bietet aber auch die Gelegenheit zur Gruppenbildung. Zu einzelnen Rechtsgebieten und Themen können sich Interessierte zusammenschließen und Themenkomplexe ausschweifend diskutieren. Es existieren Gruppen zum Strafrecht, zum IT.-Recht, zum Europarecht und viele andere Gruppen, deren Aufzählung auch das Vorlesungsverzeichnis des neuen Jurasemesters in Freiburg sein könnte.

Kein echter Blog

Geht man von der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs aus, nämlich dem Verfassen eines Logbuches, eines Berichts über tägliche Ereignisse und Abläufe, so wird der Beck-Blog dieser Begrifflichkeit eher nicht gerecht. Er unterscheidet sich von dem „normalen“ Internetauftritt des Verlages im Wesentlichen durch seine Aktualität und den gelegentlichen Versuch einer etwas laxeren Sprache und Kommentierung als im strengen Wissenschaftsbereich. Der spontane Berichtsstil anderer Jurablogs ist ihm eher fremd

Nutzerprofil

Kurz gesagt: Juristen, die fundierte Informationen und auch Meinungen zu aktuellen juristischen Themen und Urteilen suchen. Juristisch interessierte Laien benötigen einen Grundstock an juristischer Vorbildung. Wer kurzweilige Unterhaltung sucht, ist hier eher fehl am Platz. 

(www.blog.beck.de)

Vgl. zu dem Thema "Juristische Blogs unter der Lupe" auch:

Blogs – was sind das eigentlich?

Der „Law blog“ – ein echtes Tagebuch

Reuter-Blog – der Kritische

Kanzlei Hoenig - ein vielbesuchter Blog

Schlagworte zum Thema:  Blog

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