17.11.2014 | Serie Kanzleimanagement Experten-Blog des Bucerius-CLP

Innovation und Anwälte – ein Gegensatz? Nein!

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Bild: Haufe Online Redaktion

Natürlich können Anwälte innovativ sein, zumindest wenn man unter dem Begriff „Innovation“ mehr versteht als technische Innovationen. Nur wer den Begriff „Innovation“ offener auffasst, wird den Raum für Innovationen auf dem Markt für Rechtsberatung erkennen.

Der Duden definiert den Begriff der Innovation als „Realisierung einer neuartigen, fortschrittlichen Lösung für ein bestimmtes Problem, besonders die Einführung eines neuen Produkts oder die Anwendung eines neuen Verfahrens“. Nach dieser Definition geht es bei einer Innovation also darum, Lösungen zu finden, die ein neues Produkt oder ein neues Verfahren darstellen. Das gilt natürlich auch für Anwälte, obwohl es sicherlich einige Anwälte gibt, die den Raum für Innovation nicht erkennen.

Innovation auf dem Markt für Rechtsberatung

Unterschieden werden Produkt-, Service-, Prozess- und Geschäftsmodellinnovationen. Diese Kategorien sollen vor allem zum Nachdenken über Innovation anregen. Denn zunächst einmal muss ich definieren, warum ich innovativ sein will und welches Problem ich damit lösen möchte: Sollen neue (Beratungs-)Produkte entwickelt und am Markt angeboten werden, sollen die Abläufe und Prozesse der Kanzlei verbessert werden oder soll eventuell das gesamte Geschäftsmodell der Kanzlei radikal geändert werden?

Durch neue Beratungsprodukte, besseren Service, effizientere Prozesse, also durch Innovation schaffen Anwälte einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Konkurrenten und können sich dadurch nachhaltig am Markt behaupten: Sie richten ihre Leistungen besser am Kunden aus, bieten Leistungen an, die ihre Wettbewerber nicht anbieten oder sie bieten ihre Leistungen anders, beispielsweise günstiger an.

Innovative Geschäftsmodelle außerhalb einer Kanzlei

Auch außerhalb einer Kanzleieinheit können Anwälte innovativ sein. So gibt es in Deutschland momentan zwei vieldiskutierte Start-ups, die von Anwälten gegründet wurden: „flightright“ hilft Fluggästen, ihre Fluggastrechte schnell und unkompliziert durchzusetzen. Ein Prozess, der vorher häufig viel Zeit und Nerven gekostet hat. Bei „smartlaw“ können Kunden in wenigen Minuten online maßgeschneiderte Rechtsdokumente, wie zum Beispiel einen Gesellschaftervertrag für eine GmbH oder einen Autokaufvertrag, zusammenstellen („Automated Document Assembly“). Dafür mussten die Kunden vorher entweder auf Formulare zurückgreifen, die eventuell aber veraltet sind oder nicht wirklich passen oder für mitunter viel Geld zum Anwalt gehen. Inzwischen stehen mehr als 80 verschiedene Verträge zur Verfügung.

Innovationen müssen nicht radikal sein!

Und auch innerhalb der Kanzlei ist reichlich Platz für Innovationen. Sicher denken viele dabei zunächst an radikale Innovationen, wie zum Beispiel die von Martin Lipton entwickelte „Poison Pill“.eine Abwehrstrategie von börsennotierten Aktiengesellschaften gegen feindliche Übernahmen.

Neue Beratungsprodukte zu identifizieren

Nicht nur solch herausragende „Erfindungen“ gelten als Innovationen, sondern vielmehr jedes neue Beratungsprodukt. Eine Möglichkeit, neue Beratungsprodukte zu identifizieren sind abgeschlossene Mandate. Ausgangspunkt vieler Produktinnovationen ist der Bedarf des Mandanten und auch die Unternehmen starten beim Versuch, innovative Produkte zu entwickeln häufig mit dem Kundenbedürfnis. Durch das laufende Mandatsgeschäft kann der Anwalt gut erkennen, ob bei seinen Mandanten neuer Beratungsbedarf entsteht und ob sich dadurch vielleicht Raum für Produktinnovationen im Sinne von neuen Beratungsprodukten ergibt.

Besonders Prozesse und Abläufe bieten Raum für Innovationen

Prozessinnovationen gehen häufig nicht von den Bedürfnissen der Mandanten aus, sondern dienen nur indirekt dem Mandanten, indem die internen Kosten sinken, die Kanzlei dadurch effizienter wird und somit  ihre Leistungen dem Mandanten günstiger anbieten kann.

Grundlage für Prozessinnovationen sind dabei nicht die Mandanten, sondern die Anwälte, Assistenten, Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte und – bei größeren Kanzleien – die Mitarbeiter aus den Bereichen der Business Services (Personal, Marketing, Finanzen). Alles, was standardisiert, automatisiert oder vereinfacht werden kann, bietet eine Reihe von Möglichkeiten.

Fazit: In jedem Bereich der Wirtschaft spielen Innovationen eine Rolle und damit auch bei Anwälten und Kanzleien.. Die Hürde liegt vielleicht niedriger als es sich manch einer vorstellt: Ein professionelles Innovationsmanagement brauchen vielleicht nur wenige, große Kanzleien. Und dies entspricht auch bereits der Realität. Bei vielen kleineren Einheiten reicht es, als Einstieg oftmals , über Innovationen nachzudenken.

Schlagworte zum Thema:  Wettbewerbsstrategie, Rechtsanwalt, Kanzleimanagement

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