07.09.2014 | Serie Colours of law

Cold-Water-Challenge und Ice Bucket Challenge - karitativer Kettenbrief mit Tücken

Serienelemente
Ice Bucket Challenge - Gutes tun auf die kalte Tour
Bild: Haufe Online Redaktion

Inzwischen haben Ice Bucket Challenge & Co. alle Bereiche und Branchen erreicht. Juristen tun es (siehe ganz unten), Ärzte, Schauspieler und Politiker tun es auch. Nicht immer geht das Ganze glimpflich ab. Manchmal wird nicht (nur) gespendet, sondern es ermittelt die Staatsanwaltschaft. Gutes tun auf die coole Tour ist nicht ohne und nicht unumstritten.

Die Kampagne hat ihren Ursprung in den USA und soll dort auf die Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Laterasklerose) aufmerksam machen. Prominente haben auf diese Art inzwischen weltweit beachtliche Spenden sammeln können. Jeder Teilnehmer bestimmt drei oder weitere „Opfer“, die mitmachen, also leiden und/oder spenden müssen. Nach dem Schneeballsystem breitet sich die Aktion mit enormer Geschwindigkeit und mit Varianten aus.

Die Liste der Prominenten ist lang

Bill Gates, Lady Gaga, Mario Götze – sie alle haben es gemacht und weitere Promis, Stars und Sternchen nominiert. Zumindest die meisten nominierten Prominenten, Schauspieler, Sänger und Politiker scheuen sich, ihre Teilnahme abzulehnen.

Keiner will sich das Image des Spielverderbers anheften lassen. Doch nicht immer bleibt es bei der Gänsehaut als Schaden, manchmal sind die Konsequenzen härter.

Erster Todesfall in Deutschland

Ende Juli hat ein 34-jähriger Familienvater in Isselburg mit seinem Kegelklub an einem Challenge-Wettbewerb teilgenommen. Sie hatten wie viele andere die Absicht, ein Video ins Netz zu stellen, auf dem zu sehen ist, wie sie mit eiskaltem Wasser übergossen werden. Es geht nicht nur um Spaß, es geschieht auch für einen guten Zweck, doch der rechtfertige in diesem Fall die Mittel nicht

Bagger sollte Teilnehmer mit Wassers überschütten

Besonderer Gag dieser Aktion: Ein Bagger sollte die Teilnehmer von hinten mit einer Riesenmenge eiskalten Wassers überschütten. Die Männer unterschätzten jedoch das Gewicht des Wassers. Als die Schaufel des Baggers mit 2.000 l Wasser gefüllt war und der Baggerfahrer die Schaufel hochfuhr, bekam das Baufahrzeug Übergewicht nach vorne. Die Schaufel donnerte auf die an einem Tisch schon feiernden Klubmitglieder und ein Teilnehmer erlitt so schwere Kopfverletzungen, dass jede Hilfe zu spät kam. 5 weitere Kegelbrüder wurden teils schwer verletzt.

Hoher Preis für eine Spaßaktion

Die StA ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Sie prüft insbesondere die Frage, ob der Baggerfahrer hätte wissen müssen, dass das Fahrzeug einer Schaufelladung von 2.000 l Wasser nicht gewachsen war.

Warnungen

NRW-Innenminister Ralf Jäger hat inzwischen an den gesunden Menschenverstand von Klubs, von Feuerwehren, von öffentlichen Einrichtungen, von Politikern und sonstigen Gemeinschaften appelliert, dermaßen gefährliche Aktionen zu unterlassen. Bei Vermeidung besonderer Gefahrenquellen wie bei dem tragischen Fall in Isselburg sind solche Challenges allerdings grundsätzlich nicht strafbar.

Das Schneeballsystem erinnert an die alten Kettenbriefe

Im Internet wird nach wie vor zu Cold-Water-Challenges oder zu Ice-Bucket-Challenges aufgerufen. Aktionen werden dort nach dem Schneeballsystem organisiert. Auch Grünen Chef Cem Özdemir hat sich einer Ice Bucket Challenge gestellt, mit Nebeneffekten.

Wollte Özdemir für Cannabisfreigabe werben?

Die Besonderheit bei der Özdemir-Challenge bestand darin, dass der Politiker sich den Balkon seiner Privatwohnung als Austragungsort für die Selbstbewässerung ausgesucht hatte. Auf dem Video ist neben seiner Person eine Hanfpflanze zu sehen. Strittig ist, ob diese Art der Präsentation von Özdemir gewollt oder ungewollt war. Der Grünen Politiker Ströbele hat bereits seine Anerkennung für diesen mutigen und spektakulären Werbegag ausgesprochen. Er wirbt seit Jahren für die Freigabe von Cannabis.

Der Vorsitzende des Bundes der Kriminalbeamten André Schulz glaubt nicht an einen bewussten Werbegag. Er hält das Ganze schlicht für eine Dusseligkeit Özdemirs mit dem Ergebnis, dass nun die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des unerlaubten Drogenanbaus ermittelt. Özdemir war übrigens von dem FDP-Vorsitzenden Christian Lindner zur Teilnahme nominiert worden.

Was sonst noch an's Tageslicht kam

Auch einen anderen Straffälligen hat es erwischt, allerdings in Nebraska: Der 20-Jährige wurde vor 4 Jahren zu einer 6-jährigen Haftstrafe verurteilt und Anfang des Jahres auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen. Da er gegen Bewährungsauflagen verstieß, wurde diese widerrufen. Seitdem suchte ihn die Polizei und hat ihn, nach dem gedankenlosen Entschluss, sich mit der ALS Ice Bucket Challenge im Internet zu präsentieren, jetzt auch gefunden.

Und es geht weiter

Noch ist kein Ende abzusehen. Selbst im "Wort zum Sonntag" griff der Pastor zum Wasser. Der Handballstar Stefan Kretzschmar hat gar den Vorstoß gewagt, die Mutti aller Deutschen für eine Cold-Water-Challenge-Aktion zu nominieren: Die Kanzlerin. Aber das wird sie ihrem Volk wohl nicht antun. Vielleicht tut die kompromissfreudige Angela Merkel es dem amerikanischen Präsidenten gleich: Der hat seine Nominierung abgelehnt, aber gleichwohl eine großzügige Spende für die ALS-Kranken getätigt.

Kanzleien sind auch schon dabei

Einige Anwälte haben es dagegen schon auf sich genommen - schließlich ist es ja für einen guten Zweck. Z.B.

Quirmbach und Partner, Montabaur

Und es muss auch nicht immer eine Spende für ALS sein, es gibt ja auch andere unterstützenswerte Organisationen.

Schlagworte zum Thema:  Spende, Jurisprudenz, Justiz, Juristen, Urteil, Richter

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