08.06.2014 | Serie Colours of law

Königsgrab - britische High Court entschied über die Ruhestätte Richards III.

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Bild: Haufe Online Redaktion

Geht es vor Gericht um Beerdigungen, geht es meist darum, dass niemand die Kosten tragen will. Als kürzlich die Leichenteile König Richards III. von England unter einem Parkplatz bei Leicaster gefunden wurden, war dies eine Sensation. Dann musste ein Gericht entscheiden, wer von mehreren Bewerbern für die die letzten Ruhestätte sorgen dürfe - obwohl der Mann zu Lebzeiten als Unsympath  1. Güte galt.

Sie hört gern auf Ihre innere Stimme. Phillippa Langley, die erfolgreich die Kultfigur Harry Potter zum Leben erweckt hat, spazierte an einem Augusttag des Jahres 2009 über einen Parkplatz in der englischen Stadt Leicester. Plötzlich hatte sie die Empfindung, über die letzte Ruhestätte von König Richard III. zu laufen und glaubte anschließend fest an den Wahrheitsgehalt ihres Gefühls. Der Parkplatz war an einer Stelle errichtet, an dem sich zu Zeiten Richards III. ein Franziskanerkloster befunden hatte, in dessen Kirche Richard III. später begraben worden sein soll. Langley bemühte sich entschlossen um Sponsoren für die Durchführung der von ihr fest geplanten Ausgrabungen und - fast ein Wunder – sie sollte Recht behalten.

Wissenschaftlicher Beweis erbracht 

Die Universität Leicester stellte sofort ein Forscherteam auf, um den Leichenfund zu untersuchen. Mittels der Radiocarbonmethode konnte das Alter des Skeletts auf den Zeitraum 1455-1540 festgelegt werden. Als Beweis reichte das aber noch nicht aus. In London konnte mit Hilfe des britischen Historikers John Ashdown Hill ein kanadischer Tischler aufgetrieben werden, dessen Mutter in der 16. Generation von einer Schwester Richards III. abstammte. Mithilfe eines DNA- Vergleichs konnte sodann hundertprozentig nachgewiesen werden, dass es sich bei den gefundenen Leichenteilen tatsächlich um die Königs Richards III. handelte.

Auch Könige haben ein Recht auf Würde

Er war der meist gehasste König der englischen Geschichte. Die Tudors beschuldigten ihn des Mordes an den Söhnen seines Bruders, Edward IV. „Entstellt und verwahrlost“ ließ Shakespeare ihn über sich selbst in seinem nach dem König benannten Drama sagen „Hunde bellen, hink ich wo vorbei“. Eine „giftige, bucklige Kröte“ nannte ihn Thomas Morus. Die englische Gesellschaft „Richard III.“ hält ihn für einen der verkanntesten Herrscher der Geschichte, dessen Regiment nur zwei Jahre währte. Fast alle Engländer sind jedoch der Auffassung, dass ihrem umstrittenen König eine würdige letzte Ruhestätte zuteil werden soll.

Erniedrigungsrituale am toten König

Richard III. war auf dem Höhepunkt der Rosenkriege im August 1485 bei der Schlacht von Bosworth ums Leben gekommen. Seine Leiche wurde nach seinem Tod geschändet, der schon damals verhasste König wurde nackt in einem Wirtshaus zur Schau gestellt.

Wie jetzt noch festgestellt wurde, war der König von dem sehr gefährlichen Spulwurm befallen, das sind 35 cm lange Würmer, die sich im Darm einnisten und durch den ganzen Körper wachsen. Die Leiche wies darüber hinaus eine große Anzahl von Verletzungen auf, alleine acht am Kopf, die dem König nur zum Teil in der Schlacht beigebracht worden waren. Zum Teil sind Dolchstöße nachweisbar, die als Erniedrigungsrituale an dem toten König verübt worden waren. Die Leiche wurde von seinen Landsleuten später im Fluss Soar entsorgt.
 Verwandte des Königs erhoben Anspruch auf die Leiche

Auch heute noch ist der umstrittene König für einen erbitterten Rechtsstreit vor dem britischen High Court gut. Die Stadt Leicester beanspruchte die gefundene Leichenteile für sich und wollte diese in der Kathedrale von Leicester beerdigen lassen. Diverse entfernte Verwandte des Königs, darunter ein Neffe der 16. Generation, behaupteten, der König habe bereits zu Lebzeiten eine Bestattung in Nordengland gewünscht. Die nordenglische Stadt York war der Bestattungsfavorit der Verwandtschaft.

Britannniens High Court hat entschieden

Praktisch in allen Ländern der Erde ist die postmortale Würde der Toten geschützt. In Deutschland schützt Art. 1 GG nicht nur die postmortale Würde des Verstorbenen sondern postuliert auch einen sittlichen Anspruch der Lebenden auf Einhaltung der Würde der Verstorbenen. Das Bestreben der Menschheit, ihre Toten zu ehren, ist so alt wie die Menschheit selbst. Das befand auch der Britische High Court und suchte nach historischen Beweisen für mögliche Bestattungswünsche Richards III.

Solche ließen sich aber trotz aller Bemühungen nicht finden. Demgemäß verfügte der High Court Ende Mai diesen Jahres, dass die Bestattung an dem Ort durchzuführen sei, an dem die Leiche aufgefunden wurde. Die Kathedrale von Leicester wird nun für 1,5 Millionen englische Pfund dem verstorbenen König eine würdevolle letzte Ruhestätte errichten. Schön, wenn mal nicht darum gestritten wird, wer Beerdigungskosten übernimmt, sondern umgekehrt.

Schlagworte zum Thema:  Jurisprudenz, Justiz, Juristen, Urteil, Richter

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