11.05.2011 | Kanzleitipps

Firmenwagen: So wehren Sie sich gegen zu akribische Finanzbeamte

Der Firmenwagen ist der Zankapfel schlechthin zwischen Unternehmer bzw. Freiberuflern und dem Betriebsprüfer. Hier einige Tipps im Kampf gegen allzu strenge Finanzbeamte.

Wenn es um den Firmenwagen geht, sind Unternehmer und Finanzbeamte selten einer Meinung. Die häufigsten Streitpunkte: Betriebsausgabenabzug und Privatnutzung. Wie Sie steuerlich günstiger fahren, lesen Sie hier.

  • Geldwerter Vorteil: Wird kein Fahrtenbuch geführt, bestand das Finanzamt bisher darauf, dass der geldwerte Vorteil mit 0,03 Prozent des Listenpreises, den Entfernungskilometern zwischen Wohnung und Arbeitstätte und mit zwölf Monaten multipliziert werden müsse. Die tatsächlichen Fahrten interessierten nicht. Das hat sich geändert. Das Finanzamt akzeptiert inzwischen, dass der geldwerte Vorteil mit 0,02 Prozent des Listenpreises, den Entfernungskilometern und den tatsächlichen Fahrtagen multipliziert wird. Außerdem muss der geldwerte Vorteil für höchstens 180 Fahrten im Jahr versteuert werden. (Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 1.4.2011, Az. IV C5 - S 2334/08/10010).
  • Privatnutzung widerlegen: Selbstständige, die vorgeben, ihre betrieblichen Fahrzeuge nicht privat zu nutzen, müssen dem Finanzamt Beweise liefern. Erste Wahl wäre natürlich ein Fahrtenbuch. Doch das dürfte in der Praxis selten geführt werden; muss es auch nicht, wie die Richter des Finanzgerichts Hessen entschieden haben (Urteil vom 10.2.2011, z. K 1679/10). Es genügen einfache Aufzeichnungen und plausible Erläuterungen.
  • Vorsteuerabzug: Selbstständige, die ihren betrieblichen Firmenwagen bei einem Privatmann ohne Vorsteuerabzug gekauft haben, sollten folgende Besonderheit kennen: Verkaufen sie den Pkw, muss in der Rechnung Umsatzsteuer ausgewiesen werden. Wird der Pkw dagegen ins Privatvermögen entnommen, wird keine Umsatzsteuer fällig. (FG Baden-Württember, Urteil von 16.2.2011, Az. 1 K 4834/08)
  • Fahrtenbuch: Entdeckt der Prüfer nur kleinere Fehler im Fahrtenbuch, darf er deshalb nicht das ganze Fahrtenbuch als unwirksam abstempeln (BFH, Urteil vom 10.4.2008, Az. VI R 38/06)
  • Betriebs- oder Privatvermögen? Selbstständige können einen Pkw ihrem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zuordnen, den Pkw jedoch ertragsteuerlich im Privatvermögen belassen. Die Vorteile: Das Finanzamt gewährt den vollen Vorsteuerabzug aus dem Kaufpreis, vorausgesetzt der Selbstständige ist zum Vorsteuerabzug berechtigt. Es muss kein Privatanteil versteuert werden. Für betriebliche Fahrten können Betriebsausgaben abgezogen werden. Beim Verkauf des Pkw sind Gewinne nicht zu versteuern. Einziger Wermutstropfen: Wenn das Finanzamt die Vorsteuer aus dem Kaufpreis erstattet, wird für die Privatnutzung Umsatzsteuer fällig.

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