06.07.2014 | Serie Colours of law

Findiger Rechtsanwalt? Allzu schlau ist ungesund

Serienelemente
Zigarren geraucht - Versicherungsfall oder Brandstiftung?
Bild: Haufe Online Redaktion

Anwälte müssen manchmal auch pokern und tricksen können. Das wirft man ihnen oft vor, doch es gehört quasi zum Berufsbild. Doch wenn ein Jurist auf besonders kreative Weise rechtliche Winkelzüge einleitet, kann der Schuss auch mal nach hinten losgehen. Besonders bunt kann sich ein solcher Schlauberger-Fall in dem dafür anfälligen Rechtssystem der USA entwickeln.

Die amerikanische Justiz ist berühmt-berüchtigt für üppigste Entschädigungen, die bei Klagen wegen zu heißem Kaffee, Katzen in Mikrowellen und ähnlichem Ungemach zugesprochen werden. Doch solche aus unserer Sicht oft grotesken Klagen sind nicht ungefährlich.

Starker Tobak

In dem Städtchen Charlotte im US-Staat North Carolina kaufte ein Anwalt eine Spezialkiste mit besonders ausgefallenen, extrem teuren Zigarren. Der Kauf diente der Verwirklichung eines nach seinem Dafürhalten äußerst raffinierten Plans.

Zigarren gegen Feuer versichert

Nachdem er die Zigarren erstanden hatte, versicherte er die Kiste gegen Feuerschäden mit einer Versicherungssumme in Höhe von 15.000 EUR. Der Anwalt war im Zweitberuf Genussmensch. Bevor er überhaupt eine der vereinbarten Versicherungsprämien bezahlt hatte, begann er damit, Zigarre für Zigarre genussvoll aufzurauchen.

Ersatzansprüche gegen die Versicherung

Nachdem er alle 24 Zigarren ihrer ungesunden Bestimmung zugeführt hatte und die Kiste leer war, verfasste er eine Schadensmeldung an die Versicherung. Darin führte er aus, dass das versicherte Gut durch eine „Serie kleiner Feuerschäden“ vernichtet worden sei.

Versicherung will nicht zahlen

Die Versicherung erkannte erwartungsgemäß den gemeldeten Schaden nicht an. Nach ihrer Auffassung war ein Schadensfall überhaupt nicht eingetreten. Vielmehr seien die Zigarren ihrem bestimmungsmäßigen Gebrauch zugeführt worden. Dies sei kein Versicherungsfall.

Unverschämte Klage

Damit gab sich der Anwalt nicht zufrieden. Er ging gerichtlich gegen die Versicherung vor. Der Richter fand die Klage aus menschlicher Sicht zwar unverschämt, nach sorgfältiger juristischer Prüfung kam er jedoch zu dem Ergebnis, dass nach der vereinbarten Versicherungspolice die Zigarren gegen jede Art von Feuerschäden versichert waren. Eine Ausnahme sahen die Versicherungsbedingungen nicht vor, auch nicht für den Fall des bestimmungsgemäßen Verbrauchs.

Das Gericht verdonnerte die Versicherung daher zur Zahlung von 15.000 EUR Schadensersatz. Die Versicherung zahlte widerwillig.

Versicherung sann auf Rache

Tatsächlich war die Geschichte damit aber nicht zu Ende, denn der Versicherung fiel ein fürchterlicher Racheplan ein. Es folgte ein Schachzug, mit dem der Advokat wohl nicht gerechnet hatte: Die Versicherung erstattete Anzeige gegen den Anwalt wegen vorsätzlicher Brandstiftung in 24 Fällen.

Das Strafgericht in North Carolina eröffnete daraufhin das Strafverfahren und erkannte auf rechtswidrige Inbrandsetzung versicherten Eigentums. Das Gericht verurteilte den Anwalt zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten ohne Bewährung und verhängte gegen ihn zusätzlich eine Geldstrafe in Höhe von 24.000 EUR. Wenn das kein Minusgeschäft war!

Fazit: Winkelzüge von Advokaten, die nicht zu Ende gedacht sind, sind brandgefährlich.

Schlagworte zum Thema:  Versicherung, Jurisprudenz, Justiz, Juristen, Urteil, Richter

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