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Entfernungspauschale für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit: wissenswert

Pendeln Sie täglich, dürfen Sie grundsätzlich 30 Cent je Entfernungskilometer (einfache Strecke) als Werbungskosten geltend machen. Doch wie viele Tage und Fahrten pro Tag erkennt das Finanzamt an, wie setzen Sie es durch, dass das Finanzamt die Entfernungspauschale für eine längere Strecke anerkennt und welche steuerlichen Privilegien haben Sie bei einer Behinderung?

1. Wie viele Tage erkennt das Finanzamt eigentlich bei der Entfernungspauschale an?

Das Finanzamt hat hier eine Nichtbeanstandungsgrenze festgelegt, je nachdem, ob Sie eine 5- oder 6-Tage-Woche haben, werden pro Jahr folgende Fahrtage akzeptiert:

5-Tage-Woche 230 Tage
6-Tage-Woche 280 Tage

Hier ist jedoch zu beachten, dass diese Anzahl an Fahrten bei maximal 30 Tagen Urlaub bei Vollbeschäftigung und kaum Krankheitstagen akzeptiert wird. Waren Sie längere Zeit krank, arbeitslos oder beantragten Sie längere Zeit unbezahlten Urlaub, darf nur für die tatsächlich durchgeführten und nachgewiesenen Fahrten die Entfernungspauschale als Werbungskosten abgezogen werden.

2. Darf für eine Umwegstrecke die Entfernungspauschale geltend gemacht werden?

Ja, das ist möglich. Grundsätzlich darf die Entfernungspauschale nur für die kürzeste Strecke abgezogen werden. Können Sie das Finanzamt jedoch davon überzeugen, dass eine längere Strecke offensichtlich verkehrsgünstiger war, gibt es für diese Umwegstrecke einen Werbungskostenabzug.

In einem neueren Urteil wurde zu längeren Strecken bezüglich der Entfernungspauschale Folgendes festgelegt:

  • Die längere Strecke muss tatsächlich gefahren worden sein.
  • Ob die Umwegstrecke tatsächlich verkehrsgünstiger ist, wird nach folgender Formel bestimmt:

Kürzeste Streckenverbindung (in Minuten)

___________________________________________________           x  100

Längere (verkehrsgünstigere) Streckenverbindung (in Minuten)

Beträgt das Ergebnis mindestens 10%, ist die Umwegstrecke offensichtlich verkehrsgünstiger und das Finanzamt muss diese Strecke bei Ermittlung der Entfernungspauschale zulassen (BFH, Az. VI R 19/11 und VI R 46/10).

3. Werden mehrere Fahrten pro Tag steuerlich anerkannt?

Nein. Fahren Sie nach Mittags nach Hause und anschließend wieder in die Arbeit oder arbeiten Sie in einem Schichtbetrieb und müssen deshalb an einem Tag zweimal in der Arbeit antreten, ist das aus steuerlicher Sicht betrachtet Pech. Denn beim Werbungskostenabzug in Form der Entfernungspauschale wird stets nur eine Fahrt pro Tag akzeptiert.

Tipp: Müssen Sie mehrmals am Tag zur Arbeit fahren, sollten Sie bei Ihrem Chef wegen der fehlenden steuerlichen Absetzbarkeit der zweiten Fahrt einen Fahrtkostenzuschuss beantragen. Das fängt Ihre Fahrtkosten wenigstens ein wenig ab.

4. Welche steuerlichen Vorteile können bei Behinderung ausgeschöpft werden?

Steuerzahler mit einer entsprechenden Behinderung können für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit beantragen, dass anstatt der Entfernungspauschale die tatsächlichen Aufwendungen als Werbungskosten berücksichtigt werden.

In der Praxis stellt sich häufig die Frage, ob die Wegekosten einheitlich zu behandeln sind oder ob Behinderte je nach Fahrtstrecke zwischen Entfernungspauschale und tatsächlichen Kosten wählen können? Die Antwort kam vom von den Richtern des Bundesfinanzhofs. Sie urteilten, dass Behinderten mit einem entsprechenden Grad der Behinderung zwar ein Wahlrecht zustehe, ob sie für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit 30 Cent je gefahrenen Kilometer abrechnen oder die tatsächlichen Kosten auflisten. Doch ist einmal eine Entscheidung getroffen, ist diese Methode zur Ermittlung der Werbungskosten einheitlich pro Jahr auszuüben. Eine Kombination der beiden Abzugsmöglichkeiten ist durch das Gesetz nicht vorgesehen (BFH, Beschluss v. 5.5.2009, Az. VI R 77/06).

Hinweis: Die Möglichkeit, höhere Werbungskosten für die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb zu beantragen, haben behinderte Menschen,

  • deren Grad der Behinderung mindestens 70 beträgt,
  • der Grad der Behinderung  weniger als 70, aber mindestens 50 beträgt und die in ihrer Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr erheblich beeinträchtigt sind.

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