Wer täglich zur Arbeit pendelt sollte sich mit den Details zur Entfernungspauschale auskennen. Bild: Haufe Online Redaktion

Sogenannte Pendler dürfen für jeden Entfernungskilometer zwischen Wohnung und Arbeit pauschal 30 Cent als Werbungskosten bei der Einkommensteuererklärung geltend machen. Hört sich einfach an, aber wie üblich stecken die Probleme im Detail.  

Fahrten von der Wohnung bis zur Arbeitsstätte kann man grundsätzlich mit 30 Cent je Entfernungskilometer (einfache Strecke) als Werbungskosten beim Finanzamt geltend machen. 

Wie viele Tage erkennt das Finanzamt bei der Entfernungspauschale an?

Das Finanzamt hat hier eine Nichtbeanstandungsgrenze festgelegt, je nachdem, ob Sie eine 5- oder 6-Tage-Woche haben, werden pro Jahr folgende Fahrtage akzeptiert:

  • 5-Tage-Woche
230 Tage
  • 6-Tage-Woche
280 Tage

Hier ist jedoch zu beachten, dass diese Anzahl an Fahrten bei maximal 30 Tagen Urlaub bei Vollbeschäftigung und kaum Krankheitstagen akzeptiert wird. Waren Sie längere Zeit krank, arbeitslos oder beantragten Sie längere Zeit unbezahlten Urlaub, darf nur für die tatsächlich durchgeführten und nachgewiesenen Fahrten die Entfernungspauschale als Werbungskosten abgezogen werden.

Welche Strecke gilt als Berechnungsgrundlage für die Entfernungspauschale

Grundsätzlich gilt die kürzeste Wegstrecke zum Arbeitsplatz. Ausnahme: Wenn die längere Strecke spürbar verkehrsgünstiger ist, darf auch diese in Ansatz gebracht werden. Erforderlich ist es in diesem Fall, gegenüber dem Finanzamt plausibel darzulegen, dass die verkehrsgünstige Strecke mindestens 10% weniger Zeit erfordert.

Wird der Arbeitsweg mit der S-Bahn zurückgelegt und ist die S-Bahn Strecke länger als die kürzeste Straßenverbindung, dann ist für die Entfernungspauschale die kürzere Straßenverbindung, nicht längere S-Bahn-Strecke zur Grunde zulegen (FG Baden-Württemberg, Urteil v. 30.3.2009,  4 K 5374/08).

Darf zwischen Wohnung und Arbeitsstrecke ein Umweg gemacht werden?

Ja, es ist möglich für eine Umwegstrecke die Entfernungspauschale geltend zu machen. Grundsätzlich darf die Entfernungspauschale nur für die kürzeste Strecke abgezogen werden. Können Sie das Finanzamt jedoch davon überzeugen, dass eine längere Strecke offensichtlich verkehrsgünstiger war, gibt es für diese Umwegstrecke einen Werbungskostenabzug.

In einem neueren Urteil wurde zu längeren Strecken bezüglich der Entfernungspauschale Folgendes festgelegt:

  • Die längere Strecke muss tatsächlich gefahren worden sein.
  • Ob die Umwegstrecke tatsächlich verkehrsgünstiger ist, wird nach folgender Formel bestimmt:

Kürzeste Streckenverbindung (in Minuten)

___________________________________________________           x  100

Längere (verkehrsgünstigere) Streckenverbindung (in Minuten)

Beträgt das Ergebnis mindestens 10%, ist die Umwegstrecke offensichtlich verkehrsgünstiger und das Finanzamt muss diese Strecke bei Ermittlung der Entfernungspauschale zulassen (BFH, Az. VI R 19/11 und VI R 46/10).

Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsstätte mehrmals täglich 

Mehrere Fahrten pro Tag werden steuerlich nicht anerkannt. Fahren Sie mittags nach Hause und anschließend wieder in die Arbeit oder arbeiten Sie in einem Schichtbetrieb und müssen deshalb an einem Tag zweimal in der Arbeit antreten, ist das aus steuerlicher Sicht betrachtet Pech. Denn beim Werbungskostenabzug in Form der Entfernungspauschale wird stets nur eine Fahrt pro Tag akzeptiert.

Tipp: Müssen Sie mehrmals am Tag zur Arbeit fahren, sollten Sie bei Ihrem Chef wegen der fehlenden steuerlichen Absetzbarkeit der zweiten Fahrt einen Fahrtkostenzuschuss beantragen. Das fängt Ihre Fahrtkosten wenigstens ein wenig ab.

Für welche Art der Fortbewegung gibt es die Entfernungspauschale?

Die Entfernungspauschale können Pendler unabhängig vom benutzten Verkehrsmittel in Anspruch nehmen.

  • Auch wer den Weg zur Arbeit zu Fuß zurückgelegt, hat Anspruch auf Berücksichtigung der Entfernungskostenpauschale.
  • Das gleiche gilt für diejenigen, die mit dem Motorrad, dem Fahrrad oder unter Nutzung einer Fahrgemeinschaft zum Arbeitsplatz fahren.
  • Auch bei Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gilt die Pauschale. 

Wichtig: In allen diesen Fällen können pauschal maximal 4.500 Euro ohne besonderen Nachweis angesetzt werden (Deckelung).

  • Die Deckelung gilt nicht, wenn bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder des eigenen PKW höhere Kosten belegt werden können.
  • Pendler, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren, dürfen auch pro zurück gelegtem km höhere Kosten als 30 Cent absetzen, wenn sie diese Kosten nachweisen können, nicht dagegen Autofahrer. Die Privilegierung öffentlicher Verkehrsmittel ist laut BFH verfassungsrechtlich unbedenklich (BFH, Urteile v. 15.11.2016, VI R 4/15 und VI R 48/15).
  • Bis 2012 überprüfen die Finanzämter tageweise, ob die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel die Pauschale übersteigen. Neuerdings wird nur noch jahresbezogen ermittelt, ob die Fahrtkosten tatsächlich höher sind als die Entfernungspauschale (FG Münster, Urteil v. 1.4.2014, 11 K 2574/12 E).

Besonderheiten bei doppelter Haushaltsführung

Die Entfernungspauschale für eine wöchentliche Familienheimfahrt im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung kann aufwandsunabhängig in Anspruch genommen werden. Auch hier gilt die Deckelung nicht. Steuerfreie Reisekostenvergütungen für Heimfahrten seitens des Arbeitgebers sind jedoch in Abzug zu bringen (BFH, Urteil v.18.4.2013, VI R 29/12). Darf der Arbeitnehmer für Familienheimfahrten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung unentgeltlich einen Dienst- oder Firmenwagen des Arbeitgebers nutzen, ist ein Werbungskostenabzug nicht möglich (BFH, Urteil v. 28.2.2013, VI R 33/11).

Was gilt bei mehrere Wohnungen für die Entfernungspauschale?

Wer mehrere Wohnungen hat, kann Fahrten von der weiter entfernt liegenden Wohnung nur dann für die Entfernungspauschale zugrunde legen, denn diese Wohnung den Lebensmittelpunkt bildet und nicht nur gelegentlich aufgesucht wird. Umstritten ist insoweit das ehemalige Kinderzimmer bei den Eltern. Seit 2014 gilt, dass eine Wohnung nur dann als Lebensmittelpunkt gelten kann, wenn der Betroffene sich mit mindestens 10 % an den dortigen Lebenshaltungskosten beteiligt.

Was gilt bei einem Verkehrsunfall?

Wer auf der Fahrt zur Arbeit oder auf dem Rückweg einen Unfall hat, kann Folgekosten als außergewöhnliche Aufwendungen ebenfalls von der Steuer absetzen. Dies gilt allerdings nur für solche Aufwendungen, die der Arbeitgeber, der Unfallgegner oder die eigene Versicherung nicht ersetzt, zum Beispiel bei der Kfz-Kaskoversicherung die Selbstbeteiligung. Dies jedenfalls ist gängige Praxis der Finanzämter. Nach einem Urteil des FG Rheinland-Pfalz sind allerdings mit der Entfernungspauschale alle Kosten abgegolten, auch die durch ein Unfallereignis (FG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 23.2.2016, 1 K 2078/15).

Steuerliche Vorteile bei Behinderung

Behinderte Menschen können für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte statt der Entfernungspauschale grundsätzlich ihrer tatsächlichen Kosten ansetzen, bei Nutzung eines eigenen Fahrzeugs oder eines Dienst- und Firmenwagens ohne Einzelnachweis pauschal mit 0,30 Euro pro gefahrenen Kilometer, das ist doppelt so viel wie bei nicht behinderten Arbeitnehmern. Voraussetzung ist allerdings dass entweder

  • der Grad der Behinderung mindestens 70 % beträgt
  • oder der Grad der Behinderung mindestens 50 % beträgt und die Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr erheblich beeinträchtigt ist

Die Entscheidung, ob der Behinderte die Entfernungspauschale oder die tatsächlichen Kosten abgerechnet, kann jedoch nur für das gesamte Jahr einheitlich getroffen werden (BFH, Beschluss v. 5.5.2009, VI R 77/06).

Entfernungspauschale und Park & Ride

Park & Ride wird als Mischfall gewertet, d.h. als eine Verbindung von privatem PKW sowie Bus und Bahn. Auch hier ist die kürzeste Straßenverbindung maßgeblich für die Berechnung der Entfernung. Darüber hinaus ist anzugeben, welcher Streckenabschnitt d.h. wie viele Kilometer mit welchem Verkehrsmittel zurückgelegt werden. Auch hier kann insgesamt ein höherer Betrag als 4.500 Euro angesetzt werden.

Entfernungspauschale und Fahrgemeinschaften

Für Fahrgemeinschaften gilt die Entfernungspauschale ohne Änderung. Wer allerdings einen Umweg macht, um Mitfahrer abzuholen, darf den Umweg nicht in die Entfernungsermittlung einbeziehen.

Wichtig: Die Entfernungspauschale von 4.500 Euro gilt bei wechselseitigen Fahrgemeinschaft für die Mitfahrer der Fahrgemeinschaft auch an den Arbeitstagen, an denen sie ihr eigenes Fahrzeug nicht einsetzen.

Entfernungspauschale und Fahrten zu anderen Arbeitsorten

Fahrten zu anderen Arbeitsorten können als Dienstreise abgerechnet werden, d.h. es können Hin- und Rückfahrt angesetzt werden.

Entfernungspauschale bei Flugreisen und Sammelbeförderungen

Flugreisen Sammelbeförderungen können nur nach den tatsächlich entstandenen Kosten abgerechnet werden.

Entfernungspauschale bei Behinderung: Höhere Werbungskosten?

Steuerzahler mit einer entsprechenden Behinderung können für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit beantragen, dass anstatt der Entfernungspauschale die tatsächlichen Aufwendungen als Werbungskosten berücksichtigt werden.

In der Praxis stellt sich häufig die Frage, ob die Wegekosten einheitlich zu behandeln sind oder ob Behinderte je nach Fahrtstrecke zwischen Entfernungspauschale und tatsächlichen Kosten wählen können? 

Entfernungspauschale versus tatsächliche Kosten

Die Antwort kam vom von den Richtern des Bundesfinanzhofs. Sie urteilten, dass Behinderten mit einem entsprechenden Grad der Behinderung zwar ein Wahlrecht zustehe, ob sie für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit 30 Cent je gefahrenen Kilometer abrechnen oder die tatsächlichen Kosten auflisten. Doch ist einmal eine Entscheidung getroffen, ist diese Methode zur Ermittlung der Werbungskosten einheitlich pro Jahr auszuüben. Eine Kombination der beiden Abzugsmöglichkeiten ist durch das Gesetz nicht vorgesehen (BFH, Beschluss v. 5.5.2009, VI R 77/06).

Hinweis: Die Möglichkeit, höhere Werbungskosten für die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb zu beantragen, haben behinderte Menschen,

  • deren Grad der Behinderung mindestens 70 beträgt,
  • der Grad der Behinderung  weniger als 70, aber mindestens 50 beträgt und die in ihrer Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr erheblich beeinträchtigt sind.

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Hintergrund: 

Der Weg zur Arbeit wird steuerlich gefördert. Für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte kann man pro Fahrt pauschal 30 Cent als Fahrtkosten in der Steuererklärung geltend machen. Die sogenannte Entfernungspauschale ist verkehrsmittelunabhängig.

Schlagworte zum Thema:  Entfernungspauschale, Rechtsanwalt, Kanzleimanagement, Kanzlei, Arbeitsstätte

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