07.06.2013 | Anwaltsmarkt 2030 – Zukunft jetzt gestalten

Deutscher Anwaltstag in Düsseldorf

Bild: Haufe Online Redaktion

„Anwaltsmarkt 2030 – Zukunft jetzt gestalten“ ist das Motto des noch bis zum 07.06.2013 dauernden 64. Deutschen Anwaltstages. Ein mutiges Motto, denn der Ausblick auf die Entwicklung der nächsten 17 Jahre ist so leicht nicht. 

Das gewählte Motto lässt es schon ahnen: Im Mittelpunkt des Anwaltstages steht der anwaltliche Nachwuchs und dessen Zukunftsaussichten. Dem entsprechend sind die Themenschwerpunkte gewählt, die sich u.a. mit den aktuellen Chancen des jungen Anwalts, den Techniken der Mandatsakquise, der Mandantenbindung und auch der Zukunft der anwaltlichen Allgemeinpraxis befassen. Laut einer Studie sind die Aussichten eher durchwachsen.

DAV-Redewettstreit

Den obligatorischen Redewettstreit trugen die jungen Anwälte am Mittwoch aus. Hierbei sollten sie Reden halten über die Themen

•           Ist die Anwaltsrobe noch zeitgemäß?

•           Anwaltschaft im Jahre 2030 – eine Vision

•           Junge Anwälte für alte Mandanten

oder über ein sonstiges frei gewähltes eigenes Thema. 

Letztes Jahr hatte der Gewinner in Reimform das Rennen gemacht. In diesem Jahr stand ganz oben auf dem Rednertreppchen Dr. Andreas Pagiela aus der Berliner Kanzlei Bunzel Ross und Kollegen.

Umfangreiche Informationen zu neuen Rechtsentwicklungen

Hier stehen im Vordergrund die Änderungen im RVG, im Mietrecht, im Familien -und Erbrecht, im Verkehrsrecht sowie im Zivilprozessrecht. Am 06.06. stand Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger für eine Podiumsdiskussion zu den neuen Entwicklungen im Familienrecht zur Verfügung.

Die Justizministerin begrüßte ausdrücklich die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom gleichen Tag zur steuerrechtlichen Gleichstellung homosexueller Paare beim Ehegattensplitting. Anschließend sprach sie zu den noch verbleibenden Gesetzesvorhaben in der laufenden Legislaturperiode. Sie gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass das vom Bundestag beschlossene Kostenmodernisierungsgesetz die Hürde Bundesrat (Verhandlung am 07.06.2013) noch schafft. Im übrigen betonte Leutheusser Schnarrenberger, dass auf dem Gebiet der Terrorismusbekämpfung und des damit eng zusammenhängenden Datenschutzes die Regierung die Freiheitsrechte der Bürger nur in sehr maßvollem Umfange beschnitten habe und nur da, wo dies zum Schutze der Bürger vor organisierter Kriminalität unabdingbar gewesen sei.

Sie verwies darauf, dass Gesetze nicht jeden Lebensbereich bis ins Kleinste regeln sollten, sondern auch der Rechtsprechung Raum für Rechtsfortbildung gelassen werden müsse. Nur so sei Gerechtigkeit im Einzelfall zu erreichen.

Zukunftsgestaltung durch intelligentes Insolvenzrecht

Ein Schwerpunktthema war die Zukunftsgestaltung für Unternehmen durch eine unternehmenserhaltende Umsetzung des Insolvenzrechts. Hierzu wurde ein eigener Workshop eingerichtet mit dem Thema: Zukunft jetzt gestalten – Gesellschaft und Sanierung.

Neben diversen Fachanwälten war hierzu der Fraktionsvorsitzende der FDP im Landtag von NRW, Christian Lindner, eingeladen. In der Veranstaltung ging es im wesentlichen darum, die Insolvenz weg von der Zerschlagungsstrategie hin zu einer zukunftsorientierten Erhaltungsstrategie zu führen, wie sie auch durch die bereits umgesetzte Reform des Insolvenzrechts angestrebt wird. In der Praxis wird von den gebotenen Möglichkeiten durch Insolvenzpläne und eigenverwaltende Maßnahmen immer noch zu wenig Gebrauch gemacht. Dies liegt zum Teil auch an der restriktiven Kreditpolitik der Banken, die von einigen Teilnehmern kritisiert wurde.

Frauen als Opfer und Akteurinnen

Ein wichtiger Themenbereich galt dem weiblichen Teil der Menschheit und der Anwaltschaft. So beschäftigte sich ein Forum mit den „Frauen als Opfer und Akteurinnen von Völkerrechtstribunalen“. 

Hierzu waren internationale Referentinnen geladen wie Shireen Avis Fischer, Präsidentin des „Special Court for Sierra Leone“. Eine Podiumsdiskussion am 6. Juni beschäftigte sich mit der Veränderung der Anwaltschaft durch weibliche Anwältinnen und provozierte bzw. animierte mit dem als Feststellung formulierten Thema: Die Zukunft ist weiblich.

Breites Spektrum

Trotz der mit Blick auf die speziell junge Anwaltschaft gesetzten Schwerpunktthemen ist die Themenbreite insgesamt so gewählt, dass nahezu sämtliche Rechtsgebiete zumindest gestreift werden. So kommen auch internationale und europarechtliche Problemstellungen angefangen bei den neueren Tendenzen der internationalen Entwicklung des Gesellschaftsrechts bis hin zur notwendigen Verbesserung des Schutzes der Menschenrechte nicht zu kurz. 

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