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Mann wollte Apfelkönigin werden - ohne Erfolg. Daraufhin klagt er. Bild: Fotolia LLC.

Ein 42jähriger Brandenburger – männlich - will unbedingt Apfelkönigin werden. Nun hat er vergeblich versucht, mit Hilfe einer gerichtlichen Klage die amtierende Apfelkönigin zu entmachten.  

Ein ungewöhnliche Gerichtsposse, über die das AG Cottbus zu entscheiden hatte. Seit über 20 Jahren wird im brandenburgischen Guben jährlich die Apfelkönigin gewählt - immer war es eine weibliche Königin. Seit einiger Zeit hat ein Gubener Trödelhändler sich in den Kopf gesetzt, unbedingt die Königinnenkrone auf seinem Kopf zu spüren und sich im Jahr 2016 um den Titel der Apfelkönigin – sprich: des Apfelkönigs – beworben. Zu seinem Leidwesen war seiner Bewerbung kein Erfolg beschieden.

Verschmähter König wittert Wahlbetrug

Hinter seinem Misserfolg witterte der Gubener Betrug. Auf dem Apfelfest am 19. September 2016 hatte das Publikum wieder eine weibliche Königin gewählt. Der Trödelhändler landete weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Das konnte nach seinen Vermutungen nur auf Wahlbetrug beruhen

Gericht soll Apfelkönigin vom Thron stürzen

Vor Gericht focht der verschmähte Bewerber die Rechtmäßigkeit der Wahl der amtierenden Apfelkönigin an. Die Amtszeit endete zwar bereits im September 2017, dem verhinderten Apfelkönig geht es jedoch grundsätzlich um Gerechtigkeit, wie er selbst vor Gericht äußerte. Aber nicht nur der Kampf um Gerechtigkeit steht auf seiner Agenda. Der verhinderte Apfelkönig sieht sich durch die Nichtwahl auch geschädigt und verlangt vom örtlichen Tourismusverein eine Entschädigung in Höhe von 5.000 Euro wegen Wahlmanipulation.

Eine goldene Krone wäre so schön gewesen

Den Anspruch auf Schadenersatz stützte der Gubener auf eine Reihe von materiellen Vorteilen, die ihm durch die angebliche Wahlmanipulation entgangen seien wie zahlreiche Messenbesuche in Deutschland, eine schmückende weiße Schärpe sowie eine goldene Krone.

Krude Begründung

Die Wahl der amtierenden Königin war nach Meinung ihres Kontrahenten auch deshalb unrechtmäßig, weil sie keinen Führerschein hatte, mithin ihre Teilnahme an der Wahl von vornherein unzulässig gewesen sei. Der Tourismusverein Guben wies darauf hin, dass der Besitz eines Führerscheins nach den Statuten keine Bedingung der Wahl zur Apfelkönigin ist.

Zweifelhafter Ruhm für die Stadt

Zur Verhandlung vor dem AG Cottbus ist die halbe Stadt Guben erschienen, selbst der Bürgermeister, Fred Mahro. Er findet es nach eigenem Bekunden unerträglich, dass die Justiz mit einer solchen Posse beschäftigt wird und befürchtet, die Stadt werde nun von den ebenfalls sehr interessierten Medien ins Lächerliche gezogen und erleide einen nicht mehr wieder gut zu machenden Imageschaden.

Gericht weist Klage komplett ab

Er sei ein schlechter Verlierer war die Meinung vieler die Gubener zum verschmähten Apfelkönig. Er handele aus gekränktem Stolz. So ähnlich sah das wohl auch der Richter. Das AG sah keinen Anlass für die Annahme der vom Kläger behaupteten Wahlmanipulation und wies seine Klage auf Feststellung der Unrechtmäßigkeit der Wahl sowie auf 5.000 Euro Entschädigung in vollem Umfang ab

Traum von Königswürde ausgeträumt

Für die Wahl der neuen Apfelkönigin auf dem Apfelfest am 9. und 10. September 2017 hat sich der Tourismusverein eine besondere Teilnahmebedingung ausgedacht. Zur Wahl wurde nur zugelassen, wer in den letzten zwölf Monaten nicht gegen den Tourismusverein gerichtlich vorgegangen ist. Der verschmähte „König“ will Berufung gegen das amtsgerichtliche Urteil einlegen. Der bisherige Streit soll aber noch getoppt werden: Der Verschmähte hat angekündigt, in einem weiteren Prozess wegen der Nichtzulassung zur Wahl 2017 20.000 Euro Schadenersatz u.a. wegen Verletzung des Gleichbehandlungsgebots zu verlangen. Der Traum von der Königskrone dürfte für den verhinderten Apfelkönig aber erst einmal ausgeträumt sein.

 

Fazit: Der Fall ist ein Beispiel dafür, dass es auch jenseits des grassierenden Reichsbürgerirrsinns nichts gibt, was nicht einem Gericht zur Entscheidung vorgelegt werden könnte und sei der vermeintliche Anspruch auch noch so abstrus.

(AG Cottbus, Urteil v. 7.9.2017, 221 C 24/17)

Schlagworte zum Thema:  Wahl, Schadensersatz, Jurisprudenz, Justiz, Juristen, Urteil, Richter

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