28.06.2015 | Serie Colours of law

Spektakulärer Rosenkrieg auf YouTube

Serienelemente
Zur Hälfte verdient - Ehemann zersägt Bett, Smartphone usw.
Bild: Haufe Online Redaktion

Eine so bisher nie da gewesene spektakuläre Aktion des Deutschen Anwaltsvereins: Rosenkrieg bei YouTube, eine Direktübertragung der Teilung des ehelichen Vermögens per Kreissäge und Flex mit anschließender Versteigerung bei eBay .

Der Streit um die Kinder und um die Finanzen ist bei einer Scheidung oft nur der Vorwand für eine tiefer gelagerte Auseinandersetzung, bei der es um Enttäuschungen, um Wertschätzung, um Lebensentwürfe und nicht zuletzt auch um Macht geht. Juristen beobachten, dass es bei Scheidungsverfahren heute deutlich härter zugeht als noch vor 20 Jahren. Möglichst viele Vorteile beim Zugewinn und beim Unterhalt herauszuschinden, ist zum Volkssport in Scheidungsverfahren avanciert. Verzicht aus Anständigkeit wird gesellschaftlich eher als Schwäche gewertet, sagen Soziologen. Die Zahl der Scheidungen steigt weiter an. Im Gegensatz zu früher gilt dies inzwischen auch für Altehen. Die Zahl der Scheidungen bei Paaren, die mehr als 25 Jahre verheiratet sind, hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Das Vermögen und die Werte die zu verteilen sind, sind hier besonders hoch.

Eheverträge sind sinnvoll

Juristen raten daher auch jungen Paaren, bei denen noch kein Vermögen vorhanden ist, dringend zum Abschluss von Eheverträgen. Niemand wisse, wie sich das Leben und die Einstellung der Partner in einer längeren Ehe entwickelt. Besonders Selbständigen wird dringend zum Abschluss eines Ehevertrages geraten, um im Scheidungsfall nicht die Hälfte eines Betriebes im Rahmen des Zugewinnausgleichs abgeben zu müssen. Auch die Kindessorge kann vorab in einem Ehevertrag geregelt werden.

Im Wortsinne alles geteilt

Der Deutsche Anwaltsverein hat nun zu einem besonders drastischen Mittel gegriffen, um die Vorteile eines Ehevertrages einem größeren Publikum näher zu bringen. Auf der Internetplattform YouTube veröffentlichte der DAV ein Real-Video unter dem Titel: „Danke für zwölf schöne Jahre Laura - Du hast Dir die Hälfte verdient“. Damit beginnt ein Video, in dem der Ehemann zu einer Säge greift und damit Teddybär und Smartphone exakt in der Mitte durchsägt, anschließend zerteilt er das Bett und schließlich mit einer Flex auch noch das gemeinsame Auto, so dass ein halber VW-Golf übrig bleibt. Das Video endet mit den Worten des Ehemannes: „Schönen Gruß an meine Nachfolger!“

Resonanz auf dem ganzen Globus

Die so geschaffenen Hälften wurden unter der Plattform eBay bis zum 25.6.2015 zur Versteigerung angeboten. Das YouTube-Video hat eine rekordverdächtige Welle von Klicks der User ausgelöst. FOX-News  berichteten in den USA, in China und Australien. In Chile wurde darauf eine eigene Fernsehsendung zum Thema „Vertragliche Vorsorge bei Scheidungen“ ins Leben gerufen. Weltweit wurde die vom DAV initiierte Vorstellung bei YouTube als Warnung davor verstanden, eine Ehe ohne entsprechende vertragliche Gestaltung möglicher Scheidungsfolgen einzugehen. Der Ehemann aus dem Video erhielt jede Menge Mitleidsbekundungen.

Versteigerung für einen guten Zweck

Der DAV war ob dieser Resonanz überrascht. Der Sprecher der Deutschen Anwaltsauskunft Swen Walentowski wies darauf hin, die Aktion habe den Sinn gehabt, die Bevölkerung auf die Problematik einer Scheidung hinzuweisen, wenn zuvor die vermögensrechtlichen Verhältnisse nicht in einer den individuellen Lebensverhältnissen der Eheleute angepassten Weise vertraglich geregelt worden seien. Außerdem wies er darauf hin, dass die Einnahmen aus der eBay-Versteigerung einem wohltätigen Zweck zugeführt werden würden. Die Community können darüber abstimmen, ob die Gelder einem Frauenhaus in Berlin, dem SOS-Kinderdorf in Berlin oder den Berliner Familienfreunden zukommen sollen.

Alles frei erfunden

Der Clou an der Geschichte: Der Aktion des DAV lag kein konkreter Fall zu Grunde, sondern war frei erfunden. Den verfolgten Zweck dürfte der DAV dennoch mit seiner Aktion erreicht haben. Zumindest die Community wurde deutlich wachgerüttelt. Kommentare zeigen, dass das Problembewusstsein der User, was die Notwendigkeit des Abschlusses von Eheverträgen angeht, deutlich geschärft wurde. Bleibt zu hoffen, dass die Botschaft auch bei Nicht-YouTube-Nutzern ankommt.

Fazit: Eine für „trockene“ Juristen enorm gestaltungsstarke Aktion, die zeigt, dass eine kreative Nutzung der elektronischen Medien auch bei juristischen Themen eine interessante Alternative ist, das Problembewusstsein eines breiteren Publikums für juristische Fragen zu schärfen.

Schlagworte zum Thema:  Deutscher Anwaltverein, Scheidung, Ehevertrag, Jurisprudenz, Justiz, Juristen, Urteil, Richter

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