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Justitia hat zwei Bridge-Spielern die Rückkehr an den Kartentisch ermöglicht Bild: Haufe Online Redaktion

Skandal beim Bridge: Einmal Hüsteln, zweimal Hüsteln, dreimal ... Mit einem Husten-Code sollen zwei  deutsche Ärzte, "the German Doctors" den Weltmeistertitel im Bridge-Spiel ergaunert haben. Oder auch nicht und es war eine üble Intrige aus Neid. Die gegen die Spieler verhängten Sanktionen hat das OLG Düsseldorf nun jedenfalls sämtlich aufgehoben.

Ein kurioser Fall, den das OLG Düsseldorf am 15.11.2017 zu verhandeln hatte. Zwei deutsche Ärzte, die im Jahr 2013 auf der Insel Bali die Weltmeisterschaft im Bridge gewonnen hatten, sollen den Weltmeisterschaftstitel durch einen „Hustencode“ ermogelt haben. Durch wechselseitiges Hüsteln in bestimmten Abständen sollen sie sich über ihr jeweiliges Blatt verständigt haben und dadurch schließlich zum Weltmeistertitel gekommen sein.

Gegenseitig zu Bridge-Weltmeister gehustet?

Die Vorwürfe gegen die beiden 75 Jahre und 64 Jahre alten Ärzte klingen tatsächlich bizarr. Hierzu muss man wissen, dass beim Kartenspiel Bridge grundsätzlich zwei Spieler im Team gemeinsam agieren. Für den Sieg kommt es auf ein möglichst intelligentes Zusammenspiel der jeweiligen Teams an. Eine Verständigung der Spieler ist nach den Statuten des Bridge-Weltverbandes nur in einem engen Rahmen erlaubt, der sich im wesentlichen auf das Legen bestimmter Karten beschränkt. Eine Verständigung durch Geräusche oder Handzeichen ist untersagt.

Beispiel: Der beliebte Trick, dass ein Spieler seine Hand auf die eigene Brust legt und damit seinen Wunsch zu erkennen gibt, dass der Partner die Farbe „Herz“ ausspielen soll, würde im Turnier zur Disqualifikation führen.

Deutsche Bridge-Verband traute eigenen Spieler nicht

Die Verbandskollegen hielten die Vorwürfe des Weltverbandes offensichtlich für berechtigt.

  • Der seinerzeitige Präsident des Deutschen Verbandes sprach vom größten Skandal in der Geschichte des deutschen Bridgeverbandes.
  • Der Verband akzeptierte ohne weitere Prüfung die Aberkennung des Weltmeisterschaftstitels durch den Weltverband und
  • übernahm die gegen die beiden Spieler verhängten lebenslange internationale sowie die zehnjährige nationale Sperre. 

Eigentlich eine Bridge-Sensation: Deutsche als Weltmeister

Die Spieler selbst sahen sich einer Hexenjagd ausgesetzt. Noch nie zuvor war Deutschland Weltmeister im Bridge. Der Titel war deshalb eine kleine Sensation und rief auch Neider auf den Plan.

Die beiden deutschen Ärzte beteuern, Opfer einer Intrige geworden zu sein. Mit manipulierten Beweisen habe der Bridge-Weltverband alles versucht, um ihnen den missgönnten Weltmeistertitel wieder abzuerkennen, was schließlich auch gelungen sei. Die gegen sie verhängten Turniersperren seien willkürlich.

Die „German Doctors“ wollen weiterspielen

Um diese Turniersperren ging es im Wesentlichen bei der Verhandlung vor dem OLG. Vor Senat bestanden die beiden, in der internationalen Bridge Szene als „German Doctors“ bekannten Ärzte, darauf, der eine habe während des Turniers überhaupt nicht gehüstelt, der andere habe tatsächlich an einer Bronchitis gelitten und habe deshalb mehrfach husten müssen. Zum Zeitpunkt des Turniers sei es in Bali drückend schwül  gewesen, die Turnierräume seien deshalb extrem heruntergekühlt worden, was bei einigen Teilnehmern zu grippalen Infekten geführt habe. Während des Turniers sei auch bei anderen Spielern ständig ein Hüsteln im Raum zu hören gewesen.

OLG rügt Rechtsverstoß des Deutschen Bridge-Verbandes

Das OLG interessierte sich für diese Argumente der Kläger nur am Rande. Wichtiger erschienen dem Senat die Statuten des deutschen und des Bridge-Weltverbandes.

  • Der Senat kam zu dem Ergebnis, dass der Weltverband nach seinen eigenen Statuten eine personenbezogene Sperre gegen einzelne Spieler gar nicht verhängen dürfe, dies könne nur der nationale Bridge-Verband.
  • Der deutsche Verband habe zwar die vom internationalen Verband verhängten Sperren übernommen, dies jedoch ohne eigene Prüfung der gegen die Spieler erhobenen Vorwürfe.
  • Dies habe er nach den Statuten nicht tun dürfen. Vielmehr sei der deutsche Verband verpflichtet gewesen, den Vorwürfen durch eigene Recherchen nachzugehen und die Richtigkeit zu überprüfen.

Da der nationale Verband dies nicht getan, sondern sich kritiklos den vom Weltverband verhängten, nach den Statuten unrechtmäßigen Sperren angeschlossen habe, sei diese Perpetuierung ohne eigene Überprüfung unrechtmäßig und damit nichtig.

Der Weltmeistertitel ist dennoch futsch

Zur Rückgabe des aberkannten Weltmeistertitels sah sich das Gericht allerdings nicht in der Lage. Der Titel sei dem deutschen Verband als solchem verliehen worden und nicht den Spielern als Personen. Der Verband habe aber nicht geklagt, so dass der Weltmeisterschaftstitel nicht Gegenstand des Verfahrens sei.

OLG gewährt den „German Doctors“ hohe Entschädigung

Neben der Aufhebung der Turniersperren sprach das OLG den beiden Spielern sechsstellige Entschädigungssummen zu. Die Spieler hätten durch den Skandal sowohl Sponsoren als auch Schüler verloren. Dies sei auf das Verschulden des Verbandes zurückzuführen, der durch ungeprüfte Übernahme der Sperren gegen die Statuten verstoßen habe.

(OLG Düsseldorf, Urteil v. 15.11.2017, VI U 8/17 – Kart -).

Anmerkung: Damit die Doctors auch die Goldmedaillen zurückbekommen, müsste der Deutsche Bridge Verband gegen den Weltverband vorgehen.

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Schlagworte zum Thema:  Betrug, Jurisprudenz, Justiz, Juristen, Urteil, Richter

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