22.12.2013 | Serie Colours of law

Berühmte Juristen, Überläufer und leidenschaftliche Gegner der Juristerei

Serienelemente
Nicht nachtreten!
Bild: Michael Bamberger

Juristen werden geschätzt oder sind verhasst –  je nachdem, welche Erfahrungen man mit ihnen gemacht hat. Einige bekannte Juristen oder berühmt gewordene Jurastudenten haben ebenfalls sehr heftige Gefühle zur Rechtswissenschaft und dem Berufsstand der Juristen entwickelt.

Einer der wohl herausragendsten Vertreter des Volkes der Dichter und Denker, Johann Wolfgang von Goethe, war der Ausbildung nach Jurist. Auch Heinrich Heine und E.T.A. Hoffmann haben das Jurastudium absolviert. Letztere fristete auch wirklich neben seiner romantischen Dichtung viele Jahre als Preußische Kammergerichtsrat.

Dem Jurasstudium mehr oder weniger entschlossen den Rücken zugewandt

Manche später bekannt gewordene Autoren wandten sich schon während des Studiums von der Rechtswissenschaft ab und ganz der meist brotlosen Kunst des Schreibens zu: Frank Wedekind und Peter Handke sind bekannte Studienabbrecher, ebenso Gustave Flaubert. Einen Mittelweg wählte Kurt Tucholsky. Als es ihn immer mehr zum Schreiben drängte, verzichteter er zwar auf das Ablegen des 1. Staatsexamens, promovierte aber immerhin noch über das Hypothekenrecht, um abschlussmäßig nicht ganz in der Luft zu hängen.

Vergeudete Juristenjahre?

Bei vielen war der Abschied von der Jurisprudenz mit heftigen emotionalen Reaktionen verbunden. Als vergeudete Jahre bezeichnete Heinrich Heine sein Jurastudium in den Jahren 1819-1825 in Göttingen, das er immerhin mit der Promotion beendete. Anschließend hatte er hierfür nur sarkastische Bemerkungen übrig. „Schöne blühende Lebensjahre“ verschwendete er aus seiner Sicht mit der Jurisprudenz, „dieser illiberalsten Wissenschaft“. Im römischen Rechtskodex sah er ein Werk, mit dem die Römer lediglich das sicherstellen wollten, was sie zuvor durch Raub ergattert hatten. Deren Gesetzessystematik sah er als eine „Mischung der widerwärtigen Art“, seinen juristischen Doktorhut hing er bewusst an den Nagel

Dient die Juristerei zur Verblödung der Studenten?

Auch den französischen Schriftsteller Gustave Flaubert hielt  trotz rechtswissenschaftlichen Studiums immer Distanz zur Juristerei. Die juristischen Professoren hatten nach seiner Einschätzung nichts anderes im Sinn, als ihn zu „verblöden und zu lähmen“. Sein herbes Fazit: Ich scheiße auf die Rechtswissenschaften“ (vgl. Spiegel online). Franz Kafka sah es nicht viel anders und bezeichnete den juristischen Lernstoff als „geistiges Holzmehl“.

Deutsche Dichterjuristen

Goethe war demgegenüber in seinem erlernten Beruf zumindest zeitweise auch tätig. Während er seine juristischen Kenntnisse eher als Notwendigkeit und Grundlage ansah, um seiner Tätigkeit als Geheimrat nachzugehen, lebte der Jurist Tucholsky seine juristischen Ambitionen durchaus aus im Kampf gegen rechten Terror und gegen die Todesstrafe, gegen die er leidenschaftlich zu Felde zog.

Sprüche berühmter Persönlichkeiten

Auch von Nichtjuristen gibt es oft heftig Zunder für Justitia und ihre Jünger. Beklemmend, wenn nicht sogar etwas ungerecht, sind die Äußerungen einiger bekannter Personen der Zeitgeschichte und des Zeitgeschehens über das Wesen der Juristerei und die allgemeine charakterliche und geistige Disposition der Juristen. Hier einige Beispiele:

Otto von Bismarck: Wer weiß, wie Gesetze und Würste zu Stande kommen, kann nachts nicht mehr ruhig schlafen

Tacitus: Früher litten wir unter den Verbrechen, heute an den Gesetzen

Gustav Radbruch: Ein guter Jurist kann nur der werden, der mit einem schlechten Gewissen Jurist ist

Lord Byron: Sollte ich einmal einen Sohn haben, soll er etwas Prosaisches werden: Jurist oder Seeräuber

Ludwig Thoma: Er war ein guter Jurist und auch sonst von mäßigem Verstande.

Charles de Gaulle: Die zehn Gebote sind deshalb so kurz und logisch, weil kein Jurist daran beteiligt war.

Klaus Klages: Jedes Ding hat zwei Seiten. Mit Rechtsanwalt drei.

Harald Pinter: Juristen sind Leute, die die Gerechtigkeit mit dem Recht betrügen.

Silvio Berlusconi über Richter: Um diesen Beruf auszuüben, müssen sie geistesgestört sein und psychische Probleme haben. Sie machen diesen Beruf, weil sie anthropologisch andersartig sind als der Rest der menschlichen Rasse.

Juristen sind nicht so

Dass Berlusconi es so sieht, wie er es sieht, sollte für Juristen eher tröstlich sein. Die harsche Kritik anderer Promis ist vielleicht schmerzlicher. Aber von anderer, auch nicht unberufener Stelle wird oft eingestanden, dass es ohne Juristen letztlich auch nicht geht.

Clemens Brentano rühmt in lyrischen Gesängen den - allerdings mit ihm verschwägerten - Juristen Carl von Savigny wegen seiner Weisheit und die (kluge) Juristerei insgesamt wegen ihrer Wohltaten für die Gerechtigkeit. Wer hat nun Recht, die Sarkastiker oder die Hymnen? Wie so oft dürfte die Wahrheit in der Mitte liegen. Die Juristerei kann je nachdem Segen oder Fluch sein, denn Gesetze werden von unvollkommenen Menschen gemacht und von unvollkommenen Menschen angewendet. Doch was wäre die Alternative?

Schlagworte zum Thema:  Jurisprudenz, Justiz, Juristen, Urteil, Richter

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