18.04.2016 | Serie Wann kommt das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA)?

beA – neuer Starttermin: 29. September 2016 ist fraglich

Serienelemente
Aufgepasst -bea Postfach kommt nun doch in 2016
Bild: mailingwork GmbH

Die Bundesrechtsanwaltskammer darf das Anwaltspostfach nur mit ausdrücklicher Zustimmung des jeweiligen Anwalts freizuschalten. Neue Probleme also, nachdem das Anwaltspostfach zum 29. September 2016, schon verspätet, starten sollte.  Der Anwaltsgerichtshof Berlin hat mit seiner Entscheidung den Start in Frage gestellt, denn eine unsichere Erreichbarkeit der Anwälte entspricht nicht dem Sinn  der beA-Einführung.

Einen Tag vor der offiziellen Abschaltung des EGVP am 30. September 2016 soll das beA für alle Anwälte bereit stehen und, obwohl das Verfahren vor dem Anwaltsgerichtshof noch nicht entschieden wurde, ist laut BRAK „ab diesem Zeitpunkt die gesamte Anwaltschaft elektronisch erreichbar“.

Davon kann nach der Entscheidung des Anwaltsgerichtshofs Berlin nichtmehr die Rede sein. Außerdem kommen auf die BRAK und die beauftragen Firmen Atos und Governikus hohe neue Programmierkosten zu.

Parallele Nutzung von beA und EGVP

Voraussichtlich noch bis Jahresende soll der EGVP-Client einsatzbereit sein, so dass eine parallele Nutzungsmöglichkeit von beA und EGVP gewährleistet wäre. Bereits jetzt besteht die Möglichkeit, auf den kostenlosen Governikus Communikator Justiz Edition umzusteigen.

Ende der Schonfrist für  BeA-Verdränger

Diejenigen Anwälte, die beA verdrängt haben, sollten jetzt handeln und bis zum 29. Juni 2016 die notwendigen beA-Karten bestellen.

Für die Erstregistrierung, quasi die Briefkastentür, wird als Schlüssel die beA-Karte Basis benötigt.

  • Jeder, der bis drei Monate vor dem beA-Start seine Bestellung bei der Zertifizierungsstelle der Bundesnotarkammer aufgegeben hat, soll pünktlich zum beA-Start beliefert werden.
  • Auch die Auslieferung der Mitarbeiterkarten soll wie geplant im II. Quartal 2016 erfolgen.
  • Nach wie vor können Mitarbeiterkarten und Softwarezertifikate nur in Zusammenhang mit der Bestellung einer beA-Karte für den Anwalt lediglich vorbestellt werden.

Die BRAK weist darauf hin, dass die Erstregistrierung keine Auswirkungen auf die Empfangsbereitschaft des Postfachs hat, d.h. auch diejenigen, die die Erstregistrierung unterlassen, müssen mit Post in ihrem beA rechnen, können dann allerdings das Anwaltspostfach nicht öffnen und riskieren, relevante Post zu verpassen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Erstregistrierung

Spätestens zum 15. September soll die Erstregistrierung möglich sein, die BRAK wird hierzu eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Verfügung stellen. Im Rahmen der Erstregistrierung kann eine Mailadresse hinterlegt werden, an die im Falle eines Posteingangs im beA eine Benachrichtigung geschickt wird.

Zeit, sich mit den Änderungen in der digitalen Kommunikation zu befassen.

To do's

Ist Ihre Kanzlei ready für das besondere elektronische Anwaltspostfach?

 

a) Notieren Sie die Frist zum 29. Juni 2016.

b) Prüfen Sie, ob bereits alle notwendigen beA-Karten, Mitarbeiterkarten und Softwarezertifikate bestellt wurden.

c) Bestellen Sie ggf. vorab eine Signaturkarte der BRAK, falls Sie qualifiziert elektronisch signieren wollen.

 

Fünf Tipps, um sich auf beA und den elektronischen Rechtsverkehr vorzubereiten

  1. Benennen Sie einen beA-Beauftragten:
    im Idealfall ein Anwalt und ein Mitarbeiter als Tandem im Team
  2. Erstellen Sie Ihren individuellen Zeitplan:
    Wann soll Ihre Kanzlei „ready“ für den Elektronischen Rechtsverkehr sein? (unabhängig vom neuen Starttermin des beA!)
  3. Prüfen Sie alle technischen Voraussetzungen:
    stimmt die Breitbandqualität an Ihrem Standort,
    haben Sie die notwendigen beA-Karten für Anwälte und Mitarbeiter, zusätzliche Softwarezertifikate, Kartenlesegeräte, bestellt?
  4. In welchen Bereichen sind Veränderungen
    a) zwingend notwendig
    b) wünschenswert
    c) nicht erforderlich?
    Erstellen Sie eine Prioritätenliste und kümmern Sie sich zunächst um die Punkte unter a).
  5. Betrachten Sie beA als weiteren Kommunikationskanal und prüfen Sie, ob und wann beA Briefpost, Telefax, E-Mail & Co. in Ihrer Kanzlei ersetzt oder ergänzt.

Praxishinweis: Auf der Seite https://bea-abc.de halten wir Sie auf dem Laufenden und informieren Sie, sobald es Neuigkeiten in Sachen beA gibt.

Schlagworte zum Thema:  Elektronischer Rechtsverkehr, Rechtsanwalt, Bundesrechtsanwaltskammer, Kanzlei, Besonderes elektronisches Anwaltspostfach

Aktuell

Meistgelesen