Ist Ihre Kanzlei bereit für den beA-Start am 1.1.2018 und was ist zu beachten? Bild: mailingwork GmbH

Das beA stand - mal wieder - vor der Tür. Doch im letzten Augenblick wurde es wegen Sicherheitsmängeln, die ausgerechnet ein Hacker herausfand und meldete, vom Netz genommen. Anwälte können es also, anders als gesetzlich ab 1.1.2018 vorgesehen, nicht nutzen.

beA – Digital.Einfach.Sicher - mit diesem Slogan ging beA vor einem Jahr nach einigen Irrungen und Wirrungen an den Start. Am 28. November 2017 hatte beA Geburtstag, seit einem Jahr können Rechtsanwälte das beA nutzen. Davon Gebrauch gemacht hat allerdings nur ein Bruchteil der Anwaltschaft. Seit 27.12. können auch die es nichtmehr nutzen:

Die Plattform für das besondere elektronische Anwaltspostfach wurde allerdings von der BRAK am 27.12.2017 offline genommen. Das beA musste wegen Sicherheitsmängeln gestoppt werden. Grund: Die zertifizierte Signatur für die Anmeldung wurde als unsicher eingestuft und von T-Systems eingezogen, nachdem ein Mitglied des Chaos Computer Club Darmstadt herausfand und meldete, dass ein wichtiger Code für die Authentifizierung sämtlicher Anwälte öffentlich abrufbar war. Die Nutzungspflicht ab 1.1.2018 ist daher bis auf weiteres nicht erfüllbar.

Eigentlich war klar, dass das beA, ab 1.1.2018 nicht mehr ohne Haftungsrisiko ignoriert werden kann, nun kann es das wohl, bis die BRAK neue Nachrichten und über eine funktionierende Zertifizierung verfügt.

beA = Digital: Wie funktioniert es?

Post wird digital empfangen und versendet, Arbeitserleichterungen und Kostenersparnis sollten Kanzleien motivieren, die letztich alternativlose Einführung der digitalen Akte voranzutreiben. Die Justiz will ab 2026 digitale Akten führen. Innovative Anwaltskanzleien führen bereits digitale Akten oder stellen sukzessive von der Papierakte auf die digitale Akte um. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Wie funktioniert es? Das beA „produziert“ beim Versenden und Empfangen einer einzelnen Nachricht eine ZIP-Datei, die

  • neben dem reinen Dokument
  • die Visitenkarte des Absenders,
  • das Nachrichtenfeld,
  • das Prüfprotokoll, ggf. eine Signaturdatei
  • sowie die Exportdatei als HTML-Dokument enthält.

Darüber hinaus wird ein maschinenlesbares XML-Dokument im Umfang von knapp 300 Seiten erstellt. 1 MB und mehr kann je nach Dokumentenumfang zusammenkommen.

Die Schnittstellen zu den Anwaltssoftwareanbietern werden meist mit dem Jahresupdate 2017/2018 kommen, häufig wird für die Bedienung ein beA-Softwarezertifikat - zusätzlich zur beA-Karte für die Registrierung - benötigt. 

Gut, wenn man sich auf der Webseite bereits mit den Einstellungen vertraut gemacht hat und startklar für die ab 1.1.2018 geltende Empfangsbereitschaft ist.

Registrierung und Anmelden am beA-Postfach

Zur Registrierung und zum Anmelden am beA-Postfach braucht jeder Anwalt neben dem PC und der Internetverbindung für jeden PC eine Java-basierte Software, die Client Security.

  • Ohne diese Software, die auf der Startseite des beA heruntergeladen werden kann, kann das beA nicht funktionieren.
  • Jeder Berufsträger braucht seine eigene beA-Karte und ein Kartenlesegerät.
Kartenlesegeräte sind jetzt ausverkauft, die BNotK weist darauf hin, dass eine Auslieferung bis Jahresende nicht gewährleistet werden kann.

Was machen Anwälte, die nicht rechtzeitig beA-startklar sind?

Der Anwaltsdienstleister Soldan bietet allen, die nicht schnell genug waren oder den Schritt in die digitale Welt noch nicht machen wollen, einen beA-Postfach-Service an.

Mit einem Umweg über die Deutsche Post wird die im beA eingehende Post ausgedruckt und per Postbote überbracht.Willkommen in Analogien!

beA – Einfach? Die Einrichtung ist kein Kinderspiel

Was ganz leicht zu handeln sein sollte, ist leider nicht ganz so trivial.

Viele Anwälte, gerade in kleinen Kanzleien, kapitulieren schlicht vor den technischen Notwendigkeiten, die beA einfordert.

  • Unverträglichkeiten bei Browsern,
  • anderen Softwareprogrammen
  • und „unerwartete Fehler“

machen den beA-Start keineswegs einfach.

Wer lieber Honorare für Rechtsdienstleistungen generiert, als sich notgedrungen zum Techniker zu entwickeln, sollte zum Festpreis einen IT-Experten anheuern, der die Installation vornimmt und auch bei der Registrierung und ggf. Einrichtung des beA hilft. Ein oder zwei It-afiner Mitarbeiter sollten ihm dabei an den Fersen kleben und sich als Key-User in das Thema einarbeiten.

BeA-Registrierung = Empfangsbereitschaft?

Immer noch sind viele Anwälte verunsichert, ob sie mit der Registrierung des beA explizit ihre Empfangsbereitschaft erklären und damit

„Zustellungen und den Zugang von Mitteilungen über das besondere elektronische Anwaltspostfach zur Kenntnis nehmen und gegen sich gelten lassen müsse"

Dies ist nicht der Fall. Gleichwohl zeigen die deutlich auseinander klaffenden Zahlen derjenigen, die eine beA-Karte bestellt haben und derjenigen, die sich beim beA registriert haben, dass das Gerücht sich hartnäckig hält. Wer sich registriert und Testnachrichten versendet, hat nichts zu befürchten!

Schlagworte zum Thema:  Anwaltssoftware, Besonderes elektronisches Anwaltspostfach, Elektronischer Rechtsverkehr, Gericht, Behörde, Elektronische Akte, Rechtsanwalt

Aktuell
Meistgelesen