Auch das noch Angekreidet

Gerade zur Weihnachtszeit sieht man mit Rührung auf die lieben Kleinen. Auch Richter zeigen gelegentlich, selbst mitten im Jahr,  Verständnis für Kinder. Etwa, wenn sie mit Straßenkreide Kunstwerke hinterlassen, die Vermieter nicht zu schätzen wissen.

Über eine Reinigungsmaßnahme stritten sich der Vermieter und die Mieterin einer Wohnung vor dem Amtsgericht Wiesbaden. Der Sohn der Mieterin hatte den Boden vor dem Hauseingang mit Straßenmalkreide verziert. Das behagte dem Vermieter nicht. Er ließ das Kunstwerk umgehend mit einem Hochdruckreiniger entfernen. In der Betriebskostenabrechnung stellte er der Mieterin hierfür 44,08 Euro in Rechnung.

„Das ist mit Kanonen auf Spatzen geschossen“, sagte das AG Wiesbaden (Urteil v. 26.1.2007, 93 C 6086/05-17) und zeigte sich kinderfreundlich: Selbst wenn das Bemalen des Bodens durch ein Kind nicht vom normalen Mietgebrauch gedeckt sein sollte, sei es jedenfalls nicht angemessen, gleich zum Hochdruckreiniger zu greifen. Der Vermieter hätte einfach den nächsten Regen abwarten können. Auch das Argument, dass ohne die Maßnahme Kreidepartikel ins Haus getragen worden wären, überzeugte das Gericht nicht. Schließlich sei es üblich, sich vor dem Betreten eines Hauses die Füße abzutreten.