12.03.2015 | Serie Kanzleiprofil

Anwalt darf Mandanten nicht mit Pin-Up-Kalender beglücken

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Kleine Rechtsberatung gefällig? Lieber nicht mit nackten Tatsachen für die Kanzlei werben
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Kalender mit leicht bekleideten Damen taugen nicht als Werbemotive für seriöse Anwälte und ihre Mandanten. Das wäre zu unsachlich und bar jeder sachliche Information. Erst kürzlich hat der BGH einem Anwalt sexistische Schockwerbung auf Kaffeetassen verboten. Auf derselben Linie bewegte sich nun das Anwaltsgericht Köln.

Ohne Kanzleimarketing geht es heute nicht mehr. Doch nicht alle Marketingmaßnahmen sind gegeignet. Ein Anwalt aus dem Kammerbezirk Köln wollte seinen Mandanten und künftigen Klienten Ende 2013 etwas Gutes tun. Er schickte ihnen einen Jahreskalender mit dem Titel „Dream Girls 2014“ als Werbegeschenk zu. Auf dessen Deckblatt war die Kanzleiadresse abgedruckt.

Rechtsanwaltskammer stand nicht auf  Pin-Ups

Von der Werbeaktion bekam die Rechtsanwaltskammer Köln Wind und rügte das Verhalten des Anwalts als berufsrechtswidrig wegen unsachlicher Werbung nach § 43b BRAO.

Das sei völlig antiquirt, meinte der Anwalt vor dem Anwaltsgericht Köln. Abrisskalender seien in der Branche durchaus üblich. Er könne keinen Unterschied erkennen, ob die jeweilige Kanzlei nun einen Kalender mit Landschaftsmotiven oder erotischen Bildern verschicke.

Effekthascherei statt sachlicher Information

Das sahen die Richter aus der Domstadt völlig anders. Es handele sich vorliegend um rein auf Effekthascherei ausgerichtete Werbung. Eine sachliche Information über die Dienstleistung der Kanzlei habe der Kalender nicht enthalten. Die reklamehafte Aufmachung habe mit einer vertrauensvollen Mandatsarbeit nichts gemein. Im Übrigen teilte das Gericht nicht die Ansicht des Klägers, wonach die derzeit noch gültigen Werbebeschränkungen in der Berufsordnung überholt seien. Im Ergebnis bestätigten die Anwaltsrichter die Entscheidung der Rechtsanwaltskammer Köln.  

(AnwG Köln, Beschluss v. 10.11.2014, 10 EV 490/14).

Vgl. zu dem Thema auch:

Sachlichkeitsgebot - BGH verbietet Anwalt Schockwerbung

Kanzlei macht Schockwerbung

Serie Professionelles Kanzleimarketing

Schlagworte zum Thema:  Kanzleimarketing, Berufsrecht, Rechtsanwalt, Kanzlei

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