11.03.2016 | Juristische Wissenspools und Arbeitshilfen

Anwälte sollten digitale Innovationen nicht unterschätzen

Ich ... bin ... Ihr... neuer ... Anwalt: Wann überschwemmt künstliche Intelligenz den Rechtsmarkt?
Bild: Haufe Online Redaktion

Dieser Tage wird viel über künstliche Intelligenz geredet. Irgendwann, so wird spekuliert, werde der Roboter den Anwalt ersetzen, zumindest bei Routinetätigkeiten. Auch wenn das reichlich an den Haaren herbeigezogen ist - technische Innovationen dürfen Anwälte nicht verschlafen. Sonst verlieren sie ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Seit einigen Jahren ist der Anwaltsmarkt in weiten Teilen vom Anbieter- zum Nachfragermarkt gekippt. Das heißt: Nicht mehr die Anwälte bestimmen den Preis für ihre Dienstleistung, sondern immer stärker die Mandanten. Das gilt vor allem im gewerblichen Bereich, wo Einkaufsabteilungen partout nicht einsehen wollen, warum ausgerechnet Anwälte Stundensätze jenseits der 250 Euro aufrufen, wo sich doch alle anderen Dienstleister mit deutlich weniger Salär begnügen.

Digitale Wissenspools entstehen

Im Verbrauchermarkt haben Anwälte heutzutage vor allem mit digitalen Rechtsratgebern wie 123recht.net, janolaw.de oder smartlaw.de zu kämpfen, die für 20, 30 Euro den schnellen Rechtsrat anbieten, der dann auch noch für Hunderttausende Rechtssuchende einsehbar ist.

  • Hier entstehen im Laufe der Zeit diverse Wissenspools bei den unterschiedlichsten nichtjuristischen Anbietern, welche sich ein Einzelanwalt bzw. eine kleine Kanzleieinheit selbst nie aufbauen kann.
  • Diese Wissenspools führen derzeit noch ein Schattendasein im Internet, könnten aber irgendwann zu einem bedeutenden Marktplayer mutieren.

Innovative Arbeitshilfe oder künstliche Intelligenz

Beim Schlagwort „künstliche Intelligenz“ winken Anwälte derzeit noch ab. Das Juristen durch Artificial Intelligence (AI) oder künstliche Intelligenz (KI) ersetzt werden können, ist zwar Gegenstand viele visionäre Beiträge. Doch der geniale Jura-Roboter scheint bisher eher dem Bereich der Science Fiction zurechenbar. 

Das wissen die meisten Anwälte wohl und verlassen sich auf ihre Auffassungsgabe, ihren persönlichen Kontakt zu den Mandanten und ihre Erfahrungen. Richtig ist: Anwaltsroboter wird es so schnell keine geben. Oder doch? Es wird zwar in großem Stil Wissen gesammelt und sortiert, doch von echter Intelligenz sind die Innovationen noch entfernt und verharren wohl noch länger auf dem Niveau gehobener Fakten-Sammler und -Jäger und letztlich hoch technologisierter Arbeitshilfen.

Verträge aus dem Netz

Doch schon die digitalen Vertragsgeneratoren, die allenthalben im Internet angeboten werden, dürften so manchem seriös arbeitenden Anwalt zunehmend übel aufstoßen: Die Nachfrager werden sich, wenn alles gut gegangen ist, beim nächsten Rechtsproblem an denjenigen Internetanbieter erinnern, bei dem sie den Gesellschaftsvertrag für nur 25 Euro heruntergeladen hatten. Wenn es schlecht geht, wird er sich allerdings auch lange daran erinnern.

Marktverwirrungsschaden: groß

Viele Rechtsuchende werden erfahren müssen, dass der schnelle Rechtsrat im Internet manchmal ein schmutziger und teurer Ratschlag war.

Einen Gesellschaftsvertrag mal eben per Mausklick zu generieren, an dem die Existenz ganzer Familien hängt, ist extrem leichtsinnig und etwas geizig.

Geht etwas grundlegend daneben, weil eben ein Vertrag sich nicht für alle und alles schickt, geht es dann doch zum Anwalt, häufig mehrmals.

Dran bleiben, entdecken statt sichten

Anwälte sollten aber die technologischen Innovationen schon deshalb aufmerksam verfolgen, um ihre eigene Organisation so effizient wie möglich zu gestalten.

Dazu gehört es, die eigene Arbeit zu rationalisieren , wo es ohne Qualitätseinbuße möglich ist. Durch eDiscovery gelingt es etwa, riesige Datenmengen nach bestimmten Kriterien zu analysieren. So lassen sich digitale Aktenberge durchforsten und die Prüfung, Verwertung und Zusammenstellung von Dokumenten wird deutlich effizienter. Kosten und Zeitaufwände können sich so enorm zu verringern.

Dergleichen darf nicht verschlafen, wer vorne mit reiten will, denn den Wettbewerbsdruck wird nur aushalten, wer gut und preiswert Rechtsdienstleistung produziert. 

Vgl. zu dem Thema auch:

Innovation und Anwalt

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Rechtsanwalt, Künstliche Intelligenz (KI)

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