20.12.2011 | Kanzleitipps

Anlagen für Pessimisten: Wohin mit dem Geld im neuen Jahr?

Alle Zeichen für das kommende Aktienjahr stehen auf „Sturm“. Die USA bewegen sich wegen ungelöster Schuldenprobleme ins Abseits. Italien und Spanien können sich Geld nur noch zu Rekordzinsen leihen. Aus der Finanzkrise wurde nicht gelernt und um den Euro wird gezittert. Was tut in dieser Lage der vorsichtige Anleger? Er verdient an Kursverlusten...

2011-er Bilanz für Aktienanlagen ist negativ

Die 2011er Bilanz für Aktienanlagen ist negativ, auch wenn sich die Börsen teilweise freundlich zeigten. Im November verfehlte der deutsche Leitindex DAX mehrfach die 6000er Marke.

Aktuell liegt der Index bei 5600. Alle Zeichen fürs kommende Aktienjahr 2012 stehen auf „Sturm“. Die USA gelangen zunehmend ins Visier der Anleger wegen ihrer ungelösten Schuldenprobleme. Italien und Spanien können sich nur noch zu Rekordzinsen neues Geld am Kapitalmarkt leihen. Experten konstatieren, dass bislang keine Lehren aus der Finanzkrise gezogen wurden.

 

Tipps für vorsichtige Anleger: auf die Marktentwicklung setzen

Anleger, die im kommenden Jahr mit weiteren Kursverlusten rechnen oder zumindest glauben, dass sich die Erholung an den Börsen weit ins erste Halbjahr 2012 hinziehen wird, können mit verschiedenen Hebelpapieren auf genau diese Marktentwicklung setzen.

Für die Spekulation auf fallende Aktienkurse sind die „Put-" oder „Short"-Varianten dieser Hebelpapiere gedacht. Ihr Wert steigt i. d. R. überproportional, wenn die Notierungen an den Börsen fallen. Soll hingegen auf steigende Aktienkurse gesetzt werden, müssen „Calls" gekauft werden. Liegt der Anleger richtig, gewinnt er immer - selbst bei starken Kursrückgängen.

 

Hebelpapiere, Calls, Puts, Knock-Outs

Der traditionelle Weg, um an fallenden Aktienkursen zu verdienen, ist der Kauf spekulativer Hebelpapiere - Optionsscheine und Knock-out-Produkte genannt. Mit ihnen können Anleger durch die „eingebauten" Hebel überdurchschnittlich gewinnen, aber eben auch verlieren.

 

Beispiel für die Wirkung des Hebels

Ein Hebel von 10 eines Put-Scheins bedeutet: Fällt der DAX um 1%, dann steigt das Derivat um rund 10%. Steigt der DAX um 1%, dann fällt das Derivat jedoch ebenfalls um 10%.

 

Nur für erfahrene Anleger geeignet

Hebelpapiere sind daher nur für erfahrene Anleger geeignet, die sich um die Besonderheiten dieser Wertpapiere und ihrer Risiken bewusst sind.

  • Dies gilt besonders für die Knock-Outs.
  • Sie verfallen von einem Moment auf den anderen wertlos, wenn der Basiswert - eine Aktie oder ein Index - eine festgelegte Kursschwelle erreicht.

Der Preis der Knock-Outs bleibt zwar von der Volatilität am Markt unberührt, gleichwohl steigt mit höheren Kursschwankungen die Wahrscheinlichkeit, dass diese Derivate wertlos werden.

 

V-DAX-New für Volatilität

Der Preis vieler derivativer Wertpapiere wird von den Kursschwankungen (Volatilitäten) am Markt beeinflusst. Dies gilt auch für Optionsscheine:

  • Sie werden teurer, wenn die Kurse stärker schwanken.
  • Die Abhängigkeit von Kursschwankungen kann im Extremfall dazu führen, dass Anleger, selbst wenn sie auf die richtige Richtung der Kursentwicklung setzen, doch verlieren.

Ein Maß für die Volatilität des deutschen Aktienmarkts ist der V-DAX-New (ISIN DE000A0DMX99, WKN A0DMX9). Der Index bildet die am Markt für die kommenden 30 Tage erwartete Schwankungsbreite des DAX ab. Im November 2011 erreichte der Index einen Wert von 39 %, Mitte 2009 stand er noch bei fast 80 %.

 

Reverse-Zertifikate

Neben Puts und Knock-Outs gibt es auch konservativere Möglichkeiten, um auf Kursrückgänge zu setzen. Papiere für konservative Pessimisten sind Reverse-Zertifikate. Sie kehren die Funktionsweise eines herkömmlichen Zertifikats, z. b. eines Bonuszertifikats, um.

  • Bei Kursverlusten steigen die Papiere,
  • starke Kursgewinne schaden dem Anleger allerdings.
  • Und schlimmstenfalls kann der Totalverlust drohen.

Reverse Zertifikate auf den Short-DAX  gibt es viele. Interessant ist u. a. der ETFX DAX Short Fund. Der börsennotierte Fonds notiert aktuell bei 52,70 EUR. Bei Investments in DAX und Short DAX sollten Anleger allerdings beachten, dass sich beide Indizes nicht identisch entwickeln, d. h der Short-DAX fällt nicht genau proportional so wie der DAX steigt und umgekehrt.

 

Discount Zertifikate

Rechnen Anleger mit eher seitwärts tendierenden Märkten, könnten Discount-Zertifikate interessant sein. Hier erwirbt der Anleger einen Basiswert mit einem Abschlag (Discount), der umso höher ausfällt, je stärker die Kurse schwanken. Er bildet den Sicherheitspuffer gegen Verluste. Die Gewinnchancen sind durch einen „Cap" begrenzt. Wie immer gilt: je höher das Risiko, desto höher die mögliche Rendite.

 

Fazit: Anleger können durch den Kauf von Put-Optionsscheinen oder Knock-Outs oder den konservativeren Zertifikaten auch bei fallenden Aktienkursen Geld verdienen. Solche Anlageinstrumente können auch zur Absicherung bestehender Aktienpositionen eingesetzt werden. Fallen die übrigen Aktien, steigen die Puts und gleichen einen Teil der Verluste durch die Kursrückgänge aus.

Mit den zum Jahresende gesunkenen Volatilitäten werden Optionsscheine wieder interessanter. Optionsscheine sind für den Privatanleger sehr viel weniger spekulativ als Knock-out-Papiere. Konservative Anleger, die auf  weniger Risiko setzen, kaufen Optionsscheine, die „im Geld" liegen. Die Volatilität fällt hier preislich weniger ins Gewicht. Denn diese Scheine haben einen „inneren Wert", der sich aus der Differenz zwischen dem „Basispreis" und dem aktuellen Wert des Basisproduktes ergibt. Die Laufzeit sollte etwas länger gewählt werden, um eine ausreichende Sicherheitsspanne zu haben.

Rechnet der Anleger für die nächsten 3 Monate mit Verlusten, sollte er ein Papier mit 5 oder 6 Monaten Laufzeit wählen. Im Übrigen lassen sich im Reverse Zertifikaten ebenfalls Gewinne bei fallenden Aktienkursen erzielen, zwar nicht mit Hebel, dafür aber weniger spekulativ.

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