18.06.2013 | Ausbildungsunterhalt

Unterhaltspflicht für 2. Studienanlauf auch noch nach längerer Selbstfindungsphase

In Australien ihren Berufsweg gefunden
Bild: Dieter Schütz ⁄

Das erste Studium wurde nichts. Wer aber zahlt den nächsten Anlauf zum Akademiker? Der Vater muss auch den 2. Studienversuch finanzieren. So hat das OLG Hamm entschieden und der Tochter eine lange Orientierungsphase in Australien zugebilligt.

Im Jahr 2008 hatte die Tochter ihr Abi gemacht. Anschließend begann sie ein Studium in den Niederlanden, das sie aber nach zwei Jahren abbrach. Nach mehreren Praktika folgte ein längerer Aufenthalt der Tochter in Australien. Zum Wintersemester 2011 nahm die vierundzwanzigjährige Tochter das Studium der Journalistik auf und verlangte Unterhalt von ihrem Vater. Dieser war hierüber wenig amüsiert und meinte, im Alter von 24 Jahren solle die Tochter mal schön für sich selbst sorgen. Spätestens seit Abbruch des Studiums in den Niederlanden war nach Meinung des Vaters jeglicher Unterhaltsanspruch der Tochter entfallen.

Trotz Studienabbruch - Tochter hat Recht auf Ausbildung 

Das zunächst mit der Sache befasste AG teilte die Ansicht des Vaters in dem Punkt, dass nach Abbruch des Studiums in den Niederlanden zunächst ein weiterer Unterhaltsanspruch nicht bestanden habe.

  • Mit Aufnahme des Studiums der Journalistik habe die Tochter sich aber für einen endgültigen Ausbildungsweg entschieden, für den sie auch geeignet sei.

  • Dies zeigten ihre bereits erbrachten Leistungen in dem Studiengang.

  • Gemäß § 1610 BGB hätten Kinder einen Anspruch auf angemessenen Unterhalt.

  • Dies beinhaltete die Kosten für eine angemessene Berufsausbildung.

  • Eine solche Berufsausbildung habe die Tochter bisher nicht abgeschlossen, so dass der Unterhaltsanspruch insoweit weiter bestehe.

Lange Orientierungsphase

Auch nach Auffassung des OLG war der Anspruch der Tochter auf Unterhalt bei Aufnahme des Journalistikstudiums noch nicht verwirkt. Es sei zwar zuzugeben, dass die Tochter eine ausgedehnte Orientierungsphase benötigt habe, um schließlich zu einem klaren Ausbildungsentschluss zu kommen. Diese Orientierungsphase sei ihr jedoch zuzubilligen, zumal sie während der Orientierungsphase über einen längeren Zeitraum Unterhalt nicht in Anspruch genommen habe. Der Anspruch auf Unterhaltsleistungen für die Durchführung einer Erstausbildung werde hierdurch nicht tangiert.

Ausbildungsobliegenheit nicht verletzt

Die unterhaltsrechtliche Finanzierung der Erstausbildung könnte nach Auffassung des OLG nur dann versagt werden, wenn die Tochter über einen längeren Zeitraum ihre Ausbildungsobliegenheit gegenüber den Eltern verletzt hätte und diesen nach ihren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen weitere Unterhaltsleistungen nicht mehr zugemutet werden könnten.

Selbstfinanzierte Orientierungsphase versenkt den Ausbildungsanspruch nicht

Eine längere Selbstfindungsphase, während der die Eltern finanziell durch das Kind nicht belastet würden, führten nicht zum Verlust des Unterhaltsanspruchs. Die Länge und Dauer der dem Kind zu gewährenden Orientierungsphase sei nach Alter, Entwicklungsstand und den Lebensumständen auch unterschiedlich. Vorliegend sei die Orientierungsphase jedenfalls noch nicht so überdehnt, dass eine Versagung des Unterhaltsanspruchs gerechtfertigt sei.

(OLG Hamm, Beschluss v. 05.02. 2013, 7 UF 166/12). 

Schlagworte zum Thema:  Unterhaltspflicht, Kindesunterhalt

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