01.04.2011 | Familien- & Erbrecht

Überforderte Sachbearbeiterin zahlt selbst Unterhalt, statt ihn beim Kindesvater einzutreiben

Eine Mitarbeiterin des Bremer Jugendamtes hat jahrelang insgesamt 11.000 Euro Unterhalt für einen Jungen heimlich aus der eigenen Tasche gezahlt. Eigentlich hätte sie die Zahlungen beim Kindesvater durchsetzen sollen. Aus Überforderung unterließ sie dies und sprang finanziell ein, weshalb höhere Ansprüche gegen den Vater verjährten.

Gespendet, statt Amtspflegschaft sachgerecht auszuführen

Arbeitsverdichtung gibt es auch im Amt: Eine überlastete Sachbearbeiterin ließ die Akte eines Kindes mit Unterhalts säumigen Vaterunbearbeitet und zahlte in ihrer Not für das fremde Kind privat selbst. Am 31.3.2011 verhandelte das Oberlandesgericht Bremen über den Fall, der 2002 aufgefallen war (nicht nur die Jugendamtsmühlen mahlen langsam).

 

Durch Krankheit der Mitarbeiterin kam Fall zutage

"Die Mitarbeiterin ... war stark überlastet, der Berg vor ihr wurde immer größer", sagte Petra Kodré, Sprecherin des Sozialressorts. Deshalb habe die Frau in ihrer Not immer wieder Beträge aus ihrer privaten Kasse eingebracht . Die Mutter ging davon aus, dass das Geld vom Vater ihres Kindes stammte. Erst als die Sachbearbeiterin lange krank war, kam alles heraus.

 

Ansprüche inzwischen verwirkt

Der heute 21-jährige Sohn war überzeugt, dass sein Vater für ihn viel mehr Unterhalt gezahlt hätte als die 11.000 Euro, wenn das Amt sich rechtzeitig um die inzwischen verwirkten Ansprüche gekümmert hätte. Deshalb verlangte er von der Sozialbehörde weitere 10.000 Euro. Am Ende stand ein Vergleich: Die Stadt zahlt ihm noch 3.000 Euro.

 

Immerhin: Wohltäterin wider Willen

Für den 21-Jährigen bestand als Kind eine Amtspflegschaft. Deshalb hätte das Jugendamt die Unterhaltszahlungen einklagen müssen. Immer wieder stand die Mutter des Jungen zwischen 1996 und 2002 vor der Tür der zuständigen Sachbearbeiterin und fragte nach dem Geld.

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