14.06.2010 | Familien- & Erbrecht

Teure Lebensversicherung - doch die Familie steht im Regen

Absicherung der Familie ist für viele ein wichtiger Aspekt. Viele Deutsche haben deshalb teure Lebensversicherungen. Manchmal droht im Todesfall ihren Angehörigen dennoch finanzielle Not. Woran liegt das?

Stirbt der Haupternährer einer Familie, so stehen die überlebenden Angehörigen (Ehegatte und Kinder) häufig finanziell im Regen. Dabei hatte der fürsorgliche Ernährer oft extra eine nicht gerade billige Lebensversicherung abgeschlossen.

Das Problem: Es wurde die falsche Versicherung abgeschlossen - oft sogar aufgrund einer entsprechenden "Beratung" durch den Versicherungsvermittler.

 

Wenn Kinder da sind: Keine Alternative zur Risikolebensversicherung

Viele Sparer sichern ihre Familie finanziell mit einer Kapitallebensversicherung ab, tun ihren Angehörigen damit aber keinen Gefallen - was sich erst im Ernstfall erweist. In der Kombination von Sparvorgang und Risikoschutz ist der Todesfall-Versicherungsschutz bei Kapitallebensversicherungen in aller Regel viel zu gering bemessen, bemängeln Verbraucherschützer.

 

Wirkliche Absicherung ist mit Kapitallebensversicherung kaum zu "stemmen"

Wollte jemand einen Schutz für den Todesfall versichern, der von der Höhe her tatsächlich ausreicht, so wäre dies grundsätzlich zwar möglich. Aber die monatlichen Prämien der Kapitallebensversicherung wären so hoch, dass Normalbürger sie kaum noch bezahlen könnten.

So raten sämtliche Experten den Verbrauchern ausschließlich zum Abschluss einer Risikolebensversicherung, sofern es um die Todesfallvorsorge geht. Für das Alter sparen sollte man besser getrennt - auf andere Weise bzw. mit anderen Produkten.

 

Kapitallebensversicherung: Steht Renditegier über Sicherheit?

Dabei beziffert sich der Todesfallschutz in mancher Kapitallebenspolice auf mehrere Zehntausend Euro - auf den ersten Blick erscheint er also ordentlich bemessen. Ein nüchterner, kritischer Blick auf die Todesfallschutz-Summen gibt den Verbraucherschützern allerdings recht: Meist ist die Summe erheblich zu klein, um die Familie nach dem Todesfall wirklich langfristig versorgen zu können.

  • Der Wunsch nach einer späteren Rückzahlung eingezahlter Beiträge steht bei der Wahl einer Kapitallebensversicherung viel zu oft im Vordergrund, nicht selten geschürt vom Versicherungsberater.
  • Der eigentlich wesentlich wichtigere Aspekt, wenn Kinder da sind, gerät dabei schnell aus dem Blickwinkel: Die finanzielle Absicherung der Familie beim Tod des Haupternährers.

Dieses Ziel erreicht man nur mit einer Risikolebensversicherung zu bezahlbaren Beiträgen - auch wenn es hier später generell kein Geld zurück gibt.

 

Experten und Verbraucherschützer empfehlen Risikopolicen

Nach Angaben des Informationszentrums der deutschen Versicherer in Berlin würden Inhaber einer älteren Kapitallebensversicherung im Todesfall im Schnitt lächerliche 21.900 EUR erhalten. Das ist die durchschnittliche Versicherungssumme für Bestandsverträge zum Stichtag 31. Dezember 2009.

 

Auszahlung üblicher Kapitallebensversicherung reicht vorne und hinten nicht

Aber auch mit einer überdurchschnittlichen Absicherung von etwa 10.000 EUR mehr seien Familien nicht gut geschützt, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Denn selbst mit 30.000 EUR können zum Beispiel eine Mutter und ein Kind allenfalls eine kurze Weile über die Runden kommen. Das Eigenheim weiter abzahlen und gleichzeitig das Kleinkind betreuen lassen, weil die Mutter wieder arbeiten geht, können sie damit nämlich nicht lange: "Das ist nicht so viel Geld, wenn Sie kleine Kinder haben."

 

Todesfallsumme zu niedrig: Überlebende haben es schwer

Wer zum Beispiel versucht, von den Zinsen dieser Summe zu leben, käme nicht weit. "Wenn Sie 30.000 EUR zu 3 Prozent anlegen, haben sie am Ende des Jahres 900 EUR erwirtschaftet - also keine 100 EUR im Monat", rechnet Rudnik vor. Das Geld wird also sehr schnell aufgezehrt. Der Experte rät deshalb davon ab, mit der Kapitallebensversicherung Hinterbliebene im Ernstfall versorgen zu wollen.

"Mit 30.000 EUR können Sie gerade einmal einen Umzug in eine kleinere Wohnung, eine gute Beerdigung und eine Weile die Kindergartengebühr bei Vollzeitbetreuung bezahlen."

 

Todesfallsumme: 200.000 EUR sind das Minimum bei Familien

Er rät Familien mit Kindern deshalb zu einer Todesfallsumme von 200.000 bis 250.000 EUR - und zum Abschluss dieser Summe als Risikolebensversicherung. Viele Experten raten gar zu noch höheren Summen, je nach Budget der betreffenden Familie. "Die Risikolebensversicherung sollte im Idealfall eine Laufzeit bis zum Ausbildungsende des Kindes haben - also bis das Kind 23 oder 25 Jahre alt ist", sagt Rudnik. Bei Direktversicherern, bei denen Verbraucher den Vertrag online abschließen, sei dieser Schutz am günstigsten zu haben.

Bei der Risikolebensversicherung sei die Auswahl nicht schwer. Der Preis ist laut Rudnik entscheidend: "Es gibt keine gravierenden Unterschiede bei den Bedingungen für den Todesfallschutz." Auch Beratung und Service während der Vertragslaufzeit brauchten Versicherte in der Regel nicht: "Das ist ein Vertrag, den ich einmal abschließe und dann hoffe, dass er bis zum Ende der Laufzeit nicht in Anspruch genommen wird." Eines ist klar: Die Beiträge sind bei einer Risikoversicherung weg, Rückzahlungen kennt sie nicht. Doch dafür erfüllt sie eben ihren eigentlichen Zweck, die Prämien sind der Preis für die gebotene Absicherung der Familie im eventuellen Todesfall des Haupternährers.

 

Mündige Verbaucher sind gefragt: Sicherheit für die Familie

"Es gibt gute Gründe, den Sparvorgang von der Todesfallabsicherung zu trennen", sagt auch Gelhausen. In der Kapitallebensversicherung sind Sparen und Risikoschutz vereint. Ein ausreichender Todesfallschutz ist wichtig - das Sparen aber auch. "Und wenn die Absicherung der Familie im Vordergrund steht, geht das zulasten der Altersvorsorge." Denn Beiträge, die in der Kapitalpolice für das eine aufgewendet werden, schmälern das andere.

Warum empfehlen dann Versicherungsvertreter viel zu häufig den ungenügenden Todesfallschutz über eine Kapitallebensversicherung? Ganz einfach, da sie daran ein Vielfaches an Provision verdienen, verglichen mit dem Abschluss einer Risikolebensversicherung. Gefragt sind daher gut informierte Verbraucher, die wissen was sie brauchen - und dies im Interesse ihrer Familie auch durchsetzen.

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